Legende und Sage (Ab dem Augenblick in Verkleidung)
Man kann festhalten: Das Auftreten des "punk", zufällig so Mitte der siebziger Jahre, der war ein Fanal. Eine Zeitenwende. In der Musikszene. Am Parcours der Teenagermagazine und Musikalienzeitschriften.
Durchaus was, absichtsvoll herbeigeführt. Es hat eine reiche Struktur.
Was man eventuell daran merken kann, wer mit dem "punk" in den Vordergrund trat. Bei dem, was diese Leute an wohlvorbereiteter Sage und Legende absonderten. Als was des Wüstesten überhaupt eröffnete der "punk", bei all der angesagten Schubserei, dem "Pogo" und gegenseitiger Anspuckerei. Um das Biederste an sich zu verbergen. Die Gegenbewegung zum "Rock 'n' Roll", das sollte der "punk" sein. Zu dem wurde er auch. Bis in diese Gegenwartstage ist der "punk" wie der eine "Verrat", zu dem es was erst mal bringen können muß.
Grundsätzlich waren verschiedene Leute beim "punk" angestellt. Bei der Entwicklung dieser Kiste. Fast regelrecht eine vielschichtige Geheimdienstlerstruktur. Vielschichtig was von langer Hand vorbereitet. Von der britischen Insel aus wurde konservativen Politikern, die Klage vorgetragen hatten, mit dem "punk" die beste Ware angeliefert. Der "punk" war der Hebel.
Für das Äußere beim "punk" waren Figuren verantwortlich. Für das Modedesign des "punk". Bei den Einstecknadeln mit dem kleinen, bunten, glatten Plastikbesatz wird bis heute eine Modedesignerin maßgebend genannt. In diesem Ruhm bildet die sich ab. Dann gab es welche, die des weiteren für den geistigen Unterbau der Geschichte die Verantwortung trugen,. Für die Folklore, dem Umfang an Legende und Sage. Das Gesamte, mit dem man dann auch, als "punk" umgezogen und beim Frisör die kurzen Haare mit einer "Igel-Frisur" versehen, schlußendlich vor haufenweise Pressevolk hintreten konnte. Eine Journalistenschar, die irgendwie zuhauf anreiste. Einem "Ruf" folgend. Weil wo was "Neues", "Großes" wäre, das nächste angesagte Ding schlechthin.
So ein Plattenproduzent war ebenso ein maßgeblicher Bestandteil des gesamten Charakters. Wie einige Musikanten. DAS mit der Musik hatte am Ende, als man sich zur Präsentation hinstellte, eine Kernrolle zu spielen. Lieder, Texte, die zu verfassen waren. Aber passend sein sollten. Bei Zeilen und Klängen, die irgendwo zu der angedachten Ideologie dazuzupassen hatten. Nebenher sollte der Spaß ein klein wenig anders klingen, als beispielsweise "heavy metal" sich anhörte. Obwohl man es natürlich aufdrehen können mußte, laut, lärmend hören.
Ausgang nimmt das mit der Sagen- und Legendenbildung, daß sich alles im Hinterzimmer eines Sexladens abgespielt haben sollte. Das war die Örtlichkeit, in der man rumhing, weil man sonst woanders weniger hinkonnte. Sich rumzuräkeln, Bier oder so zu saufen, Sexzeugs miteinander zu gucken. Mitunter mal war im Laden auszuhelfen, in dem Zubehör für die sexuelle Spielwiese verkauft wurde.
Der Sänger der wesentlichen Anreißergruppe des "punks" war ein redegewandterer Kerl. Dazu kamen dann die etwas weniger auffälligen Figuren, die bloß fürs unbeteiligte Rumstehen mit "Igel-Frisur" oder ein bißchen fürs Musizieren angestellt waren. Verkrachte Musikertypen, die übrig waren, trotzdem all das begreifen konnten, was man ihnen an Grifftabellen ansagte. Da was jemandem Sachen vorspielen konnten, daß man wähnen könnte, es wäre Leben in der Bude.
