Von dem bald nichts mehr vorzufinden sein wird
Eine Schriftstellerin ist diese Februar-Jahr '19-Tage verstorben.
Ein ziemlich hohes Alter, das die eine erreichte. So alt müßte man erst mal selber werden können, wie die alt werden konnte. Trotz all den Geschehnissen, die zwischenzeitlich bei ihr Gegenwart waren.
Mitten in den neunziger Jahren ihres Lebens war die eine am Schluß. Bald, bei ein wenig Glück oder so, wäre sie noch ein ganzes sattes Jahrhundert alt geworden.
Überhaupt nicht mehr so weit hätte sie gehabt, für jenes eine Ziel, die volle Zahl eines Jahrhunderts für sich zu überblicken. Einhundertjährig noch zu werden. Trotzdem war für sie mitten in den Neunzigern ihres Lebens unvermittelt Schnitt.
Welch ein hohes Alter, das sie erreicht hat. Bei dem, was vor allem in ihren Kinder- und Jugendtagen bei ihr alles los war. Als es Tristesse in Reinkultur um sie herum gab. Ein freies Walten lebensfeindlicher Mächte. Was sie überdies sonst noch während ihren Lebenstagen an Geschehnissen mitgekriegt haben könnte, und sei es, daß sie mal unbedachter über eine befahrene Straße ging. Sie überlebte jede Menge Ereignisse, kam durch die Zeit. Jahr für Jahr. Bis sich ihr etwas näherte. Eine Kante, ein Rand. Klar zu sehen, viel kann, dorthin gekommen, bald kein Mensch mehr werden. Höchstens ein kleines Stückchen geht da ab einem Moment vielleicht noch was weiter. Bei einem begrenzten Radius.
Wie alt ist überhaupt der älteste Mensch derzeit? Daß das in Sicht kommt, daß man da noch irgendwen sieht, der vor urdenklicher Zeit geboren wurde und seitdem schon gelebt hat. Daß man festhalten könnte: sobald die oder der denn verstorben ist, daß nahezu alles von dorther ausstarb. Alle, die zu einer früheren Menschengeneration rechneten. Auch das beizeiten vorüber, das mit dem Umstand, daß sie zu den ältesten Personenen rechneten, die man noch hätte treffen können. Mit dem Bewußtsein dieser Besonderheit: ihm, ihr konnte man selber noch begegnen. Die eine hätte man mit Sicherheit lieber getroffen als andere. Oder so.
Demnächst könnte es überhaupt niemanden dieser Jahrgänge mehr geben.
Diese Menschengeneration, sie ist dann endgültig abgetreten.
Womit man nur noch die eines anderen Lebenszeitalters überblickt. Einer anderen Epoche.
Da hat man nun so die Bilder von Galaxien. "Jung" nennt man jene Galaxien, deren Lichtschein einer ist, einer von vor achtzehn Milliarden Jahren oder so. Das Licht, das diese Galaxien verbreiteten, das ist bis zu achtzehn Milliarden Jahre alt. Da, nahe beim "Urknall".
So alt sind diese Spiralenformen, die als jung, jugendlich, frisch zu erkennen sind. Jene mit haufenweise Sternen angefüllten Leuchtewirbel. Mit dermaßen einem Licht, einer Helligkeit. Achtzehn Milliarden Jahre, daß der streunende, streuende verräterische Glanz durchmaß, um von dorther in der heutigen Erdgegenwart wahrgenommen zu werden.
Daß man sich fragen könnte, wie steht es eigentlich um das Alter von Galaxien? Wie existieren sie im Heute noch? Existieren SIE denn überhaupt noch? Wenn man diese Äonen in Betracht zieht, die seit dem einen Aufscheinen vergangen sind. Die Tatsache miteinbeziehend, daß das Licht mit einer Höchstgeschwindigkeit reist. Schneller wird das jedem Menschen unmittelbar ins Auge knallende Licht überhaupt nicht, befindet es sich auf universumsweit auf einer Wegstrecke.
Das dort ist praktisch auch eine ältere Galaxien-Generation, von der man in der Gegenwart überhaupt nicht sagen kann, wie es um sie steht. Derweil man sie gesund und munter sieht. Zieht man das in Betracht, daß dort, wo alles hell scheint, ein Brennstoff sich nährt. Jede Glut, sie hat Endlichkeit mitinbegriffen. Kann sich allerhöchstens erneuern, es zu neuem Aufglühen bringen.
So frisch, als wäre sie geradewegs eine der Galaxien, die vor achtzehn Milliarden Jahren bereits da rumwirbelte, wo man "junge Galaxien" von vor achtzehn Milliarden Jahren am Foto blickt. So frisch wirkt das augenblickliche "Milchstraßen"-Erscheinungsbild denn eigentlich nahezu auch.
