Da hol sich einer den "punk", seit den Siebzigern
Man könnte fast meinen, der "punk", der könnte gut was für beste "Verschwörungstheoretiker"sein.
Bei so Begebenheit, daß wertkonservative Politiker mal mit den verschiedensten Plattenbossen und dergleichen eine Unterredung hatten. Zweck: sich mal von Auge zu Auge bei Gesprächen auszusprechen.
Es gab so Zusammenkunft, während der Leute aus dem politisch-wertkonservativen Lager deutliche Worte zu den Musikveröffentlichern, Verlegern von Junge-Leute und "Teenätscher"-Wochen-, Monatszeitschriften sprachen. Das große Thema: Der gewaltige Auftrieb bei den "Jugendkulturen" mit dem Aufkommen des "rock 'n' roll" seit den Fünfzigern. Die Ereignisse die Fünfziger, Sechziger durch, bis eben ran an diesen Siebziger-Jahre-Moment des Treffens.
Den Vietnam-Krieg hatte man IHNEN verdorben, den man gut noch Jahre weiterführen hätte können. Bitterlich, daß die der konservativeren Politikerlandschaft sich bei den Veröffentlichern von Musik und ebenso jenen, die für manches des Kults bei "Star"-Schnitten und all dem in den Jugendzeitschriften mitverantwortlich zeigten, beklagten. Eindeutige Worte wurden ausgesprochen.
Schier ungläubig sollen sich die Konservativpolitiker gegeben haben, was man da so auf der Welt bei so den Einstellungen der Jugend, "Teenätscher" anrichtete. Überhaupt nicht aufhören wollte man damit. Als Wirtschaftsboß, der man doch war, Konzerninhaber. Man mußte doch "Ahnung haben". Diese Art der Kommerzialisierung, die man am tagtäglichen Aufmerksamkeitsschirm sah, die wollte man nicht weiter dort sehen.
"'Freie Liebe' - pah! Steckt euch das mit der sonstwohin."
"'Macht Liebe, nicht Krieg' - pah!"
"'Freigeist' unter jungen Leuten - pah!"
"Aufmüpfigkeit, Rebellentum, Revolte - pah! Solange die die Füße unterm Tisch haben, haben die nicht aufzumucken. Oder seht ihr das anders? Wir wollen den Gehorsam zurück, die Disziplin."
Man war das doch alles selber, das, gegen das von jenen "Der Jugend" protestiert wurde. In diesem Ton könnten die "Wertkonservativen" denen am Führungsposten der Plattenkonzerne und in den Verlagshäusern mit Jugendmagazinen schlußendlich dahergeredet haben. Was veranstaltete man da bloß? Jetzt schon ewig, die Fünfziger, Sechziger hindurch. Selbst in den Siebzigern setzte man das weiterhin fort.
Jedenfalls konnte und sollte es so nicht weitergehen, wie man da so die Siebziger zunächst noch auf der Fahrt war. Glasklare Ansprache. Dieses Treffen diente dazu, Dinge unmißverständlich zu verklickern. Das, daß man das, die eigenen ungläubigen Mienen, nirgendwo mehr sehen wollte, tauchte das nächstemal langhaariger Pöbel oder sonst was Mistvolk mit Plakaten vor einem auf. Solche, die ihnen, jenen von der Politikerseite, keinerlei Respekt entgegenbrachten. Das, was man sich in den Medien und selbst noch in der Unterhaltungsmusik jetzt bereits seit einer halben Ewigkeit betrachten und anhören mußte, damit hatte Schluß zu sein. Da mußte endlich wieder eine andere Zeit kommen.
"DAS interessiert euch doch alles selber auch nicht, oder? Euer Hauptinteresse ist das Geldverdienen, oder nicht? Gegen Kriege, all das, habt ihr auch nichts, solange Zeug euch und eure eigenen Familien nicht bekümmert. Also: Hört auf damit! Stoppt es! So bald wie möglich."
Und siehe, Worte, Sätze stießen nicht auf taube Ohren. Es wurde auf was Anliegen reagiert. Die britischen Abgesandten, die hatten einiges dafür übrig. In Britannien wurde es alsbald "punk". In Großbritannien ging der "punk"-Stern hell auf. Erst mal mit wildwüstem, oberkrassem Gehabe. Vielleicht, um das, wo man die von "Der Jugend" hinlenken wollte, zu verschleiern. Wo doch so viel am Markt wahrnehmbar war, frisurtechnisch, bei den allgemeinen Ansagen, was ihn ausmachen sollte, den "punk".
Als wäre das im Grunde ein deutliches Zeit, der Zeitpunkt des Aufscheinens des "punks": fast haarscharf Mitte der Siebziger. Die Mitte der Siebziger.
