"Die Augenzeugin": 10
25. November 2011 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Die Augenzeugin"
Die Polizei anrufen? Wegen so einer Traumvision?
Weil sie, Verena, solches öfter hatte, daß Verena Dinge träumte. Das eine oder andere davon wahr geworden war.
Ein paar Tage zuvor hätte Verena eine Kleinigkeit geträumt, von einem Unglück ihres Mannes und ihres Sohnes. Im Auto hätte Verena Thomas und Hannes im Traum gesehen, blutüberströmt, reglos.
Das könnte jetzt jede Sekunde in der Realwelt passieren. Die Polizisten müßten ihrem Mann Thomas in ihrem Polizeiwagen hinterherfahren, unbedingt. Auf der Stelle, mit Blaulicht.
Die Polizeibeamten hätten sicher bloß doof aus der Wäsche geguckt, sonst nichts.
Nein, jene Verena, jene Verena damals, die war hilflos. Nichts konnte jene Verena groß tun. Nur eins, die Fingernägel kauen. Das Beste hoffen. Daß sich nichts abspielte. Obwohl Verena es ...
Ein trauriger Stöhnlaut entfuhr Verena. Am Rand des Keramikwaschbeckens mußte Verena sich festhalten, abstützen. Ansonsten wäre Verena, die Schwäche in den Beinen kriegte, am Fliesenboden gelandet.
Hannes' Antlitz entstand vor Verenas geistigem Auge. Hannes mit seinen kurzen, blonden Haaren. Beinahe ein Mädchengesicht, das Hannes hatte. Ein süßes Stupsnäschen mit Sommersprossen, Kleinmädchenkußlippen.
In Hannes war jedoch eine männliche Härte. Auch anders als lieb und nett konnte Hannes sein.
Das war beispielsweise mit acht Jahren. Daß Hannes nach der Schule nach Hause in die Arme der Mutti, die in der Küche essen kochte, stürmte.
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