Falsche Anhängerschaft
Hast du da Worte? Fällt dir dazu was ein?
Eine inszenierte Trauerfeier für so einen Rechtsraus in einem Fußballstadion. Aus so einer Schar Anhängerschaft heraus.
Viele der Fußballspielbesucher - und selbst die Spieler, Trainer - ahnungslos, was für Fahnen und Trikots herumgeschwungen wurden. An was für einem Schauspiel sie teilhaben mußten, man hatte keinen besonderen Begriff.
Vielleicht hätte eine Vereinsführung, sobald sie Wind von der Sache bekam, das gesamte Spiel im vornehinein absagen sollen. Hat sie allerdings nicht gemacht. Hat nicht bei Institutionen, Polizei und dem, um Hilfe gebeten. Nachdem man mitkriegte, daß man Umtrieben nicht mehr selber Herr werden konnte, blieb man lieber "hilflos", "unbeteiligt". Obwohl wahrscheinlich bei einem ausgeholfen worden wäre, polizeilich, von Staats wegen. So ließ man den Dingen ihren Lauf.
Man präsentierte sich erpreßbar. Blieb ohne jede größere Notwendigkeit vor vollendete Tatsachen gestellt, gibt im Heute ängstliche Hilflosigkeit vor. Als hätte man sich gegen nichts erwehren, nichts verhindern können. So Choreografien, die klappten deswegen so Rädelsführern. Figuren aus einem Umfeld, das zuvor schon jeder Beschreibung spottete. Nichts von solchen, das irgendwer je braucht, brauchen würde. Schon gar nicht so das Betrauern so eines, der als politischer Rechtsraus ums Leben kam. Kaum was für irgendwas einer üblichen Anteilnahme wäre der, den wahrscheinlich sowieso allerhöchstens sein nächstes Umfeld kannte.
Mir fehlt von dort auch keiner. Kein Lebender, irgendwelche Tote noch viel weniger. Niemand männ- oder weiblichen Geschlechts von da. Wie es denjenigen so geht, ob sie leben oder tot sind: egal.
Bleibt dabei festzuhalten, was geschehen ist, das hat unglaublicherweise stattgefunden. Irgendwer hatte eine Planung, die erfolgreich in die Tat umgesetzt wurde. Das gestattete man sich kurz mal, als Vereinsfunktionär, da jemandem was durchgehen zu lassen. Dahingehend wollte man nichts verhindern. Bei den vielen Möglichkeiten, die man gehabt hätte.
Daß man nun damit zu leben hat. Als Fußballspieler, Vereinsmitglied, Besucher eines Fußballspiels instrumentalisiert worden zu sein. Von einer übersichtlichen Anzahl von Leuten. Einer obskuren, fürchterlichen "Fän"-Szene, solchen, die vorgeben, sie hätten was für einen Fußballverein, die Stadt übrig. Wirklich?
Zweifelhafte Anhänger, nichts weiter ihr Begehr, als massiv Schaden bringen zu wollen. Bei der Möglichkeit von Punkteabzügen, hohen Geldstrafen. Einmal für einen als mitspielenden Fußballspieler persönlich, der Trikots hochhielt, Fahnen rumschwang, aber auch mit unabsehbaren Folgen für die Vereinskasse. Von der Rufschädigung ganz abgesehen. Schließlich steht man am Spielberichtsbogen oben, hat gleichfalls mit jede Menge schädlicher Schlagzeilen in der medialen Berichterstattung zu kämpfen. Zu guter Letzt, daß man selbst noch für länger gesperrt, und der Fußballverein, für den man spielt, selbst noch aus dem laufenden Ligabetrieb ausgeschlossen werden könnte.
Was es also nicht alles gibt, verhält man sich im Vorlauf verzagt. Mimt was des Unbedarften, Naiven.
Bei einem Faschismus, der sich von hinterrücks einschleichen möchte. Daß man da was an ihm nicht mehr als das Abseitige betrachtet, was es in Wirklichkeit ist. Daß man Dinge übersieht, sie auf sich beruhen läßt, statt mit Kleinigkeiten eigentlich im vornehinein nichts zu schaffen haben zu wollen. Ein Faschismus, dem die Erschaffung des Alltäglichen mit sich ein Verlangen ist. Daß der Faschist keinen Pfiff hört, nichts, daß er mit sich und seiner Geistesart, die man lange so umfänglich gesehen hat, daß man alles von ihr kennt, draußen vor der Tür bleibt. Nachdem Bibliotheken mit sämtlichen Inhalten voll sind, daß Unwissenheit nur schwer erklärbar ist. Daß alles ins Abseits gestellt bleiben müßte. Im Grunde aus dem Spiel genommen.
Mittendrinnen bei den vielen, das haben so welche gerne. Wie das, daß sich im Wirtshaus oder sonstwo immer mehr zu ihnen dazugesellen. Geradezu das, ihr Anliegen: mittendrinnen, nicht außen vor. So haben sie sich während jenes Fußballspiels auch aufgeführt. Sich bei den zig Tausenden "Normalo"-Leuten gesehen. Als hätte jemand so welche wie sie nötig, ihm, ihr ein Sprachrohr zu sein. Als wären sie jemand, dem man gestatten könnte, den Ton vorzugeben.
So, in jenem ziemlich gefüllten regionalen Fußballstadion, dort war es, das IHRE: trügerisch anzutäuschen, sie wären mehr, als sie in Wahrheit sind.
Wie SIE wieder viele werden könnten, das treibt sie nun schon seit '45 ziemlich um.
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