Gemach, gemach
25. Juni 2016 , Geschrieben von TeddeMehr
"Klar hab ich die Scheidung eingereicht, Baby. Mußt es aber jetzt nicht eilig haben mit deinem Anwalt. Kann doch noch eine Zeitlang bei dir wohnen bleiben, die Schlüssel und alles behalten, oder? Du wolltest dich doch schließlich nicht scheiden lassen."
Das Volk hat als Souvereign gesprochen, siebzig Prozent haben gewählt.
Die Mehrheit war zwar relativ knapp, aber unzweideutig. Man muß das akzeptieren.
Das heißt, die andere Seite konnte den einen Teil der Bevölkerung mit seinen Parolen eher erreichen. Als die Befürworterseite dafür sorgen konnte, für den Verbleib zu stimmen.
Was den Leuten an Abspaltungsversprechungen auseinandergesetzt wurde, schien denen griffiger. Kommt ja aus altbewährtem Gedankengut. Altvorderem Geist. So wie die handelsüblichen Nationalbezeichnungen, die derzeit ein Fußballturnier weiter wie eh und je übermittelt. Diese Denke, diesen Schein.
In dem Sinne der urtümlichen Idee des "Nationalen" hat so was direkt Bedeutung, daß man selber Großstaat wäre, nicht lediglich eine Region.
Die "europäische Idee" ist das nicht. Die europäische Idee ist in der Nachkriegszeit, nach dem zweiten Weltkrieg, entwickelt worden. Eine Friedensidee.
Apropos: Die Briten haben sich zur Scheidung entschlossen. Das Referendum ist bindend. Jetzt haben es die Briten nur anscheinend plötzlich nicht mehr ganz so eilig, der Europäischen Union zu entfliehen.
Es ist viel von den Fristen die Rede, bis zu denen man alles erst ausgehandelt haben muß, was den Birten-Austritt angeht. Ausschöpfen will man sie. Was heißt: Gemach, gemach, abwarten und Tee trinken.
Man hat Zeit. Jede Menge Zeit. So lange wie möglich soll eigentlich alles beim alten bleiben. Der möglichst abgemilderte Schaden. Für Großbritannien, die eigene konservative Partei, die in den Wahlumfragen abstürzen könnte, sollten die Umstände mit dem Angerichteten denn zu rasch zu hart werden.
Obwohl - könnte man da nicht den bösen Festlandeuropäern die Schuld geben? Die von der EU, die nichts wollen als einen zu unterminieren. Als wäre da nichts inbegriffen gewesen, wenn man sich abspaltet. Nach dem Motto: Gerne alles weiter mein, auch wenn ich es weggegeben habe. Wie bei einer Ehe: Als wäre der Partner noch der Partner, hätte man nicht die Scheidung eingereicht. Trennen wollte der sich ja nicht.
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