Für einen kurzen Zeitraum, wohl ein im vornehinein für DAS vorgesehenes Weilchen vertraglicher Verbundenheit und Vereinbarungen, daß sich das Bild hielt. War sicher nicht für viel änger angedacht, als man dafür für notwendig erachtete. Dann schien beim Überblicken der Szene alles ausreichend klasse zu sein, und der eine Gruppenvorsänger ließ der Welt plötzlich wissen, alles "Verrat" an der Sache des "punks", nur noch in Kommerz, daß die Geschichte ausartete. Daß nun für ihn Schluß damit zu sein hätte. Als ob es das nicht ohnehin sein sollte, nachdem das gesamte "Produkt", das man überblickte, seine Arbeit ausreichend machte. Das Gewünschte, das man anzureißen suchte, das seinen Zweck im höchsten Maße erfüllte. Die Zeitenwende, man konnte sie an den Mann, die Frau bringen. Kaum jemand, der sich was Besonderes dachte. Obwohl ... Die Falle war zugeschnappt, das Erhoffte, das stellte sich besser als gut ein.
Ungefähr zwei Jahre. Dann war es das für diese Typen. Das Projekt, es trug sich. Die Zeitenwende, die war tatsächlich geschafft.
Kommt nicht mal darauf an, wer man ist und welche Augen man hat, kann man das trotzdem bemerken. Selbst Leuten mit den verschiedensten Standpunkten könnte das aufgehen, daß da was zur Blüte fähig war. Ab Mitte der Siebziger.
So Mitte der siebziger Jahre kann irgend jemand das überblicken. Das, wie es zuging auf den Plattenpapperdeckeln vor '75 - und nach '75. Erkennbar, wie da viel für was getan wurde. Sich die atmosphärische Änderung abbildete. Daß Musiker, mit prekären Plattenverträgen ausgestattet, vielleicht noch so eben rasch, wie vertraglich festgelegt, die eine oder zwei Platten bei einer besseren Firma machen durften. Allerdings unter geänderten Voraussetzungen, Begebenheiten. Hernach, nach Vertragsende, hatten sie zu sehen, wo sie blieben, wie es mit ihnen weiterging. Ob sie noch woanders unterkommen konnten, Produzenten fänden. Oder sie doch ihr Dasein als Musiker nicht lieber aufgaben, um in der Versenkung des Gewöhnlichen, Ordinären zu verschwinden.
Gut kann man am Ende auch die Schallplattenkritiken von damals nachlesen, die die Einfallslosigkeit, das Tralala vieler der alten Gruppen - jene der Ära vor '75 - besprachen. Als ob denen, nebenher plötzlich alt, üblich aussehend, das Tralala, die Trällerei nicht vorgegeben worden wäre. Als ob die weiterhin Musikstücke, Texte, so was, das einen Unterschied ausmachte, größer verbreiten hätten dürfen. Massentauglich war dergleichen nun nicht mehr.
Der Eingriff, der mit dem "punk" auftrat, der war massiv und keinem offen mitgeteilt. Auch die ruhmreichen musikalischen Gruppierungen, die die eine "punk"-Ansage anbetraf: die der schnellen Produktion. Nur noch das Notwendigste wurde für diese "alten" Gruppen getan. Oftmals wurden absichtsvoll sofort die ersten Aufnahmen von Liedern genommen, das Frühstadium. Die "Demo-Tapes", ratzfatz in die Schallplattenpresse gegeben und auf den Markt geworfen. Auch brauchbar, nützlich für den einen wortreichen Verriß auf der Musikkritikerbühne. Während DIE in den Redaktionen, Radio oder sonst etwas, diejenigen waren, die den "punk" nach vorn schrieben, kommentierten. DEM "punker" Lobpreisung entgegenbrachten. Irgendwie den größten Einklang kann man von dem her mitkriegen. Am internationalen oder am nationalen Marktplatz. Von den Chefsesseln her wurde durchregiert. Weltweit kann man das nehmen.
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