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Blog von TeddeMehr

"Die Augenzeugin": 113

1. Januar 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Die Augenzeugin"

 

 

"Zweimal die Woche muß ich auf die Sozialstation!" Einen aufgeregten Klang hatte Verenas Stimme. "Sie rufen an, wenn ich nicht daheim bin. Kann ich vielleicht wissen, daß die Polizei ...?"

 

"Zum Glück hat die Frau des Hausmeisters - Frau Levid - uns im Erdgeschoß die Tür aufgemacht, Frau Tümmel ..." Mit dem Feuerzeug zündete Herr Polizeihauptmeister Dischinger sich seine Filterzigarette umständlich an, mußte daraufhin zweimal kurz husten. "Frau Levid hat uns gesagt, daß Sie, Frau Tümmel, gesagt hätten, daß Sie auf dem Weg zum Doktor wären. Und dann später zum Einkaufen. Das würde aber sicher bei Frau Tümmel momentan so nicht stimmen. Viel eher wär zu vermuten, daß sie, Frau Tümmel, zur Sozialstation wären. Um da bei den Hungerleidern mit anzustehen. In der Reihe."

 

"Frau Le-vid!" quetschte Verena zwischen den Lippen hervor - zwei Silben, wie ein Fluch.

 

 

Richtig heiß, daß es Verena geworden war. Der Kehlkopf hüpfte Verena.

 

Käthe, das dicke Eheweib des Hausmeisters von Verenas Wohnblock, die wußte. Vielleicht seit längerem.

 

Käthe hatte davon Mitteilung bekommen, daß Verena Tümmel öfters die Woche aus dem Wohngebäude wegging. Nicht etwa, um einen Arzt in seiner Stadtpraxis aufzusuchen. Zum Einkaufen. Zu sonst einem Zweck.

 

Käthe war es bekannt gemacht worden, daß Verena Tümmel auf die Sozialstation des Städtchens marschierte.

 

Etwas, das Käthe, die gräßliche, feiste, aufdringliche Hausmeistersgattin, niemals erfahren hätte dürfen.

 

Nicht das allergeringste, daß Käthe das zu interessieren gebraucht hätte. Überhaupt nichts, daß das Fettauge Käthe anging.

 

Nicht im mindesten.

 

 

 

 

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