Die Mitte des Alls
Muß man sehen: Bei einer Entfernung von eintausend Lichtjahren hat man relativ seine Ruhe. Ist das mit dem Sternengucken ein Beruf, da kann man allem ziemlich gleichgültig gegenüberstehen. Seelenruhig. Je weiter etwas weg ist, um so abgebrühter kann man sich geben. Überlegt man sich beispielsweise das, daß so auf der Erde das mit der grellen Lichtverschmutzung auf der Erdbodenfläche so vor einhundertzwanzig, einhundertfünfzig Jährchen richtig angefangen hat. Weiter hat da dieser verräterische Lichtschein, gut auf der Reise, es an sich auch noch nicht gebracht.
Es ist noch die nächste Lokalität betroffen, keine weitere, ferne Strecke.
Das Lokale hat es allerdings in sich.
Alle Probleme, Sorgen, Kümmernisse mit der eigenen Auffälligkeit betreffen so das unmittelbarere Fünfzig-Lichtjahrerund. Ein wenig auch die Distanz an achtzig Jahren. Wenigstens, wenn man annimmt, daß so ein Warp-Antrieb doch eine extreme Seltenheit ist. Ebenso die abkürzenden Hüpfer in einem Hyperraum, der nächsten Dimension, in die eingebrochen wird.
Demnach, eine Fünfzig-Jahre-Distanz ist hier am Platz das Bedenkliche. Nachdenkenswert.
Wobei man denn DAS schon seit einem Weilchen in der Übersicht hat, als hätt man sich extra darum gekümmert, das sorgfältig nachgesehen. Und zwar DAS, daß Normalosterne, solche wie der Erdstern Sol eine Seltenheit in dieser Raum/Zeit-Umgebung sind. Wenigstens hat man dergleichen schon öfters mitgeteilt, daß Normalosterne wie der Erdstern Sol eine Rarität sind, HIER. An den Fingern einer Hand abzuzählen.
Das eine denn, das da bereits vor Jahrzehnten dafür sorgte, daß man sich, was Außerirdische anbetrifft, einigermaßen abregen, beruhigen konnte. Lediglich, das mit dem Totalabregen, das haut nicht so ganz hin. Für die Restruhe beim Abstrakten, daß einem ein Händchen allerhöchstens wegen Alzheimer zittert, bleiben ein paar Unsicherheitsfaktoren.
Und das, wiewohl man sich, beim Reinschauen in den nächstgelegenen Lichtjahrehorizont, ziemlich an den Freakplaneten in entleerten Planetensystemem ergötzt. Nichts als den Freak präsentiert man der Weltöffentlichkeit.
Systemörtlichkeiten, bei denen es kaum vorstellbar ist, daß es anderes Leben als die eine oder andere Bazille noch irgendwo gibt. So in irgendeiner kuscheligen Weltennische. Solcherart Verhältnisse, wie bei den Schwarzen Rauchern in der Tiefsee auf Erden. Wo Lebensbedingungen vorherrschen, daß manches voll ungemütlich ist. Und trotzdem geht es dort rund, was Lebewesen anbetrifft. In einer Weise, wie sie durchaus auch für den Mars vorstellbar ist. Der Mars, eine extrem rostige und unwirtliche Welt. Während unterirdisch, unter gewissen Vorsaussetzungen, durchaus eine Art Lebensvielfalt wimmeln könnte. Nur, an sich eine Vielfalt, die allerhöchstens bei Wissenschaftlern auf Interesse stößt.
Nebenher - wer kennt SIE nicht, die Geschichte der Planeten, wie die ins Menschenbewußtsein geraten sind? Wer sollte nicht daran denken, daß es so den und den Planeten erst so die letzten Jahre gibt? Die jüngste Vergangenheit nochgerade. Zuvor galt da die Erwähnung von Planeten als Science fiction. Eine abfällige Geste nach der anderen.
Erst die jüngsten Jahre, daß selbst die offizielle Wissenschaft an Planeten denkt. Die die vormal daherkreischte, daß einem die Planeten erst mal bewiesen werden müßten. Daß irgendwo ein einziger Planet eine Sternenumgebung umkreist, der Beweis, der war zu erbringen.
Seit einem Weilchen allerdings kann man Planetenkugeln anderswo immer besser aus der jeweiligen Umfinsterung herausholen. Ob da eine Ansicht nun direkt oder indirekt ist.
Auf alle Fälle, bis vor kurzem war da für die Wissenschaftsoffiziellen das hiesige Planetensystem das einzige, quasi das im Mittelpunkt des Universums. Exklusiver und glücklicher konnte man, geschützt von seinen zig Atmosphären, überhaupt nicht sein, wie man es bis vor kurzem noch war.
Bis kürzlich eben. Da war man höchstens selber und sonst kaum etwas sonst weit und breit. Erst ein paar Jährchen her. Bis sich erneut was abspielte. Muß man sich vorstellen, das, daß man zurücktreten mußte, von einer Verhältnismäßigkeit Abstand nehmen. Wie so damals, das tiefste Mittelalter, als sich die Sonne noch um die Erde drehte.
Und all das geschah nur, weil man sich aufs neue technisch verbessert hat. Der eine Fortschritt in Technikfragen; alles auch noch schrecklicherweise rechnergestützt.
Andererseits, ein klein wenig wehrt sich diese Art von Menscheneitelkeit mitsamt seinem menschlichen Exklusivitätsdenken gegen die Neuigkeit. Denn es hilft da zwischendurch was aus. Eben DAS. DAS mit den fehlenden Sonnen hier die Spiralarmumgegend. Die Normalosterne, die sich in der Nähe größtenteils verabschiedet haben. Wie SIE die Thematik glattweg für die gesamte Galaxie Milchstraße besprechen. In einer Weise, daß sich da welche schon die Frage stellten, was denn da in der Galaxie nur los wäre. Arme Sonnen und Sterne und so. Warum sterben da die Brütersterne aus? Ist mit denen irgendwas? Haben SIE eine Seuche? Ist die Galaxie Milchstraße krank?
Derweil: man teilt doch einiges mit, heutzutage - was Planeten anbetrifft. Beim Thema Supererden beim Stern Tau Ceti kommt etwas vor. Zwei Supererden in dem Bereich, der das Leben wie das irdische Lied vor Ort - Erde, Mars und so - bedingt.
Und dann hat man zuletzt echt eine hübsche Planetenkugel vorgezeigt, Proxima B. Beim Roten Zwerg Proxima A gesehen. Ein Planetenrund, ein Drittel mehr Umfang als der Erdplanet. Fast schon sentimental und mit erhobenem Zeigefingeer hat man einem da die Verhältnismäßigkeit von Kontinenten wie das im Erdenweltweiten angedeutet. War dergleichen so zu sehen auf einem Planetenhochglanzbild. Oder - der künstlerischen Darstellung eines Planeten. Wiewohl sich im Heutigen, Gegenwärtigen die Frage immer besser stellt: Welchen Aufwand hat da ein phantasiebegabter Künstler tatsächlich noch irgendwie betrieben? Für den Zoom gesorgt? Für die Klarheit der 3-D-Plastik? Mit jedem Neanderthaler-Antlitz hat man sicherlich momentan mehr Mühe, da die jeweiligen Gesichtszüge herauszuarbeiten.
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