Overblog Alle Blogs Top-Blogs Literatur, Comics & Gedichte
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 09

19. Februar 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

 

 

Ab und zu drinnen geblättert hab' ich.

War's eben gerade wieder der Koran, bei Helen. Der Koran, in dem Helen herausragend las.

Eine Koran-Phase.

 

War aber keine Phase.

 

Ende Januar war ich freitags mit Helen zusammen das erstemal in einer Moschee, erinner' ich mich.

Die türkische Moschee. In Uninähe.

Mein Wunsch war es eigentlich nicht, mit Helen zusammen da reinzumarschieren. Aber Helen hat das richtig von mir verlangt.

 

In Ordnung. Nach ein bißchen Hin und Her bin ich denn mit Helen zusammen in die Moschee rein.

Jedem, den sie im Vorhof zu Gesicht kriegte, hat Helen zum Gruß hingenickt. Als würde man ewig miteinander vertraut sein.

Schließlich war Helen mit den Weibern. Und ich bin mit den Männern am Teppich gehockt.

Die haben zuerst gebetet. Dann dem Vorbeter gelauscht. Wieder gebetet.

Mittendrinnen war ich unterm Volk, Richtung Mekka ausgerichtet, hab' was mitgemurmelt.

Muß nicht erwähnen, Tagebuch, daß ich kein Türkisch kann.

Weiß nur eins, daß der Imam auf der Redekanzel zwischendrin gewechselt hat. Einer stand nun droben, mit einem Aussehen, wie ein Tuareg aus der Sahara. Eine echte Araber-Type mit schwarzem Bart. Ein Fürst, ein Scheich. Arrogant. Bis zum Rand voll mit Gewißheit.

Ziemlich zornige Gesten hat er draufgehabt, der Mann, als er in Schwung gekommen war. Wiederholt ist dem die Stimme gekippt. Zwei-, dreimal so eine Handbewegung, als wolle er, daß jemand der Hals durchgeschnitten würde.

Dachte mir, der Text, den der hören läßt, dreht sich bestimmt um die Heerschar von Ungläubigen, die außerhalb der Moschee herumliefen. Dort gab's den Frieden nicht so. Den, den es in der Moschee gab.

 

Als alles vorbei war, Helen und ich, wir uns wieder begegneten, hat Helen zu mir gemeint, wie sehr sie sich für mich freue. Na, Tagebuch, darüber sich freue, daß ich die Tage mal einen Gottesdienst besucht hätte. Nicht nur Gebete daheim, auch regelmäßige Gottesdienste wären das, was mir fehlte.

Eine Freude, das, für sie, Helen, wenn ich das von nun an immer machen würde, mit ihr mitzukommen. Das wäre wirklich was, daß die Moschee so uninah sich befand. Könnten ich und sie, Helen, sogar zwischendurch mal dorthin gehen, um innere Einkehr zu halten.

Schaden dürfte mir das jedenfalls nicht, bei meiner unreinen Seele.

 

 

 

 

09

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post