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Blog von TeddeMehr

Die "punkigen" Reste-Siebziger

26. Januar 2019 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #hug it

Und dann: Mitte der Siebziger, diese Erschlaffung. Das, das sich hinter dem erst mal Wilden des "punks" verbarg. Ein umfangreiches Abschlaffen. All das, was der "punk" absichtsvoll mit sich brachte: Sämtlich alles an vorstellbarer Ermüdung.

Für einige mochte das unvermittelte Zusichkommen beim "punk" was gewesen sein, wie was, als wäre man Darsteller in einem falschen Film.

Mit so was wie dem "punk" wurde großmächtig rübergekommen. Haarscharf Mitte der siebziger Jahre, daß man von der Briten-Insel aus das mit dem "punk" auftischte. Von oben herab den "punk" veranstaltete. Und der "punk" ging durch. Irre. Weltweit.

Geradewegs hatte der "punk" eine Art Gebrauchsanweisung mit dabei bereitliegend. Eine Voraussetzung, wie was zu sein hätte, daß man "punk" sein könnte.

Erst mal für die äußere Erscheinung.

Und es hatte beinahe den Anschein, daß alle Welt bloß darauf gewartet hätte, endlich "vernünftig" zu werden. Mit dem "punk" ließ man sich zum Friseur schicken. Ebenso das, als hätte man jahrelang darauf gewartet, sich dauerhaft das Gesicht herrasieren zu dürfen. Wie so sicher Leute mindestens in den Fünfzigern. Die Jahre davor. Viel noch auch die, Anfang der Sechziger.

Haarschnitt, Mode gab man mit dem "punk" aufgeblasen raumgreifend vor - "fashion"-Zeit war.

Bei den handelsüblichen Mädels barg Mitte der Siebziger ein langer Rock die Beine wieder ziemlich. Und auch sie hatten was besser in Reichweite: den Lockenwickler. Zumindest die Dauerwelle sollte sein. Wenn sie nicht auch sonst noch an sich herumschnippelten, frisurtechnisch beim "punk" mit beim "Irokesen" dabeizusein. Allüberall die Spraydosen, die zur Hand genommen werden sollten. Für was bei den Umständen des "punk". Oder gar des "skinheads". Bei den jüngeren Frauen war die Glatze jedoch eher ziemlich exzentrische Gegend. Daß nicht zu viele, auch nicht bei den "skinheads" ... Überdies: die Grobschlächtigkeit des "skinheads", dem Zubehör bei dessen Dreißiger-, Vierziger-Jahre-Frauenbild.

Bei viel Ansagerei verbat sich der "punk" als erstes das mit den ausgiebigen Gitarren-Orgien. Keine Gitarren-Orgien mehr. Obwohl der "punk" zu anfangs selber für seinen ersten Klänge wüster was in die Gitarrensaiten griff. Bei Lederklamotten, so dem, sich die Lippen, die Wange mit einer Sicherheitsnadel zu durchstechen. Ansonsten zeigte der "punk" sich ganz simpel mit allem, das ohnehin bei James Dean die Fünfziger lange gebräuchlich zu sehen gewesen war. Der Haarschnitt: ein strikter Kurzhaarschnitt. Allerdings nicht einfach Kurzhaar, vielleicht mit Scheitel wo, sondern man nutzte eben die Spraydose, für die eine angesagte "Igel"-Frisur des "punk".

Beim "skinhead", dem zweiten auf der Abbildung, war so was Bemühung überhaupt nicht nötig. Dem reichte die glattrasierte Vollglatze als Erkennungsmerkmal, bei Springerstiefeln und Röhren-"Dschiens", unten an den Hosenbeinen hochgerollt. Eventuell mußte man noch nach der Farbe der Verschnürung der Stiefel gucken ... Sonst war das mit der Uniformität des "skinheads" rasch bereit.

Den "punk" benannte man als politisch eher links ausgerichtet. Demgegenüber der "skinhead" das genaue Gegenteil war. Der "skinhead", der auf der Politikebene nach rechts drehte. Nach rechts raus und abwärts. Der "punk" denn nach links und raus. Gleichfalls abwärts.

Wer was anderes an Frisur beim "punk" wollte, gar sich verhielt, als würde er der ersten Hälfte der Siebziger irgendwie freihändig den Vorzug geben, der war beim "punk" ganz grundsätzlich raus. Die Musikgruppen-Ansage, die war unzweideutig in der Weise. Bei Liedern, "punkig" selbstpropagiert, solchen mit Einfachstruktur. Die gewiß die drei Minuten nicht überschreiten sollten. Ganz anders wie so manches bei den ANDEREN, die die vorhergehende Siebziger-Jahrzehntehälfte mitunter noch groß aufspielten. Musikanten, die sich bei der Länge ihrer Stücke kaum mehr irgendwie einkürzten. Sondern kunstvoll rumschnörkelten. Wenn möglich ausgearbeitet Klang am Aufnahmeband anbieten wollten, was in Stereo, beidseitig hübsch für was auf die Ohren. Relativ für Abwechslung wollte gesorgt sein. Selbst in den Hitparaden fanden sich damals Sachen, wie sie sie etwa für diese Jahr '19-Gegenwartstage, so denen nach dem Millenium, kaum vorstellbar wären, außer für ein "Avantgarde"-Publikum. Die Sechziger und frühen Siebziger, dahingehend beinahe eine Glückszeit, für einen Musiker mit Fähigkeiten und einigem an Vorstellungskraft. Man wartete richtiggehend gespannt bei vielen darauf, was sie als nächstes anstellen wollten.

