"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 76
13. März 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Den von meinem Vater kann ich nicht in Anspruch nehmen. Weil mein Vater den seinen vor zwei Jahren auslaufen hat lassen.
Wenn ich mir also angesichts der dampfend hochkochenden Kloake, vor der ich herumstehe, einen Anwalt nehmen möchte, muß ich für den selber zahlen. Aus eigener Tasche.
Das heißt, auch für den noch mich arbeitsmäßig zusätzlich abrackern. Für den Anwaltsmenschen.
Ist alles nicht von der Hand zu weisen. Das, woran ich in Wiederholung denke, Tagebuch.
In mir, so die Vorstellung. Die, daß ich auf den Hausspeicher hinaufmarschiere. Droben die Dachluke aufmache. Durch die aufs Hausdach hinaussteige.
Um mich vom Dach da hinunterzustürzen. Die Arme ausgebreitet. Mit lautem Schrei.
Treffe ich dabei so am gepflasterten Erdboden auf, daß ich ums Leben komme, wäre ich all meiner Sorgen ledig. Schlagartig.
Gewiß würde ich nicht weiter an Leute denken, die mir vorm Gesicht herumgegeistert sind. Die ich glaube, gesehen zu haben. Als wäre alles sehr lebendig.
Das Manuela-Ding, das hätte nach meinem Abflug auf einen Schlag einen Abgang gemacht.
Von Manuela, von Manuela wäre ich befreit.
Für den Rest jetzt - nach der Erscheinung Manuelas, die für alles bei mir aktuell verantwortlich ist - könnte wer anders blechen ...
Vati, Mutti. Wer immer will, muß.
Nur ich, ich hätte mit dem Dreck nichts mehr zu tun.
Hatte ich nicht bis vor ein paar Tagen eigentlich ein schönes, angenehmes Leben?
Zwar hatte ich die Trennung von Helen zu verarbeiten ...
Aber - das war machbar. Zu verkraften.
Hab' ich nicht für mich festgehalten, daß es eigentlich außer Helen noch andere Weiber auf der Welt gibt? Sogar jede Menge. Ein paar sicher nicht mit Helen verwandt.
Man müßte sich nur nach ihnen umsehen.
Hauptsache ist, man ist mit ihnen noch nicht verheiratet, wenn sie durchknallen.
Man hat das früh genug gehabt, das mit ihnen, ehe sich das mit dem Ja-Wort ereignet hatte.
Auch ein Glück. Oder nicht, Tagebuch?
*
Achtzehnter Juli, mein Tagebuch.
Am Nachmittag. Uhrzeit: 14:03.
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