"Drei Erwachen": 302
16. März 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Drei Erwachen"
Tatz war mächtig bei Joachim am Schauen.
"Nicht ganz!" widersprach Joachim, präsentierte eine trotzige Miene. "Ich hab Erinnerungen. Jede Menge Erinnerungen. Das sind nicht die eines anderen, sondern meine Erinnerungen. Das bin ich mir sicher. Erinnerungen von mir. Sage, Erinnerungen, an die glaube ich. Immer stärker glaube ich an diese Erinnerungen. Daß das echte Erinnerungen sind. Weil ich sie einfach besser, passender finde. Wahrer. Obwohl sie nicht mit dem hier zusammenpassen wollen. Ganz woanders hab ich Jahre gelebt, nicht hier in der Stadt. Nicht mit Nina. Gina, Gina hat meine Freundin geheißen. Gina. Gina, die war meine Freundin. Auch wenn Gina mich zuletzt verlassen hatte. Mit Gina hab ich versucht Kontakt aufzunehmen. Hab bei Gina in der Wohnung angerufen, mehr als einmal die Leute in dem Haus genervt. Aber sie wollten nichts von einer Gina wissen. Als ich vor einem Jahr dort kurz in der Stadt und in der Straße war, hab ich auch nicht die geringste Spur von Gina gefunden. Die Hausbewohner haben mir wiederholt, daß es nie eine Gina dieses Namens im Haus gegeben hätte. Von den Freunden, die ich hatte, keiner vor Ort anzutreffen. Die Firma, in der ich zuletzt gearbeitet hab - nach den Erinnerungen, die ich habe - war in Insolvenz. Wenigstens hat es die Firma real gegeben. Die Namen meiner alten Bosse in der Firma, keiner im Telefonbuch zu finden. Alles war zum Ausflippen, ich wollte aus der Haut fahren. Ich mußte dann leider aus der Stadt abreisen, weil mein verfluchter Terminkalender mir eine längere Verweildauer nicht erlaubt hat. Bis heute bin ich leider nicht dazu gekommen, den Besuch zu wiederholen. Die Eltern Ginas - verflucht, den Familiennamen hab ich vergessen. Und die, die ich im Telefonbuch gefunden und angerufen hab, die waren es nicht. Die meinen, die halten Nina für Gina. Komisch. Freuen sich über mich, über einen, der drei Kinder mit Nina hat. Ihre Enkelkinder. Wollte schon einen Privatdetektiv beauftragen, was mein Leben angeht ... Was ist mit mir, was ist hier bei mir los? Werde ich jetzt sicher machen, einen Detektiv engagieren. Wenn ich's mir erlauben kann, sobald ich wieder feste Arbeit hab, ist das endlich, endlich fällig. Es muß etwas passieren, was das angeht. Ich will Aufklärung."
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