Lieber alles Etablierte als DAS
Wieder mal alles vorbei, erledigt, das mit dem Krakelkreuzchen bei einer Wahl. Wahlberechtigungskarte erhalten, Wahlbriefe besorgt. Nicht lange auf was gewartet, sondern gewählt und abgegeben.
Für mich gab es da nichts zum Herumzuexperimentieren. Lange mich an den Splittern weiter drunten am Papier zu probieren. Wenn dermaßen Schlimmes dunkel am ferneren Horizont dräuend droht, bleibt fast keine Wahl. Sicherlich nicht die, ein Experiment zu versuchen.
Wie manche sich das ganz alternativ zu überlegen scheinen. Auf was zu setzen, das sich als was einer "Alternative" heißt. Als wäre so eine Möglichkeit, die man besser nicht für sich nimmt, nicht auch eine Alternative.
Derartiges, schlußendlich genausogut eine Alternative, nicht? Der alternative Hohn des Wortes "Alternative". Ungefähr wie das, zu dem es in den dreißiger Jahren bei den Deutschen kam. Was das denn für eine horrormäßige Alternative war. Bei der Tatsache, daß man in diesen heutigen Gegenwartstagen jede Menge obskure Dreißiger-Jahre-Figuren zu Gesicht kriegt. Solche, die die Verfolger von was Geist der Dreißiger-Jahre-Epoche sind. Selbst als Nordamerikaner haben sie europäisch-deutschregional Ankunft, daß es nicht zu glauben ist. Die dreißiger Jahre, als bei den einen das Schreckensregime Platz genommen hatte, das, das auf Deutsch sprach, wie was bei den Italienern auf Italienisch. Bei "Heil"- und "Duce"-Rufen. Währenddessen es anderswo die Sympathisanten gab. Die, die das bei den Deutschen, Italienern lobpriesen, mit einem Augenzwinkern bedachten. Die gesamten dreißiger Jahre über. Bis hinein in die Vierziger. Bis sie in das Umschattete zurückzutreten hatten. In den Vierzigern.
Diese Leute, die mit dem zwinkernden Auge, der Lobpreisung für das Dreißiger-Jahre-Geschehen, die man in dieser Gegenwartsepoche, der nach dem Millenium, wiedersehen kann. Die Nach-, Wiedergänger von JENEN.
Ganz im Etablierten bin ich am Wahlzettel geblieben. Das "Estäblischment" hab ich genommen. Weil es so viele ungeheuerlicherweise ins vollends Unbekannte und selbst noch tief nach rechtsraus zieht, war ich, fast aus-, berechenbar, dazu gezwungen, im Vertrauten, Bekannten zu bleiben. Einhundert Prozent keine der Parteien, die neu in den Jahr '17-Bundestag geriet.
Sondern bei denen des Altbewährten, des normalüblichen "Estäblischments".
Fällt mir nicht das bißchen ein, was dafür sorgen zu wollen, daß sich da was Dreißiger-Jahre-Abartiges bösartig etablieren könnte. Geradezu das, von dem ich nie das kleinste was bräuchte. Da was nachzusehen, da ist mir jeder Bibliotheksbesuch lieber. Ganze gebirgige Steilwände voll kann ich in Bibliotheken erklettern. Daß ich womöglich mit dem Ausleihen Jahrzehnte nicht mehr fertig würde.
Also, so was in Echt im Heute gewahren zu wollen? Diese eine Schrecklichkeit, als die sich damals, nach dem Jahre '45, erst so richtig was herausstellte. Als man sich des umfänglichen Bildes gewahr werden mußte. Diese Erkenntnis-, Bewußtseinsfindung hatte man zu nehmen. Die, zu was man es durch welche bringen konnte, zu welchen Charakteren, bis hin zu abartigster Charakterisierung. Daß es das Ungeheuerliche an sich bis ins Heute hinein für jedermann sein müßte. Bei der Tasache: Denen hat man im Jahr '33 vermehrt eine Wahlstimme geschenkt. Damals, als als einziges nötig gewesen wäre, nicht bei IHNEN anzukreuzen, SIE einfach nicht zu wählen. Kein Wahlkreuz bei HINEN hinzukritzeln.
