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Blog von TeddeMehr

"Die Augenzeugin": 22

29. November 2011 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Die Augenzeugin"

 

 

 

Jetzt passierte es, daß Verena tatsächlich zu spät zu ihrem wichtigen Termin bei dem netten Herrn Mendl vom sozialen Dienst kam. Im schlimmsten Falle war Verena eine Viertelstunde verspätet dran.

 

Eine geschlagene Viertelstunde.

 

Eine Unpünktlichkeit, nicht weniger als schlimm zu nennen. Für Verena.

 

Dabei hätte Verena locker pünktlich sein können. Hatte vor einer Stunde noch die feste Absicht gehabt, mindestens fünf Minuten früher dort zu sein, vor der Bürotüre Herrn Mendls von der Sozialstation.

 

Verena hatte sich vorgestellt, am Flur zu warten. Bis es genau halb zehn Uhr wurde. Dann leise anzuklopfen an die Türe. Ein Momentchen zu lauschen. Die Klinke zu drücken, sich aufzumachen, freundlich lächelnd, hatte Verena von drinnen was gehört oder nicht.

 

Statt dessen ... Laut schluchzte Verena auf.

 

 

Zum einhundertundfünfzigtausendsten Male funktionierte in dem doofen Schrotthaus der Aufzug nicht. Zu Fuß mußte Verena die Stiegen runtersteigen, aus dem dritten Stock, den Rollkoffer bei sich über den Rücken gelegt.

 

Das Vorhaus drunten war nicht einsam und verlassen, leer. Die gräßliche Hausmeistersfrau stand mitten auf der gefliesten Fläche, blickte spöttisch, erwartungsvoll zu Verena herauf.

 

"Schönen guten Morgen, Frau Tümmel!" empfing die Dicke, die ihr Mann seit Jahr und Tag Käthe rief, Verena scheinbar freundlich. "Gut, daß ich Sie sehe! Nächste Woche sind Sie wieder mit dem Treppenputzen dran. Das heißt nicht zwei-, dreimal die Woche Treppenputzen. Nein. Sieben Tage hat die Woche. Sieben Tage, nicht wahr? Ja?"

 

 

 

 

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