Welche mit Vatis, Muttis "Rache"
Die Siebziger, im Heute auch schon wieder ein paar Jährchen her, nicht? Obwohl: So recht kann man dem großen Einschnitt da Mitte der Siebziger Jahre bis in die heutigen Tage nicht entkommen. Der "punk", der brachte am Ende eine hübsche Walze mit sich. Vieles veränderte sich grundlegend mit ihm, dem "punk".
Es waren ihrer in den Siebzigern überdies zwei. Zwei auftauchende Typen. Zwei Figuren, als wären sie im selben Auto vorgefahren. Ohne, daß das deutlicher in der Wahrnehmung gewesen wäre. Daß sie gemeinsam aus derselben Karre ausstiegen. Daß sie zu zweit drinnen saßen, sie, die seitdem größer auftragen. Daß einem jeden bald irgendwie was einer Einschnittzeit deutlicher werden könnte, richtet man nur sein Augenmerk kurz mal auf so was. Hat diesen Gedankengang. Daß da zwei daherkamen, zwei wie welche im Parallelflug.
Zwei gleichzeitig laufende Gestalten waren das, der "punk" und der "skinhead", doch.
Zwiefach werkelte jemand mit der Schneiderschere an einem Schnittmuster rum. Schnitt an Stoffen, drückte Nadeln rein in die Anziehpuppe. In die eine wie die andere.
Zweimal kleidete man die jeweilige Gestaltepuppe ein. Bis da wer nach und nach Gestalt annahm. Bis man sie zur Hand hatte: die beiden Hübschen. Daß es stimmig war.
Bei zweien hatte das wirklich doppelte Arbeit zu bedeuten, für jemand. Wem vieles jedoch nichts ausmachte, kaum was bedeutete, der konnte mit Sicherheit seinen Spaß daran haben. An dem, mit was man sich absichtsvoll beschäftigte. Man kriegte am Ende was dafür.
Einmal hieß da was Modell plötzlich "punk". Der "punk", wie denn verlangt, ein Kurzhaartypus. Und dann erst der nebendran, der andere, der ebenso entstand. Der, bei dem man auf den Einfall einer Vollglatze kam. Bei dem, was man IHM für einen Namen geben könnte: die "Glatze". Oder besser: "skinhead" - der "Hautkopf". Ein kahler Kopf, an eine der Kleiderstecknadeln mit einem glatten Plastikkopf oben dran erinnernd.
Voll ohne irgendwelche Frisur, der "skinhead". Anders wie der "punk". Der "punk", der noch Haare haben sollte. Was Frisurmäßiges. Bei den kurzen Haaren stellte man sich für den "punk" eine "Igel"-Frisur vor. Zu guter Letzt. Irgendwas mußte schon ein klein wenig einen Unterschied ausmachen zu gewöhnlichen kurzen Haaren mit Scheitel. Es mußte dabei was geboten sein. Wie wäre es mit einer "Igel"-Frisur? Zwar war wegen dem "Igel" ausgiebig mit dem Festigerhaarspray rumzumachen. Aber trotzdem: warum nicht? Zum Schluß konnte man sich alles auch beim Friseur machen lassen, schaffte man es nicht selber. Brachte es nicht so zustande, wie die Glattrasur im Gesicht. Oder die am Hautkopf.
Der "punk" und der "skinhead". Dem "punk", dem gab man ein Ledergewand. Wie eines, das James Dean lange in den Fünfzigern bereits trug. Überhaupt: James Dean. Der war da, schon mal ein "Rebell", in den Fünfzigern. Nun war das auch gut für ihn, den "punk". Auch "Dschiens" kannte James Dean lange diese und jene. Kein Problem.
Für den "skinhead" sah man Röhren-"Dschiens" vor. Hauteng. Hauteng und flutschig. Von Anfang an. Die Flutschigkeit rundum, was gut fürs Raufen. Beim Schlägern. Wenn Finger an der Hose keinen Halt finden konnten. Nicht viel im Angebot, einen dort anpacken zu können, wenn man längst am Wegrennen war. Nachdem man was Gröberes angestellt hatte. Was der "skinhead" ja sollte.
Das eine war das mit dem gesamten Modekonstrukt. Neben dem war jedoch noch was anderes nötig, für das der Reise unterwegs. Man brauchte eine "Legende".
Die eine Modeschöpferin, groß mit dem "punk", die kennt man bis heute. Auch bei dem mit der Legendenbildung zeichnete sich einer besonders im Vordergrund ab. Er war bei der mit der "fashion", der nebenan, der dem mit dem "punk" auch zusätzlich ein Gesicht verlieh.
