Was immer man von einer mit 16 Jahren weiß
Die eine 16jährige erfährt derzeit ja wieder jede Menge Lob. Trotz der Freitagsdemonstrationen von Schülern bei herrschender Schulpflicht und so dem.
Sogar von einem Friedensnobelpreis ist plötzlich was zu erfahren: daß die eine gut für ihn sein könnte. Und es scheinen so oberkomische Lese-Artikel auf, in denen sie eine "Klima-Prophetin" genannt wird. Wobei ein "Prophet" was obskur Religionsbezogenes ist; möglicherweise überhaupt nicht übermäßig freundlich, nett gemeint, das mit dem "Prophetischen" und der religiöseren Sicht.
Weiß nicht, ob sie, die eine Betreffende, so friedvoll und geduldig ist, daß man sie mit dem Friedensnobelpreis unter Druck setzen müßte. Fast, wie so jenen US-Präsidenten, dessen Vorfahren aus Afrika kamen, den man schon gut zu Anfang seiner Präsidentschaftszeit mit dem "Friedensnobelpreis" belästigte.
Also, plötzlich wieder alles paletti bei ihr? Der einen mit den sechzehn Jahren, die eine hartnackige Person zu sein scheint. Eine, die nicht leicht aufgibt. Die sich für mehr Klimaschutz und so dem mit jenen Fragestellungen einsetzt. Während es vom anderen weiterhin restlos so viel gibt, dem das Bedenkenlose ziemlich groß ist. Wie beispielsweise so einem Jahr '17-US-Präsidenten. Auch an dem orientieren sich Bestimmte.
Obwohl, an ihr, der Sechzehnjährigen, hat man sich zwischenzeitlich schon mal was ein wenig ausprobiert. An der einen Schwedin. Wie von oben herab bei so Nachrichtenredakteuren durchgestochen. Daß man sich durchaus an den einen langhaarigen Gitarren-Helden erinnert fühlen könnte. An den einen, der bis Mitte siebzig im letzten Jahrhundert noch so öfters die Einbände von verschiedenen Jugend-, Tienätscher- und Musikmagazinen zierte. Bis es denn mit IHM reichte, und er eintraf, ER, der "punk". Einer, dessen Aussehen klar umrissen war. Wie auch das Äußere seines Begleiters, des "skinheads", desgleichen was war. Was der Schneiderschere, den Stoffetzen an einer Anziehpuppe, bei der man herumarbeitete. Bei den vielen Einstecknadeln und ihren bunten, glatten Plastikköpfen. Beide, der "punk", der "skinhead", eines Aussehens, mit dem sie bei einem hohen Wiedererkennungswert als Handpuppen in jedem "Kasperl"-Theater auftreten hätten können. Das kleinste Kind könnte diese Püppchen sofort kennen: den "punk", den "skinhead".
Mitte der Siebziger, das heißt, man wollte die Abrißbirne. Der Aufräumdienst kam mit ihm mit, dem "punker". Das erste Mal, daß auf eine große Jugendkultur ein großflächiger Angriff stattfand. Seit dem "rock 'n' roll" ab Mitte der Fünfziger, all das die Sechziger durch. Bis eben Mitte siebzig, dort, als er kam, der tiefe Schnitt. Der Einschnitt. Mit dem Mitte siebzig, daß Vati und Mutti, die sich die fünfziger, sechziger Jahre durch dauerempörten, aufregten, zu rächen begannen. Tatsächlich haßten die "punks" zufällig gerade DAS, was man die "rock 'n' roll"-Tage durch aus der Elternsicht oftmals abgrundtief gehaßt hatte.
Es soll auch ein echtes Ereignis geben. So steht es in Rock-Lexikas. Die konservativen Musikbosse, die von Rechtskonservativen aus dem Politiker-Milieu eingeladen und bei der Begegnung komisch und ungläubig angeredet wurden. Die, groß im Musikgeschäft, mit denen die einen Politiker sich mal ausgiebig über Grundsatzfragen unterhielten. All das, aufgezogen wie ein namhaftes Familien-Treffen von Mafia-Bossen. Ausbaldowert wurde etwas. Daß man irgendwas anstellen könnte, mit "Der Jugend", den "jungen Leuten". Vor allem Dingen das machte die große Runde, daß sich ziemlich was ändern sollte. An keiner Stellschraube sollte nicht gedreht werden.
