Auf eine Bestimmte bestehen ...
Ziemlich schwierig, bei einer Brünetten, bei der an einem Freitagvormittag eine rotfarbene Limousine anhielt, irgendwelchen Ehrgeiz zu entwickeln.
Außer, auf diese Weise hier.
Ansonsten bleibt mir - wie geht so ein Spruch? -, der Schnabel sauber, was hier meine brünette Heldin anbetrifft. Eine mit kleinem Gesicht, erst mal mit dem Anschein einer Netten und durchaus einer guten Figur, die sich mit dieser bei nichts und vor niemandem verstecken müßte. Hinaustreten könnte sie, ins hellste Scheinwerferlicht. Ganz ohne jede Scheu. Im Angesicht eines jeden.
Sozusagen bin ich am Arsch, würde ich in meiner kleinen Welt darauf bestehen wollen, daß es ausgerechnet diese bestimmte Brünette sein müßte. Wo es doch eventuell noch ein paar Brünette mehr gibt, die der einen ähnlich sehen dürften.
Wüßte im Moment nicht, wie ich dieses Problem lösen sollte. Sie wiederzusehen. Bei diesem einen flüchtigen Moment, während dem ich SIE beobachtete. Wobei sie den Prinzen sehnlichst erwartet zu haben schien. Oder das, zu ihrem Herzbuben hinverbracht zu werden.
In Echt, in ein tiefergelegtes Rase-Auto, daß sie einstieg. Eins, rasch von Null auf Hundert. Im Nu war sie zusammen mit dem vermeintlichen Geldadel auf der Strecke nach irgendwohin unterwegs. Nahezu die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, selbst dann, würde man sie bei einer behördlichen Großfahndung finden wollen.
Wo sie denn am Ende eintraf, aufschlug, mitsamt ihrem Potential - kein Plan bei mir.
Was für ein Schloß der in ihrem Herzen für sie schließlich im Angebot hatte. Ein Hotelzimmer? Eine Luxuswohnung, von der ihr dies und das aus dem Eigentümerblickwinkel auseinandergesetzt wurde? Vielleicht war er ein Nachtklubbesitzer, was ihr, erst mal das Alpha-Weibchen, das klarmachte, daß da jede Menge Damenwelt um ihn herum war. Mit allen war er besser bekannt, hatte Massen an Freunden, Kumpels.
Während ich sie unter den Brünetten längst jetzt schon mit brünetten Kolleginnen verwechseln kann. Daß ich bei einer demnächst denke: das ist SIE. Obwohl SIE es nicht ist.
Nur, wie ist da das Ding mit dem einen Edelmann, mit dem sie mitfuhr? Bei einer Aschenputtel-Angelegenheit? Paßt bei ihr der Schuh? Mehrere Tage vergangen - ist sie immer noch Alpha? Die eine, die bei ihm das Rennen anführt? Oder kriegt sie nebenher doch schon verschiedentlich das mit den anderen mit, die von ihm trauter angefaßt werden? Als müßte er sie ebenfalls aus irgendeinem Grund betütteln? Solche, ebenso in der Lage, sich mal auf offener Bühne auszuziehen, tanzend die Kleider von sich zu werfen. Bei der Fragestellung: Was geschieht um sie herum? Vor wem tanzt SIE bereits?
Die eine, der Freitag verstrich, ein Samstag, Sonntag, Montag. Der Dienstag - wann ist geplant, daß sie doch wieder heimfährt? Nach dorthin, wo sie vordem eigentlich gewohnt hat? Hat sie daheim schon angerufen, daß sich niemand um sie Sorgen machen muß? Wie steht's bei ihr zur Sekunde ganz allgemein um den Liebesrausch? Bei dem mit der einen für den etwaigen Frauengeschmack rotlackierten hochtourigen teueren Seifen-Kiste? Wie sind vor Ort die Geschäfte? Was praktiziert ER? Hunderte Meilen von ihrem altgewohnten Heimatstandort fern? Mit wem macht sie mittlerweile sonst noch Liebe? Hat ihr Edler sie dazu veranlaßt, auch den und den beim Liebesspiel mitmachen zu lassen? Doch nichts dabei. Kennt sie nun die eine Runde mit zwei, drei Kerlen gleichzeitig? Auch Gewöhnungssache. Brünett muß sie zwischendurch nicht mehr sein. Könnte blondes Haar vorzeigen, weil er das lieber mochte. Und, ein wenig anders kleidet sie sich auch, präsentiert sich ein bißchen überschminkt. Dabei ist sie keine billige Nutte, war sie nie - hat sich nie zuviel Schminke ins Gesicht getan.
So, wie das an jenem Freitag am Vormittag zuging - weiß da wer, was aus der Berlinerin Rebecca Reusch wurde? Welche Farbe hatten da Karren, mit denen einer vielleicht sogar Straßenrennen fahren konnte? Hat dort wer überhaupt so ein Gefährt beobachtet? Obwohl mal zu lesen war, daß die besagte Berlinerin am Vormittag noch außerhalb des Hauses ihres Schwagers gesehen wurde. Alles so das Typische von unverlässigen Zeugen?
In einer Sekunde, eine, wo eingestiegen, zu jemandem ... Alle Flüchtigkeit inbegriffen. Er, ihr von Fotos her bekannt. Oder nicht mal. Eine Type setzt ihr auseinander, klärt sie auf, warum ausgerechnet er jetzt der ist, der daherfuhr. Oder, es geht ihr das längst klar, weswegen sie doch mal umstandlos am Beifahrersitz Platz genommen hat. Weil das am Telefon besprochen wurde, daß der am Lenkrad sie zu dem einen hinbringen will, der plötzlich wichtige Geschäfte und keine Zeit hatte, nicht selber zum vereinbarten Treffpunkt kommen konnte.
Und dann - auf und davon. Selten noch mal wo eine wiedergesehen, wenn derjenige am Lenker Absichten hat.
Die Europaregion Deutschland, groß dabei ist man da im Menschenhandel.
Auch eine Einheimische ist bei dem Thema nicht notwendigerweise außen vor. Gegen nichts gefeit.
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