Die Entschiedenheit sehen
Verschiedene Weltenentstehungslegenden, die bei Sternenguckern und unter Physikern in Kosmosfragen kontrovers besprochen wurden. Eine halbe Ewigkeit fast. Ohne daß man, trotz mancher Schreierei, einer einzigen den Vorzug gab. Keine der Mächte, auch nicht die mit der Religion in der Vorhand, die sich durchzusetzen vermochte, gleichgültig, wie übel es zeitweise in Sachen Religiösität bei Bevölkerungen zuging.
Auch der Urknall, der gehörte mit seinen besagten Perspektiven, allerhöchstens zu dem Charakter dazu, bei dem man sich unter sich zu keiner unbedingten Entschiedenheit verhelfen konnte. Am Wissenschaftshof war da nicht allzuviel drinnen, gleichgültig, wie sehr Theologen, Kleriker dort drängelten, mitunter auch mit ihren Exkommunikationsansagen drangsalierten. Forscher in Kosmosfragen als Gottlose auszeichneten.
Das heißt, die Nordamerikaner sind nicht die, die den Urknall erdachten. Der war da schon lange eine perspektivische Möglichkeit. Ende des neunzehnten Jahrhunderts, anfangs des zwanzigsten. Jedoch für jeden persönlich, welchem Kosmosmodell einer eben den Vorzug geben wollte, welchem nicht.
Durchaus ein Ärgernis für manchen Kirchenstaat, der von denen der Wissenschaften außerdem zu diesem und jenem gezwungen wurde. Sich bei Weltallthemen umtun und regelrecht hinterherhecheln mußte. Weil es aussah, daß man, wiewohl man im Mittelalter in Wissensfragen eine Kontrollinstanz bei den meisten Bevölkerungen war, den Wissenschaftsneuigkeiten, wie die sich verbreiteten, kaum hinterherkam. Überdies noch bei diesem Thema gut dabei, der Nietzsche-Spruch: Gott ist tot.
Da war demnach kirchenstaatlich einiges zur Kenntnis zu nehmen und zu unternehmen. Nachdem viel zu viel kühl wissenschaftlich dahergeredet wurde, Science fiction- und Wissenschaftsartikel-Belesenheit sich noch dem gewöhnlichsten Priester am Kirchenvorhof präsentierte. Wieder auf dem laufenden hatte man zu sein, zu ignorieren war die zwanziger, dreißiger Jahre nichts, was die Wissenschaftswelt unterbrachte, komplex berechnete. Besser wollte man mit seiner Theologie auf die Bühne zurückzukehren, auch am Hof der Wissenschaften.
Praktisch haufenweise Neuigkeiten gab es immer, die sich in Wissenschaftsartikeln zu vielen Leuten mitteilten. Nahezu jeder wollte zur damaligen Zeit bald Wissenschattler werden, kaum mehr einer sich für die Berufung eines Geistlichen entscheiden. Daß alleine deswegen schon mal was passieren mußte, damit sich an manchem wieder was änderte, die Reihen an Priesterschaft, Nonnen geschlossen blieben.
Und siehe, es geschah etwas. Drang aus Nordamerike in die weite Welt hinaus, auch über den großen Teich. Zu der Zeit, daß diese Welt nicht unbedingt Europa hieß. Weil in Europa Krieg die Szenerie beherrschte. Ein Krieg, der derweil für die nordamerikanische Forscherwelt kaum von größerer Bedeutung war, außer daß man nachrichtentechnisch über den neueten Stand der kriegerischen Zustände unterrichtet war. In den Vereinigten Staaten war alles nahzu wie eh und je, als wäre Friedenszeit, und das bei Weltkriegsbeteiligung.
Die Forscherlandschaft in den USA demnach beinahe von nichts irgendwie angefaßt. Alles dort wie immer. Während die Europäer wegen den kriegerischen Metzeleien und den Konzentrationslagertransporten, an Bedeutung einbüßten. Schließlich gab es auch unter Wissenschaftlern Tote zu verzeichnen. Der eine oder andere diente derweil seinem nationalen Kriegsherrn, mußte späterhin als Überlebender des Krieges dessen Niederlage zur Kenntnis nehmen. Währenddesssen festgestellt werden darf, daß dieser und jener Wissenschaftsmensch, der die europäische Szene überlebte, nicht auf dem neuesten Stand war. Was nicht hieß, daß die, denen es zu Kriegszeiten als Knechte der Herrschenden auch wissenstechnisch besser ging, unbedingt viel zu melden hatten, bei den Nordamerikanern, Briten, Russen, die die Siegermächte waren. Allerhöchstens als Opportunisten waren manche dort für größere Dinge gut, wenn sie nichts einer jahrelangen Lagerhaft erfuhren.
Selbst die, die sauber geblieben waren, allle Übelkeit überlebt hatten, die waren, als die Information bei ihnen zurück war, sie wieder reisen konnten, eine Minderheit geworden. Für die galt: Widerspruch zwecklos. Bei der massierten Übermacht an Nordamerika-Wissenschaftsvolk, bei dem mancherlei an Religion zum Vorschein kam. Jene besagten Gottsucher-Wissenschaftler, denen sich noch echte Priesterschaft in Zivilkleidung beimengte. Die, die mit der unzweideutigen Religionsperspektive an die Teleskope machte. zwischenzeitlich selbst bei den mathematischen Formelhaftigkeiten mitmischen wollte. Der Faktor Schöpfergott sollte endlich in die Rechnung bei den wissenschaftlichen Formeln miteinbezogen werden.
Und siehe, es gab dann richtig frohe Kunde zu vermelden. Aus den USA, daß es sich verbreitete. Etwas, auf das von manchem Kirchenstaat lange gewartet wurde, spielte sich ab. Hubble, der Wissenschaftler, war der Auslöser. Hubble, selber zwar überhaupt nicht übermäßig religios, was Hubble allerdings auch nicht notwendigerweise sein mußte. Hubble hatte in den Vereinigten Staaten genug Wissenschaftskollegen. Welche mit Religionsblickwinkeln, aus denen es im Angesicht von Hubbles Wissenschaftsarbeit herausbrach. Diejeenigen waren das, die dann selbst den Markt der Weltenentstehungslegenden noch entschieden sehen wollten. So sehr waren sie von der Fahrweise der Galaxien bei Hubble euphorisiert, die sie selbst nachsahen, daß auch in dem und dem Kirchenstaat deswegen noch hochgesprungen und jubiliert wurde. Die eine Verheißung, die bei Hubble, die blieb nicht unverstanden. Früherher war man ja schon schwer dafür, für so was wie einen Urknall, ohne daß das sich durchsetzen hatte können. Bloß nun, nachdem es schwer danach aussah, als daß die Galaxien von einer Explosionswelle getragen würden, auf ihr voranschwämmen. Von einem Kosmospunkt aus in jede Richtung. Als hätte es da tatsächlich einen Urzeitböllerschlag gegeben.
Damit nun wähnte man, selbst noch den Entscheid am Marktplatz der Weltenentstehungslegenden besorgen zu können. Erdenweltweit.
Und, heute ganz unzweideutig in Sicht, daß man sich dazu auch verhelfen konnte. Der Große Knall erlebte seine allgemeingültige Einführung. Die Ausrufung von Wissen war. Nichts mehr mit Ergebnisoffenheit. Seit diesen Lebenstagen ist der Urknall das Endergebnis, bei dem man nur noch eins zu unternehmen hat: sich zu dem unterm Strich hinzurechnen. Dann hat man sich um was den Großen Knall verdient gemacht, ist man darin gut.
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