Overblog Alle Blogs Top-Blogs Literatur, Comics & Gedichte
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Blog von TeddeMehr

Ein mieses Geschick war noch auffindbar

9. März 2019 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #hug it

Sie war eine junge Frau, als Nazi-Zeit war. All die Foltermethoden der Nazis, die Konzentrationslager, das. Während jener gräßlichen Epoche, als so was seine Weile hatte, war sie jugendlich. Frisch.

Schwer zu sagen, wie sie damals zu jenen Dingen stand. Jedenfalls wurde sie 101 Jahre alt. Um eventuell das eine oder andere Jahr älter werden zu können. Was sie denn nicht wurde, weil sie sich mit 101 Jahren wo wiederfand, fast richtige Nazi-Methoden, die ihr mit 101 Lebensjahren widerfuhren. Als wär Doktor Mengele extra noch mal aus seinem Grab herausgekrochen gekommen, bei ihr und denen in ihrer Nähe für einen Gastbesuch vorbeizuschauen.

Am eigenen Leib lernte sie mit 101 Jahren ihr absichtsvoll beigefügtes Leid, wahre Foltermaßnahmen kennen. Stimmt das, was man davon erfahren durfte. Was in einer spanischen Finca unter anderem mit ihr und bei weiteren Senioren passierte. Was sie unvermittelt zu erleiden hatte.

Wovon sprach man in den Nachrichtenmedien? Daß die alten Leute an Pritschen gefesselt in einem medikamentösen Dämmerzustand gehalten und mit Magensonden ernährt wurden. Bei allerlei beiläufigen Grobheiten, die man ihnen darüberhinaus noch antat. Währenddessen man derweil jedoch bei den lebenserhaltenden Gerätschaften nebendran jede Menge Anteil am Allerwichtigsten nahm: an den Altersbezügen derer, um die man sich grobschlächtig gleichgültig eher kaum bemühte, als daß man sich sonderlich um sie gekümmert hätte.

Das muß man sich mal vorstellen, was da einer mit 101 Jahren zu guter Letzt am eigenen Leib noch widerfuhr. Als wäre Mißhandlung, Marter mit 101 Jahren eine andere Sache als zu jenen Lebenstagen als Kleinkind, Teenager oder mit zwanzig bis dreißig Lenzen.

Eine Einhundertundeinjährige, die man unter der Vortäuschung falscher Tatsachen an einen Ort lockte. Der einzige Zweck der Irreführung: bei ihr größer abzukassieren. Man stelle sich das vor. Mit ihren einhundertundeins Jahren war sie schon grundlegend einsam und verlassen. Alleingelassen von allem, was ehedem ihre Familie war, die Welt, in der sie lebte. Fallenstellern, Schönrednern ging sie in die Falle. Leuten, die ihr viel was vorgaukelten. Daß sie mit ihren einhundertundeins Jahren, käme sie zu ihnen ins altersgerecht eingerichtete Haus, rundum wohlversorgt wäre. Einsam müßte sie unter den anderen alten Leuten und bei nettem Pflegepersonal nicht sein. An einem schönen Örtchen hätte sich noch einen herrlichen Rundumblick auf was weite Landschaft.

Die Weite, die sie sah, war ein Dämmerzustand. In Trance wurde sie künstlich gehalten. Angeschlossen an Lebenserhaltungsmaschinen. So als alter Mensch ist am Ende nicht oft die Welt wie früher. Als man noch gelenkiger war, selbstständig jederzeit was mit sich unternehmen konnte. Das Altern, das schafft erst wo Probleme, solche, wie man sie zuvor die Tage nicht kannte.

Das, was dem Menschen im Alter mitspielt, das scheint so bei Galaxien nicht unbedingt der Fall zu sein. Da hat etwa so eine unsägliche Äonen alte gefräßige Galaxie wie die "Große Magellansche Wolke" eher damit zu kämpfen, daß sie immer noch mal stärker wird. Mächtiger und gewaltvoller. Mit jedemmal eines gewissen Aktes an "Galaxien-Kannibalismus" vergrößert sich der eigene Körper. Die Masse, das Volumen schwillt zusätzlich an. Das Schwarze Loch in der Mitte wird nochmals um einiges hungriger, hat noch mehr Kraft, gibt Saft. Vollgas wird gegeben, und die die Reisegeschwindigkeit, die nächste Runde, daß man sie ein Stückweit erhöhen konnte.

Bei all den anderen, die mit einem fahren. Zu deren Kitt man geworden ist. Beinahe ihr Mittelpunkt. Das, das den gesamten lokalen Galaxien-Haufen auf der unaufhörlichen Reise auf der "Galaxien-Straße" an den Rändern der "Dunkelblasen" beisammenhält.

Jetzt hat man sich unterwegs wieder was aufgegabelt. So eine Hübsche. Die man mitriß. Eine jugendliche einwandfreie "Galaxien"-Schönheit, eine, wie es fast nicht schöner, besser geht. Was für eine definiert ausgearbeitete Spiralen-Gestalt. Welch ein Wuchs! Wie was eine jede Galaxie sein soll, die an die Straßenlandschaft der Blasen-Ränder ranfährt, so sieht die Hübsche aus. Nichts Nebulöses, nichts Wolkiges hat sie an sich. Die eine, an die man nun höchstpersönlich rankommt, als das hochherrschaftlich Gebietende im Galaxienhaufen, sich das anziehende, fahrwillige Wesen höchstselbst vorzuknöpfen. Mit "Haut und Haaren" wird man sie sich nehmen, in vier Milliarden Jahren ist man dann unmittelbar an der Schönheit dran. Dann wird sie erliegen. Restlos alles an ihr hernach der Vergangenheit angehören. Während man als "Wolke" mit galaxiengroßen Vorbauten, die man seit Unendlichkeitszeiten lange ist, noch mal um einiges "wolkiger", "voller" wird. Unsäglich, wie man dabei rasanter wird. Die reinste Wucht und Gewalt ist man.

Bleibt bei dem Thema denn zu hoffen, daß die nächste bessere Kurve, leichte Biegung ... Daß man da nicht in eine Lage versetzt ist, daß es zu weit hinausträgt, mit dem gesamten Rest an Umgebung, den man anbei dabei hat. Bei dem man Abstoßung erfährt, hätte man gerne was dies und das. Besser wäre, nicht von der "Straße" abzukommen, auf der man seit unnennbaren Äonen an Zeit reist. Um nicht fürs Endgültige reinzukurven, in das nächstbeste Düster einer wüsten Dunkelblase. Wo, ab von der Straße, nicht mehr viel zu finden ist.

Auf alle Fälle hätte man dann keine Straßen-Sicht mehr. Wohl kaum, daß man noch mal auf eine zurückkehren könnte. Noch mal auf eine der Dunkelblasen-Ränder-Straßen aufzufahren, ein Ding der Unmöglichkeit. Obwohl so die "Straßen" von überallher erreichbar wären. Bei einem schrecklichen Verlust des "Gefühls" für so die Straße. Da wird man sich dann wohl wirklich ins gähnende Nichts verlieren. Bei der ewigen Thematik "Ankommen und Vergehen". Im Universum. Denn, wenn man die "Milchstraße" sieht, weiß man, daß auch die und die Neuigkeiten ankommen. Die, die sich "wünschen", sich in den "Straßen"-Verkehr einzufädeln. Mitzufahren wo. Nur, wie es so im Dasein ist: das eine existiert länger, das andere hat ein kürzeres Weilchen des Daseins. Je nachdem. Da kommt es ganz drauf an. Die "Milchstraße", die "stirbt" wohl jünger.

 

 

-----

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post