Ab der Siebziger-Jahrzehntemitte wurde mithilfe des "punks" alles dann urplötzlich irgendwie anders. Damals, als man ab Mitte des Siebziger-Jahrzehnts wie zufällig nur noch "punk" war. "punk" und "punk" und noch mal: "punk". "punk", das Wort, das war ab einem gewissen Moment in aller Munde.
Und der "punk" hieß vieles: wüste Wildheit, bei krassen Aufführungen und anarchistischen Sprüchen zu anfangs. Daß es nicht jeder merkte: bei der umfänglichen Abneigung gegen die mit den langen Haaren. Diesem Gerede der kurzen Drei-Minuten-Lieder. Daß man das mit den Zehnminutenstücken satt wäre. Daß doch was die Eltern von früher redeten, beim Wort "punk".
Schnellere Produktion, das bedeutete der "punk". Was nebenher die Kosten des Produzenten doch ziemlich senkte: das Geld, das für die Produktion einer Musikscheibe ausgab. Man schepperte die Schallplatten zudem so voll lieblos raus, als müßte das Zwei-, Dreimalabspielen jedermann genügen. Mitunter, daß man bei den früheren in höchsten Tönen gelobten Gruppen die vorläufigen Demo-Bänder schon in Gebrauch nahm, die bloß dem Vorabanhören dienen sollten. Die, daß man mit plötzlich wegwerfender "punk"-Handbewegung zur Schallplattenpressung brachte. Während der "punk" an sich ja für eine rasche, geschwinde, eilige Produktion stand. So die "punker", die hielten sich diese Tage kaum im Übungsraum und im Studio auf, schon hatten sie ihre Lieder draußen am sie marktschreierisch lobpreisenden Markt. Schrieb was Journaille, wie sie denn alles hinwegfege, die eine Neuigkeit, die des "punk". Nach überall ließ man ihn schwappen, den "punk", machte sich dafür den guten Ruf der britischen Musikwelt seit den Sechzigern zu nutze. IHNEN, den Briten, daß man schließlich fast schon alles "aus der Hand fraß". Beinahe bedenkenfrei war man damit tatsächlich unterwegs. Textete, besprach da was mit, was für den "punk", ließ diese Klänge aus den Radioanstalten hinausdringen in die Welt der jungen Leute.
Währenddessen die früheren "Supergruppen" bald irgendwie durchsackten. Mit Sicherheit sollte das ja auch sein, daß ihnen das eine magische Moment genommen würde. Eine Entzauberung, die stattzufinden hatte. Bei schlappen oberflächlichen Musikklängen und vielem mehr an Schunkel-Profan-Textzeilen. Man sieht das auf Schallplattenhüllen: jede Menge Gestalten mit eingedampften Lockenwickler- oder Dauerwelle-Frisuren. Während die anderen, die "punk" waren, ohnehin nur noch so Kurzhaar trugen. Überall, daß man in Wahrheit rüberkam, wie wer aus den frühen Sechziger, den üblichen Fünfzigern, Vierzigern. Schließlich: das britische Zusatzspäßchen "skinhead", das war ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Die "skinheads", so die mit dem der rechtsrausdrehenden Armehochrecker. Der "faschistische Gruß". Alles da erkennbar: das der wohlvorbereiteten "Weimarer Republik"-Passage. Auf die man kam, beim entwickeln des "punk"-Gedankens. So die "SA"-Horden gegen die "Kommunisten". Wie die immer die "Weimarer Republik"-Zeiten aufeinander losgingen, auf sich dreindroschen, sich regelrecht bekriegten.
Das war denn die Idee, beim Kleidungsentwurf: die von zwei tanzenden Püppchen. Alles wurde mal zwei an der Schneiderschere. Beim Einstecken von Nadeln mit bunten Plastikköpfen. So rund und glatt. Daß man auf den "Hautkopf" verfiel. Auf die überall sichtbar glänzende Vollglatze. Für "punk" und "skinhead" mußte dann lediglich noch eine brauchbare Legende her.
Die erste "punk"-Gruppe, die Ruhm erlangte, die war so eine zusammengestellte Gruppe. So eine Art Musikgruppe, die es schon früher häufiger in Britannien gab. Verschiedenste Retortengruppen kannte man lange. In Großbritannien hatte man solche schon gerne mal zur Hand. Um wirklich passenden Klang zu kriegen, holte man sich unproblematisch professionelle Studiomusiker dazu. Der Rest, der mimte den Klang, ob er singen oder ein Instrument spielen konnte oder nicht. Wie das dann bei einem Konzert aus den Lautsprecherboxen drang, das war geradezu am Ende beim "punk" noch mal mehr piepe als alles früherdings.
Es war eben "punk", was lärmend dröhnte. Sollte "punk" anders klingen?
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