Die "Milchstraße", sie hat eine reinrassige, unverfälschte Spiralenform. Kaum, daß sie größer von was angefaßt ist. Als wäre die hiesige "Milchstraße" vor allem eins: fit, gesund, jung und agil. Und: "fahrtauglich". So, wie sie einem auf Fotowerken, dreidimensionalen Rundumaufnahmen der "Milchstraße, der Welt vermittelt wird. Daß man meinen könnte, die "Milchstraße" befindet sich in einem Alter, wie man jemanden vermuten könnte, der als Mensch so Mitte zwanzig, dreißig wäre. Allerhöchstens Anfang vierzig.
Nur nebenher die Frage: Wo ist diese Galaxis, die "Milchstraße", bloß so mit sich hingeraten? Wo hinein? In einem kleineren Galaxien-Haufen befindet sich die "Milchstraße", alles andere als weiter entfernt von vielem. Etwas ist um sie herum, eine Gesellschaft. Daß man, beguckt man sich das mit der "Milchstraße" genauer, läßt aus ihr eine lebende Person wie im Hier und Jetzt werden, eventuell auf den Einfall käme, ob man sich nicht lieber um jemanden Sorgen machen sollte. Es droht der "Milchstraße" sogar noch unmittelbar Lebensgefahr.
Etwas, das sich schleichend der "Milchstraße" angenähert hat. Irgendwie doch keine einwandfreie, vertrauenswürdige Gestalt. Eher etwas Unförmiges, Aufgeblähtes. Ein Dingens, das was viel was Älteres sein könnte. Eine "Wolke" wird dasjenige genannt. Das sich heransaugt an die Milchstraße. So als ein Gigantogebilde, unheimlich geschwind, richtig mit überhöhtem Tempo, ein "Temposünder", der auf die eine Schönheit namens "Milchstraße" regelrecht losmacht. Von ungefähr zu ihr hingezogen. Haltlos soll das Zusammentreffen mit dem Monstrum, diese "Umarmung", für die "Milchstraße" auch werden. Sie kennt keine Flucht, präsentieren Wissenschaftlerrechenmodelle.
Allem Anschein nach was, diese "Wolke", bereits ewiglich auf der Straße kurvend. Zwischenzeitlich, daß die "Wolke" einiges schon auf dieser Straße angestellt hat. Nun hat SIE die jugendliche, gutgebaute "Milchstraße" am Plan. "Robbt" sich an sie heran. Oder "zieht" sie seit längerem zu sich hin.
Die Herrlichkeit der "Milchstraße", einwandfrei der Wuchs. Klar zur Spirale ausgeformt. Wie was eben sein sollte, um problemlos auf der Straße "fahren" zu können. Während jene vereinigungswillige uralte "Wolke" längst zwei so Dinger vor sich herschiebt, die auch so "Wolken" genannt werden. Daß einem fast nebenher einfallen könnte, diese kleinen "Wolken", die wären so die "Halos" der größeren "Wolke". "Halos", das das sich ausscheidet, wenn es zu Begegnungen zwischen den Galaxien kommt. Zum Galaxien-"Kannibalismus".
Anscheinend schiebt sich etwas einer älteren Galaxis-Generation an die Milchstraße heran. Oder zerrt sie lange zu sich hin. Sie sich vorzunehmen, die "Milchstraße". Nimmt man nur mal so die detailreiche Ausgestaltung der Milchstraße als guten Gesundheitszustand an. Als Fitness. Relative Jugendlichkeit hat die "Milchstraße". Währenddessen das aufgedunsene, gefräßige alte "Monster" längst alles an klarer Strukturierung einbüßte. "Wolke" heißt man das "Mistvieh" schließlich.
Vor achtzehn Milliarden Jahren könnte es bei all dem, was die Große Magellan'sche Wolke nun ist, bei so mehreren Galaxien noch ganz anders ausgesehen haben. Auf dem einen Ausschnitt von vor achtzehn Milliarden Jahren waren sich viele noch nicht viel zu nahe gekommen. Da war was diese Galaxien-Generation noch jugendlich-geschmeidig. Wie glattweg so die "Gegenwarts-Milchstraße". Dort die Galaxien-Straßenlandschaft vor achtzehn Milliarden Jahren, wo sie sich als Wissenschaftler das mit dem "Urknall" errechnet haben, für ein Anfang- und Ende-Szenenbild, wo so Spiralen und so deutlich zu erkennen sind.
Auch der "Andromeda-Nebel" könnte längst so ein älterer "Fresser", "Kannibale", "Einverleiber" sein, was einer altgewordenen, verlebteren Galaxien-Generation. Das Ergebnis von so den verschiedensten Zusammenstößen, manchem an Ineinanderkrachen. Was ungestalt gewordenes Altvorderes. Das irgendwann wegen bedenklicher Übergröße, angesichts all der gewöhnlichen "Unlenkbarkeit" so eines monströsen Reise-"Gefährts", in einer Kurve, bei einer Abzweigung, von der Straße der Galaxien abkommen mag. Diese bei überhöhter Geschwindigkeit verläßt. Um mit sich und allem wieder reinzufahren ins unendliche Irgendwo von der und der Dunkel-Blase. Ohne je wieder eine "Straßenlandschaft" und den "Reisebetrieb" auf ihr zu sehen.
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