Auch dabei nun half er aus, der "punk", ab Mitte der Siebziger. Mithilfe des "punks" kam die schnelle, eilige Produktion. Die Niedrig-Budgetierung. Rasche Zufriedenheit bei einigermaßen irgendwas eines Klangs. Bei den altvorderen Musikaliengruppen, daß man knapp nach Mitte der siebziger Jahre noch Plattenverträge erfüllte. Beim "punk" geriet man mit, in was des besonderen Abwärtsstrudels, mittenrein in das absichtsvoller Belanglostexte und einer Liedgut-Strukturierung für das Wegwerfsegment. Zeugs zum baldigen Vergessen. Es wurde zu Zeiten des "punks" einfach nichts mehr für den einen oder anderen Musikanten getan. Man wurde geradezu grobschlächtig "punkig" die Reihe nach hinten geschubst, hergerempelt. Wollte man noch was Größeres, so von Seite der Musikindustriellen, so plattenfirmentechnisch, war weniger was zu machen. Selber mußte man bei sich für was sorgen. Selbst dann, wenn man noch Vertrag hatte, Plattenvertrag bedeutete das eins: Man brauchte sich nicht länger unnötig "abrackern". Durfte einfach kurz schal rumträllern, was sinnloses Gequake absondern. Dann: ab in den nächsten Urlaub. Am besten für immer. Bald war man sowieso vertragslos und draußen von der Tür. Konnte zusehen, wie man als Musikgruppe zusammenblieb, wer einen noch Vertrag für eine neue Platte gab. Mit Ansprüchen jedenfalls brauchte man keinem mehr zu kommen. Schon gar nicht die Musikalienweise. Jetzt herrschte "punk". Und man war "punk".

Es ist fast festzuhalten: die "punks", die kamen aller Welt Mitte der Siebziger im Grunde eigentlich daher, wie so die väterlichen, mütterlichen Erziehungsberechtigten. Jemand von oben herab. Wie irgendwer, dem nun schon jahrelang was nicht paßte. So was, so dem verlieh der "punk" Stimme. Er redete, der "punk", wie wer ehedem mal dahergeredet haben mochte, vor diesem Mitte der Siebziger-Jahre-Einschnitt, es sollte "aufgeräumt" werden. Man würde mit dem "Dreck" sicher noch aufräumen. Außerdem, das war so die unzweideutigere Ansage, man sollte doch endlich wieder zum Friseur. He, als "punk" ging denn ein jeder brav zum Friseur. Überall hatte man plötzlich neue Frisuren. Wirkte, wie was klüger geworden. War gewiß alles auch besser, eine Lehrstelle zu kriegen, einen Arbeitsplatz, so das. Daß aus dem einen oder andern noch mal was würde hier, karrieremäßig. Und war man wo doch mal wild, mit dem "punk" konnte manches verschleiern. Selbst der "Irokese" fiel montags als Normalhaarbelag runter, bei den ersten Haarstoppeln, die seitlich ohnehin sofort lossprossen, kaum rasierte man dort nicht.

Das war das, was das allergrößte Augenzwinkern, das die "punks" in die Welt brachten. Das muß man sich glatt so richtig vorstellen: Die einen, die "punks", die führten sich glattweg aufmüpfig gegen den einen auf, den langhaarigen Gitarreschwinger, der sich bei seinen Klängen ekstatisch herumverbog. Alles mögliche an Können an der Klampfe zum Ausdruck brachte, nicht bloß das reine Schrammelwerk eines Jedermann.

Und die von der "skinhead"-Passage erst, die waren noch viel besser. Die, für die es unvermittelt ebenfalls ein paar rauhere Gitarrenklänge mit Geschrei gab. Ab Mitte der Siebziger. Bis was größer "ska", "oi" wurde bei denen. Die "skinheads", die von Haus aus unter aller Kanone noch. Ungeheuer herb, unfaßlich für einen Einzelnen in Wahrheit, zu denen irgendwie rüberzugehen. Schon in den Siebzigern. Erst recht in den Achtzigern, Neunzigern. Wann auch immer. Dort ist es seit jeher ewig ziemlich das gleiche, egal, was für eine Ära gerade sein möchte.

 

 

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