"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 35
27. Februar 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
So kann's kommen, wenn sich Sachen wiederholen. So geht's zu.
Das mindeste, was er, Vati, von mir erwarte, wäre eine Entschuldigung bei Mutti. Bis er gegen halb fünf von der Arbeit zurückkäme, hätt' ich Zeit, mich mit Mutti auszusprechen.
Dann blieb Vati für weitere Schreierei und das Ganze keine Zeit mehr. Wenn er pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen wollte, mußte Vati abdrehen, bei mir aus dem Kinderzimmer ausmarschieren.
Hinter sich schleuderte Vati die Zimmertüre heftig ins Schloß.
Mensch, Tagebuch, habe minutenlang gezittert.
Jedoch, Vati ist nicht zu mir herein zurückgekommen. Obwohl ich das irgendwie erwartete, er würde.
Als das sicher war, daß mein Vater aus dem heimatlichen Wohnhaus entschwunden sein mußte, hab' ich zugesehen, zu Mutti in die Küche hinunterzukommen.
Mußte dafür sorgen, daß Mutti mit mir spricht.
Schön, sprachlos ist Mutti mir gegenüber in der Küche nicht geblieben. Auch, weil ich mich zweimal bei ihr entschuldigt hab'.
Unzweideutig hat Mutti mir jedoch auseinandergesetzt, daß sie mir nichts mehr zum Essen hinzustellen gedenkt.
Erst wieder, wenn sie wirklich alles bis ins allerkleinste Detail wüßte, wie das zwischen mir und Helen zugegangen war. Erst dann würde sich wieder etwas für mich ändern, vielleicht.
Selber durfte ich mir den Kaffee aufbrühen, währenddessen Mutti am Küchentisch gesessen ist.
Mir zugehorcht und mich beobachtet hat Mutti. Mir. Ich, voll auf der Wiederholungsschleife, HelenGmbH&CoKG. Aber wenigstens ruhig bleibend, diesesmal.
Geplappert und geplappert hab' ich.
Gesagt hab' ich Mutti das deutlich und es Mutti mehrmals wiederholt, daß Helen zum Islam übergetreten ist. Daß Helen mich damit letztes Jahr im Dezember überrascht hat, nachdem ich ihr die Tage zuvor den Verlobungsring auf den Finger geschoben hatte.
Dummerweise hätte ich die Monate vorher nichts davon mitbekommen, was mit Helen los war. Was sich bei Helen abgespielt hat.
Hat eben viel im Koran gelesen, Helen, hauptsächlich in Büchern über den Islam herumgeblättert.
Hatte Helen auch schon in der Bibel, buddhistischen Werken und ähnlichem. Jede Weltreligion hatte Helen durch. Das war nichts Ungewöhnliches, daß Helen religiöse Schriften in der Hand hatte. Sogar über einen längeren Zeitraum von einer einzigen Religion.
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