"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 598
19. September 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Mit dem Bus fährt Sonja Gleibt in die Arbeit. Ist zehn Minuten zu früh an ihrem Arbeitsplatz.
In der Spedition Ärlein lernt Sonja Gleibt, die voriges Jahr die mittlere Reife erworben hatte, im ersten Lehrjahr Einzelhandelskauffrau.
Wenn Sonja Gleibt keine Überstunden machen muß, kommt Frau Sonja Gleibt gegen dreiviertel fünf Uhr am Nachmittag wieder aus der Spedition Ärlein heraus. Danach schaut Sonja Gleibt alle zwei, drei Tage beim Supermarkt vorbei. Ohne daß Sonja Gleibt sich zu viele ungesunde Dinge und Dickmacher einkaufen würde. Womit sich Sonja Gleibts Dickleibigkeit und etwas ungesunde Aussehen erklären könnte.
Wir von der Detektei Umschau konstatieren, Sonja Gleibt lebt alleine. Raucht, trinkt nicht. Von sozialen Kontakten außerhalb der Arbeitszeit, nicht viel bei Sonja Gleibt zu entdecken. Sonja Gleibt geht abends oder am Wochenende nicht aus. Überhaupt nicht kommt Sonja Gleibt aus ihrer Wohnung raus. Nicht ins Kino geht Sonja Gleibt. Von abendlichen, nächtlichen Spaziergängen kann bei Sonja Gleibt auch keine Rede sein. Sex, Sex scheint Sonja Gleibt ja nun wirklich in keinster Weise mehr zu interessieren.
Würde Sonja Gleibt nicht alle paar Wochenende von ihrer Mutter Ramona Sonja besucht, würden wir behaupten, Sonja Gleibt wäre vollkommen vereinsamt. Mutter Ramona Sonja sorgt tatsächlich immer dafür, daß Sonja mit ihr in die Eisdiele gehen muß. Oder zu einem Restaurantbesuch aufbrechen.
Ansonsten: tote Hose.
Ha, Herr Doktor Weil-Esch: Wir von Detektei Umschau haben Herrn Augustin hingeschickt. Herr Augustin hat dort mal kurz in den Netzen herumgehackt. Dabei hat Herr Augustin festgestellt, daß Sonja Gleibt unvorsichtig ist, hackbar.
Keine Ahnung, warum die fette Teigware Sonja diese Einstellung hat.
Also: Täglich hängt Sonja Gleibt stundenlang im Netz.
Praktisch ist es so, kommt Sonja Gleibt von ihrem Arbeitsplatz nach Hause, hat sie daheim ihre Rechneranlage an. Sonja Gleibts wahres Leben ist interaktiv. In einer Stadt.
Meine Mitarbeiterinnen Agathe und Steffi sind unverdrossen, Herr Doktor Weil-Esch. Ist Sonja Gleibt irgendwo, sind Agathe oder Steffi oder beide, Agathe und Steffi, Sonja Gleibt hinterher.
Steffi hat versucht, Sonja Gleibt letztens im Supermarkt wieder in ein Gespräch zu verwickeln. Meistens ist Sonja Gleibt nett, solange es bei Belanglosigkeiten bleibt. Dann meinte Steffi, man könnte doch wo hingehen, ein Tässchen Kaffee zusammen trinken. Daraufhin wurde Sonja Gleibt voll patzig, fragte Steffi, wo sie denn immer herkäme. Öfters hätten sie beide sich jetzt bereits getroffen. Sie, Sonja, sie hätte noch nichts unternommen, daß sie, Steffi, eine Freundin wäre. Steffi sollte sich sonstwohin scheren. Oder sie, Sonja, würde sofort mal die Polizei anrufen. Die müßte kommen, sich die Stalkerin näher anzusehen.
598
Newsletter
Gib Deine E-Mail-Adresse ein, um bei zukünftigen Artikeln benachrichtigt zu werden.
Seiten
Kategorien
- 768 "Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
- 374 mehr meilen
- 370 Kurzware
- 368 "Drei Erwachen"
- 360 hug it
- 352 allerlei
- 325 Kurzware II
- 315 kleine Szenen
- 310 Kleinteile
- 304 rundgehen
- 223 "Die Augenzeugin"
- 167 nach dem Tritt
- 152 dreimal erwachen
- 93 T-Rixi
- 57 K.K.
- 39 miles
- 22 Jäger des nächsten Textes
- 16 Kurzgeschichte