In einem "sex shop" soll sich alles zugetragen haben. Dort trafen sie sich alle. Oftmals. Der eine, der als der "Produzent" galt, dann die der einen ersten "punk"-Gruppe, die der produzierte. In einem Laden, in dem Sexartikel verkauft wurden, daß man abhing, sich zusammenflözte. Ein Sänger, ein Gitarrist, ein gesichtsloser Schlagzeuger. Als der Bassist wechselte, war der Neue allerdings einer, der der Sache "punk" auch ein Gesicht verlieh. Nicht mal das war der Angelegenheit "punk" unnütz, daß da die Geschichte des "Bassisten" in Nordamerika nach kurzer Zeit relativ schnöde endete: mit einer Überdosis. Nachdem er ein paar Tage zuvor im Rausch vor laufender Kamera eine Schaubühnentreppe runterwankte und dabei Frank Sinatra-Liedgut grölte.
Schwer zu sagen, was wahr war, was nicht. Bei der "punk"-Geschichte. Persönlich bevorzug ich die "sex shop"-Geschichte von Ville Valo. Die könnte eventuell stimmen.
Jedenfall hatte alsbald beim "punk" alles mögliche eine Geschichte, mit Örtlichkeiten, wo was hergekommen sein sollte. Hinzu zu einer Art Gebrauchsanweisung. Was nötig wäre, ein "punk" zu sein. Das Konstrukt "punk" entwickelte sich tatsächlich zu einem großen Ding. Fast als hätte jedermann weltweit nur auf die Rache von Vati und Mutti gewartet. Daß die endlich käme. Diese Art der Rache, die der "punk" im Grunde war. Von der britischen Insel runter schwappte die "Welle" hinaus in die weite Welt, und der "punk" bildete in Wahrheit das ab, was Vati, Mutti jahrelang,, die ganzen Sechziger durch, bis da Mitte der Siebziger, fast dauernd von einem mit längeren Haar verlangten: Zum Friseur sollte man gehen. Sich eine anständige Frisur abholen, dort. Oder sich als Mädchen wieder was Anständiges anziehen, statt in einem viel zu kurzen Rock rumzurennen. So das alles. Das geschah den Kerls, Mädels dann mit dem "punk". Nach der kurzen wilden Phase bei einem Lederminiröckchen.
Der "punk", echt wahr, der, den man wie den nächsten Aufrührer anriß. Einen "Rebellen". Zuvorderst allerdings, daß der "punk" sich gegen die Langhaargitarristen, die langen Musikstücke der "Supergruppen" auflehnte. Großes Aufbegehren legte er bei so was an den Tag, der "punk". Die "punk"-Gruppen, auch keine, lange willens, sich durch Klubs zu spielen. Nein, sofort wollten sie Platz nehmen, dort bei jenen, von denen einige zwischendurch so ruhmvoll waren, daß sie selbst noch Fußballstadien zu füllen vermochten. Das waren jedoch nicht alle: ein paar Musikanten, die da im Laufe jener Mitte der Siebziger-Tage gar nicht recht begriffen, wie ihnen geschah. Jene Musiker, für die was das mit dem "punk"wirklich was hieß. Mit dem "punk" matschte man das mit den Musikproduktionen bei ihnen umfänglich ein. Unterstützte da die Leute nicht mehr so wie vorher noch. Plattenverträge ließ man auslaufen. Und man sagte bestimmten Musikanten scheinbar den Friseurbesuch an. Was viele auch erschrocken taten, wie man überblicken kann, guckt man sich so Plattenhüllen an. Achtet darauf, was mit den Jahreszahlen bei den Platten los ist. Ob was vor '75 ist. Oder eben nach so '75.
Da wurde demnach bestimmt einigen Gruppenmitgliedern das Messer auf die Brust gesetzt. Der "punk", der verhalf bei ihnen anscheinend zu unerhörten Ansagen. Daß sie die neue Wirklichkeit vielleicht mal sehen konnten, das, wie das Gerede von Vati, Mutti der Jahre vor '75 mit dem "punk"-Aufkommen umgesetzt werden konnte. Für ein anständiges Aussehen, das sorgte der "punk" geradezu auch bei IHNEN. Überdies kam mit dem "punk" alles mögliche des Seichten, Oberflächlichen dahergerauscht. Was da Lieder auch beweisen. Der langhaarige Gitarrist, der vor Mitte '75 noch oft auf einer Musikmagazinhülle zu sehen war, der kriegte sie ab, die große Vati-, Mutti-Rache. Er verlor sich in einem belanglosen Nichts. Bei der und der Schnellproduktion, fast, als hätte er keine Griffe mehr drauf. Könnte keine Lieder mehr schreiben.
Zurück in den fünfziger Jahren fand sich alle Welt mithilfe des "punks". Zumindest mal dorthin war man leicht zurückgekehrt. Der "skinhead" wäre schon damals mit jedem gerne noch in ganz andere Zeiten zurückgegangen.
Hätte da mancher, der ab Mitte der Siebziger für den "punk" sorgte, mit Sicherheit auch gerne genommen. Für "Nazi-Devotionalien" hatte er ohnehin was über.
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