Und, siehe, es wurde "punk". Aus Richtung der zur damaligen Zeit großen Musiker-Nation Großbritannien. Von dorther, daß er um die Welt ging, der "punk". Der Siegeszug des "punk". "Zufällig" so Mitte der Siebziger, daß er auftauchte, er, der "punk". Erst mal war der "punk" noch ein bißchen alleine. Obwohl der "punk" auch da längst schon so einen verhuschten Begleiter hatte: IHN, den "skin head". Mit dem "punk" und dem "skinhead" schaffte man britisch was mit "Weimarer Republik"-Überlegungen auf die Reise. Als Anlehnung an die beiden Gruppierungen, links- und rechtsraus, die sich während der "Weimarer Republik" die bösen, zuweilen mörderischen Straßenkämpfe lieferten. Damit bespaßte man sich nebenher, daß sich beim "punk" und dem "skinhead" die Schädel eingeschlagen werden könnte. Angesichts dessen, was zuvor war, ständig geredet wurde: "peace", "love" ... Überdies bei der augenzwinkernden Chance, die der "punk" einem bot, vielleicht als so ein kurzhaariger "punker" besser an Papis Autoschlüssel rankommen zu können.
Nun war dergleichen auch schon bei dieser einen sechzehnjährigen Schwedin mit der Ansprache von wegen den Möglichkeiten des Klimawandels im Beilauf zu bemerken. Daß es anscheinend bösere Erregung gab wegen der. Eine Recherche, daß stattfand, sie betreffend. Abstürzen sollte sie, ein klein wenig tiefer runter. Runtermachen von ihrem erhöhten Sockel. Bei Kindern, Jugendlichen entzaubert werden.
Filmszene, die sie zeigt: vereinsamt. Ziemlich arm, erbärmlich. Wie eine Trotzige, von allen möglichen guten Geistern verlassen. In der Weise besprach man sie auch eindringlich. Mitinbegriffen bei der durchgestochenen Jedermann-Information: eine Annäherung an "Autismus". Zwar sei sie doch irgendwie klug, aber ... Aber doch, SIE ... Eine halbe Autistin, eine, die durchaus schon mal Psychiater-, Psychiatriekontakt hatte.
Und wie da eine Kameraperspektive für den Absacker bei ihr gedacht war. Wie sie da einsam, alleinegelassen, nachdem sie ihr Zeug weggepackt hatte, am Weggehen war. Die Art, wie ihr hintergefilmt wurde. Schon finsterer am Abend war es. Dort, beim Parlament, wo sie ewige Stunden lang Aufenthalt hatte, waren nun wirklich die Schotten dicht. Daß sie es selber besser fand, ihre Spruchbänder und Tafeln fürs Hochhalten zusammenzuräumen und doch mal heimzugehen. Ins Warme, was zu essen.
Was hat man denn davon? Nichts. Ein sinnloses Engagement. An dem sie festhält. So zeigten sie sie einem. Eine traurige Person, sie. Und noch mal: Psychiatriekontakt von wegen eines Autismus-Problems hatte sie auch schon. Verschiedenen Kleinigkeiten teilte man mit, die man wohl aus ihren naiven Eltern oder so aus Lehrern ihrer Schule herausholte. Daß sie ein Problemkind doch schon länger war, ein schwieriges Mädel. Wer braucht so was?
Hier sollte demnach kurz mal eine Entzauberung stattfinden. Eine, wie sie der eine langhaarige Gitarrist Mitte der siebziger Jahre sehr gründlich erfahren mußte. Der mit dem wüsten Lärm, bei den paar Griffen, die er bloß drauf haben sollte und so. Schwer zu sagen, wo seine Lieder dauernd herkamen, bei diesen geringen Fähigkeiten und dergleichen mehr.
Man sieht die eine Gründlichkeit auch auf den Schallplattendeckeln. Wie da vorgegangen wurde. Während gleichzeitig der "punk" antanzte. Da noch exklusiver eine Gitarre hielt. Bis sich das mit der Instrumentierung langsam eher den elektronischen Tastenimstrumenten zuwandte.
Also, quasi: Vati und Mutti, denen redete der "punk" den Mund. Als wären Vati und Mutti überdies die besten Musikkenner oder wie so ein bekümmerter Schallplattenboß, daß sie um die Zeit rum selbst noch die ausschweifendere Länge mancher Musikstücke nervte. Die viel zu gute Produktion von allzu vielem, die anstank.
"Vati"und "Mutti", die sich mit dem "punk" und dem "skinhead" gründlich für alles zuvor rächten. Für das, das mit dem "swing" anfing, dem "jazz", mit dem "rock 'n' roll" seinen Fortgang nahm. All dem die sechziger Jahre durch. Die sexuelle Revolution. Das Freigeistigere. Ab Mitte der Siebziger mühte man sich nun viel weniger ab. Die einen Musikgruppen waren ohnehin "punk", und die anderen, die böse Überraschten mit den prekären Plattenverträgen, denen sie gewahr werden mußten, die schickte man zum Friseur. Verhalf ihnen zu einer laffen Absacker-Frisur. Mühte sich ab damit, sie abgehalfterter als abgehalftert aussehen zu lassen.
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