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Blog von TeddeMehr

Die Augenzwinkerer der dreißiger Jahre im Heute

20. Juni 2019 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #hug it

Politische Morde, sie waren die Tage der Weimarer Republik an der Tagesordnung. Links-, Rechtsraus, man drosch bei Straßenkämpfen nicht nur aufeinander ein. Man brachte sich auch gegenseitig öfters um.

Von da rührt auch so der Totenkult her, mit dem man die Dritte-Reich-Tage großzugehen anfing. Nachdem der eine mit dem Charlie Chaplin-"Tramp"-Nachäfferbärtchen mit seinem Trug bei den Deutschen anlanden konnte, es dazu bringen, am Patschehändchen genommen und ans Machtgestühl herangeleitet zu werden. Einmal die Toten nach dem einen Münchner Staatsputschversuch anfangs den zwanziger Jahre, dann die, die im späteren Verlauf der Zwanziger und zu Beginn der Dreißiger irgendwelchen Ereignissen zum Opfer fielen. Nach dem Jahr '33 gab es fast ständig so Veranstaltungen im abendlichen Schein von Fackeln und bei jeder Menge marschierender Stiefel. Massiv Bauwerke, die der eine mit dem Breitbärtchen für seinen Totenkult hochziehen ließ. Den Toten des eigenen Lagers in Mausoleen zu gedenken.

Schon ein paar, die als politische Rechtsdreher damals ums Leben kamen. Links-, rechtsraus, man schenkte sich nicht viel. Im Laufe der Weimarer Republik-Tage. Soweit man nicht kurz zu sich rüberging, zusammen Bier soff. Allzu weit war dieser Weg ab und zu nicht. Die kurzen Wege begreift jeder dann, der aus der geraden Linie einen Kreis bildet. Wo die ehemals weit entfernt scheinenden Enden sich zusammenfinden, kann man das Rechts- und das Linksraus schraffieren. Dann hat man vielleicht einen Begriff der Nähe des einen zum anderen. Allerhöchstens ein Katzensprung ist man voneinander entfernt.

Die Tage des Dritten Reichs war das mit den verschiedenen Verbrüderungen vergessen, als aus dem faschistischen Rechtsraus Anno '33 der Wahlsieger geworden war. Die kommunistischen Linksraus, die mit zu den Wahlverlierern rechneten. Kaum hatte der eine sein Ermächtgigungsgesetz durchgesetzt, drehte sich bei ihm alles um die Absicherung seiner Macht. Aus einem demokratischen Vielparteienstaat wurde ein Ein-Parteien-System, der blutige Autokratismus, das Despotentum. Auf die ersten Verhaftungen folgten weitere. Rasch entstanden Orte wie der in Dachau, wo die Verhafteten zuhauf hinverbracht wurden. Nicht nur die "Linksraus", die Kommunisten, schaffte man dorthin. Auch die SPD'ler, und bei ihnen alle, bei denen sich vermuten ließ, daß sie denn standhaft, hartnackig bleiben und nicht mit dem Regime gehen würden, komme was wolle bei ihnen.

Wie es die Tage der Weimarer Republik zuvor so zugegangen ist? Da kenn ich etwa eine ziemlich plastische Oskar Maria Graf-Geschichte. In der erschoß einer, eher linksgerichet, einen Rechten auf der Straße. Die unterschwengliche Deutlichkeit der Perspektive, fast so, als wäre Oskar Maria Graf selber derjenige gewesen, der die Pistole da auf einen anderen richtete, den er auf der Straße erkannte.

Wie immer dem war, Oskar Maria Graf ergriff die Flucht. Floh den Dritte-Reich-Schergen. Wie auch heutzutage die Rede davon ist, daß es eine gewalitge Fluchtbewegung gibt. So viele Einwohner wie die europäische Regionalität Frankreich hat, sollen weltweit auf der Flucht sein. Zur Sekunde, Mitte Juni des Jahres '19 nach dem Millenium. So viele wie selten was.

Das mit den politischen Attentaten, so links-, rechtsraus, scheint - wie die zwanziger, dreißiger jahre durch - auch heutzutage größer zu werden. Das mit dem Versuch einer immer besseren Zuspitzung beim Lagerdenken. Dem Entfachen eines Feuers, die eine politische Ausrichtung gegen die andere.

Wie gesagt, Oskar Maria Graf, er war ein politischer Flüchtling. Als der derbst mögliche, gröbste Ur-Bayer mußte er nach den Vereinigten Staaten von Amerika jenseits des großen Teichs rübermachen. Schwierig für ihn, zwar schriftstellerisch tätig, aber an sich gut in der Grobschlächtigkeit, ungelenkest die Zunge beim Amerikanischen. Irre schwer für Oskar Maria Graf, bei den Nordamerikanern über die Runden zu kommen. Nur nebenher, aus heutiger Sicht die Frage, bei dem, was in Nordamerika an sich los ist: Wer möchte in dieser Gegenwartszeit überhaupt nach Nordamerika fliehen? Für einen Überlebenskampf? In Nordamerika, wo der eine Jahr '17-US-Präsident regiert und es sich in der Präsidentschaft gemütlich eingerichtet hat. Der eine, der als US-Präsident allen rechtslastigen Konsorten rund um die Erdkugel mit dem irrlichternden Schein seiner Fackel den Weg weisen möchte. Er gibt denen geradezu großmächtig den einen Geist vor. Etwa in Klimafragen und dem kleingeistig Nationalhorizontalen. Bei manchem mehr finden DIE ausgerechnet in diesem einen Nordamerikaner eine Orientierung. Er belobigt die "Brexiteers", die britischen Gegner der europäischen Gemeinschaft, genauso, wie all die übrigen innereuropäischen "Rechtsraus"-Antänzer. Jenen schreitet er geradezu übelst voraus, leuchtet IHNEN mit seinem grellen Lichtlein eins. Regelrecht bei Tag und bei Nacht. Ob wer die Bodenfläche unter seinen Füßen sieht oder nicht, auf der er ausschreitet.

 

 

 

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