"Drei Erwachen": 296
15. März 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Drei Erwachen"
hat Sie bewogen, heute zu mir in die Praxis zu kommen?"
"Daß Sie das fragen?" entfuhr es Joachim. "Sie haben vorvorgestern fünfmal bei mir daheim angerufen. Zweimal bin ich rangegangen, aber Sie haben meine Frau Nina verlangt. Meine Frau Nina hat mit Ihnen gesprochen. Dann ist am Sonntag am frühen Abend die Polizei bei mir vor der Türe gestanden. Nur Timmy, mein Anwalt, den ich ans Telefon kriegen hab können, hat verhindert, daß die Polizeibeamten mich mitgenommen haben."
"Das müssen Sie verstehen, Herr Herrmann, daß ich angefangen habe, mir wegen Ihnen und Ihrer Familie größere Sorgen zu machen", erklärte Frau Doktor Tatz. "Sie sind labil. Die Situation in Ihrer Familie ist wegen Ihnen von einer gewissen Instabilität. Sie erscheinen nicht einmal zur Sprechtherapie bei mir in der Praxis. Was das mit Ihrer Medikation macht, kann ich aus der Ferne schwer sagen. Ich weiß das nur sehr krude, was bei Ihnen daheim los ist, weil Sie nicht ans Telefon gehen. Oder Sie mich am Telefon abwimmeln. Ihre Gattin ebenso. Ganz davon abgesehen, daß Sie mir Nachricht hätten geben können, ob Sie dem zustimmen, in ein Sanatorium zu gehen. Das sollte schließlich bald sein. Schon alleine wegen den Kindern."
Die Schulter zuckte Joachim. "Es sind große Ferien. Das Schuljahr ist vorbei, Junior, mein Ältester, hat sein Zeugnis bekommen. Danach ist Junior in das Schweizer Internat abgereist. Das Junior ab dem nächsten Schuljahr besuchen wird. Dort wird Junior an einem vierzehntägigen Zeltlager teilnehmen, eine Spielewoche hinterhergeschoben, anschließend vierzehn Tage Unterricht zur Probe. Hat Junior sich schon mal alles angesehen. Zudem sind meine kleineren Kinder, Bettina und Albin, bei der Schwester meiner Frau. Vielleicht wird Ninas Schwester Gabi die Pflegschaft für die beiden übernehmen. Mit Besuchsrecht für mich und meine Frau. Das wird, sagt Timmy, mein Anwalt, kein Problem sein, daß das über die Bühne geht. Meine Frau Nina und ich sind also hier in der Stadt zu zweit alleine in der Wohnung ..."
"Trotzdem, Herr Herrmann, Sie hätten den zuvor ausgemachten Termin bei mir einhalten sollen." Die Stirn von Frau Doktor Tatz lag in tiefen Falten. "Zumindest absagen ... Dann hätte ich mir keine Gedanken wegen Ihnen machen müssen."
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