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Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 637

3. Oktober 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Detektei Umschau: Frau Manuela Dombrowski. Frau Manuela Dombrowski, die auf dem Foto.

Frau Uschke: Wie sie sonst noch geheißen hat, weiß ich nicht. Wie sie noch heißt, das wissen Sie, junger Mann. 'Manu' nannte sie sich, nannten sie die anderen. Sonst weiß ich keinen Namen von der.

Detektei Umschau: Was war also mit Manu - Frau Manuela Dombrowski -, Frau Uschke?

Frau Uschke: Heute kann ich mich wieder daran erinnern, wie ich diese Rothaarige - die da auf dem Bild - zum ersten Mal gesehen habe. Ganz, ganz deutlich. Wie den klarsten Film sehe ich alles in meinem Kopf. Daß es unglaublich ist. Alles wirklich unglaublich. Wie ich das vergessen habe können. Hören Sie, junger Mann, ich bin eine Frühaufsteherin. Von Haus aus. Meistens stehe ich gegen halb fünf Uhr morgens auf, ziehe mich an, gehe in die Küche. Das war auch an diesem frühen Morgen. Ich hatte Kaffee gemacht, gefrühstückt. Dann habe ich noch so herumgewerkelt und ein paar Sachen für die Mülltonne fertiggemacht. Vormittags sollten die Leute von der Müllabfuhr kommen, die Tonnen leeren. Konnte ich ein paar Tüten gleich noch draufstopfen. Außerdem sollte ich die Tonne rausfahren, an den Gehsteig. Das hatte ich allerdings ohnehin vor. Das habe ich angefangen, und die Tüten zur Wohnungstüre rausgelegt. Dann bin ich selber raus, habe bei mir die Wohnung zugesperrt. Am Radio sollte die nächste Ansage halb sieben Uhr sein. Das ist also die Uhrzeit, zu der ich zur Tür raus bin. Ich bin den Durchgang in den Hinterhof runter, mit ein paar meiner Tüten bepackt. War dann am Hinterhof eingetroffen, habe ich SIE gesehen. Die da. Die da am Foto, die mit diesem Gesicht. Die sitzt tatsächlich nahe bei meiner Tonne am Boden rum, den Kopf zur Brust gesenkt. Als wäre sie in ihrem Suff dort gelandet. Dachte mir, wie ich mehrere Momente nur auf die draufstarre, die sitzt dort - und ist tot. Ist mir vorgekommen, die atmet nicht mehr. Bis sie plötzlich losstöhnt. Jämmerlich stöhnt die Rothaarige: 'Will weg. Raus der Sonne. Die Sonne soll weggehen. Scheiß-Sonne.' Erschrocken habe ich mich, wirklich mich erschrocken, als ich in ihr Gesicht gesehen habe. Müssen Sie sich vorstellen, junger Mann, der Rothaarigen sind links und rechts so Linien von den Mundwinkeln herab verlaufen. War wie getrocknetes Blut. Wenn der was passiert war, mußte sie schon viel länger dort rumsitzen, wenn ihr Blut die Mundwinkel herabgelaufen war, und das trocknen hatte können. Jedenfalls bin ich eine hilfsbereite Person. Schnell habe ich meine Tüten in meine Mülltonne gesteckt, habe den Deckel zugeschmissen. Dann habe ich mich über die, die enge, schwarze Röhrenjeans anhatte, so schwarze Spitzstiefel, schwarze Lederjacke mit goldenen Nieten den Ärmeln und die Schulterpartie längs gebeugt. Ich frage sie: 'Soll ich den Notarzt rufen?' Da kommt Leben in die, raunzt sie mich schroff an: 'Das tun Sie nicht, Sie -! Keinen Arzt. Keinen Arzt. Helfen Sie mir nur hoch. Nur weg hier. Weg aus der Sonne. Die Morgensonne, einfach immer schrecklich. Schrecklich. Die Sonne, die muß doch mal jemand ausknipsen können. Gibt doch noch anderes Licht als Sonnenlicht. Mondlicht zum Beispiel. Schöner Mond. Los, kommen Sie, helfen Sie mir. Helfen Sie mir, aus der Dreckssonne zu kommen, ja?'

 

 

 

 

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