Bei dem, was sich da draus erst an zupackender Tristesse ergab. Das gewaltige Joch, in das man dadurch stieg. Auch noch dabei grinsend. Blauäugig aus der Wäsche guckend. Während es einem übergestreift wurde. Da nichts der bestimmten Kloake längst gesehen zu haben. Das, in das man tritt, wenn man nicht aufpaßt. Was da des Weges kommen könnte, obwohl es einem nebenher doch erwähnt wurde. Von oben herab von der Sprechkanzel runtergeplärrt hat man es einem sogar mitunter. Freiweig im Tonfall. Bloß, man war taub. Hatte eine gewisse geistige Bewölkung. Über die gesamte "Weimarer Bevölkerung" ist das allerdings gekommen. Jeder "Weimarer" ist durch SIE in was Mieses, Stinkendes hineingestiegen. Das, von dem man wirklich nichts besser kennenlernen hätte müssen, hätte wo ein Wahlkreuz mehr gefehlt.
Das zwischen '33 und '45, kaum in anständige Worte zu fassen, was sich daraus ergab. Diese Alternative hätte schließlich keiner der Altvorderenpartie irgendwie für sich gebraucht. Mit Sicherheit nicht. Nur, man MUSSTE es durchleben. Hernach damit zurechtkommen. Mit sich, bei DEM.
Und so was möchte man, bei seinen Versuchen, die niedrigsten Instinkte, Vorurteile von einem stärker nach vor zu bringen, auf ein neues größer werden lassen? Die, die da abwertend, wie wer aus den zwanziger Jahren, über Juden herziehen. Über Zigeuner. Die verschiedenen Minderheiten im Staat. Auch bei dem mit unterwegs, als ob irgendwas von dem jemandem was kümmern müßte, was im zwischenmenschlichen zwischen den Kissen geschieht, welche Geschlechtsmerkmale da dabei jemand hat.
In diesen Gegenwartszeiten erzählt man viel von Haßkommentaren, -schriften. Die, die für so was im "Volk" Schundschriften verfassen. Muß zugeben, nur durch Friedrich Nietzsche kenne ich diese Namenlosen, Ungestalten ein bißchen. Weil da sich so Figuren bei Friedrich Nietzsche einfanden. Zu Friedrich Nietzsche, daß so Beamte, Doktoren, Professoren, Generäle, gut auch als Verfasser von Schriftwerken, so schriftstellerische Selbstversucher und Eigenveröffentlicher kamen. Ziemlich mit Nietzsche und seinen Zeilen, daß sie sich verglichen. Dabei immer wieder gerne kundtaten, daß sie doch die Lateiner im Staat wären. Das Lateinische war ihnen groß. Als "Lateiner", daß SIE angesehen werden wollten. Als wäre alleine das, die lateinische Sprache mal besser, leichter als andere gelernt zu haben, schon eine herausragendere intellektuelle Leistung. Mit der man sich grundsätzlich als was verbreiten könnte ... Sich zwischendurch, glattweg als nicht mal wer Gewöhnlicheres aus der Bevölkerung, sondern als genau das, als Professor, Verbeamteter, wer der Ärzteschaft, Generalität, als das preiszugeben, das sich schamlos, unverschämt an allem seiner hinterletzten Vorurteile nährte, säugte. Aus dem heraus verfaßte man seine Texte. So stellten sie sich um die Jahrhundertwende, die Jahre vor dem ersten Weltkrieg, großtuerisch Friedrich Nietzsche vor. Friedrich Nietzsche, den sie mit ihren Professuren, Titeln und Soldatenrängen aufsuchten. Weil sie wähnten, Friedrich Nietzsche, doch einer der IHREN. Einer ganz nach IHREM Gusto. Kein "Sozi". Oder gar "Kommunist". Friedrich Nietzsche, dabei allerdings einer, der es zufällig ins Weltweite schaffte. Es zu weltweitem Ruhm brachte. Etwas, das SIE sich selber auch liebend gerne zugestanden hätten. Die, die sich mit sich und den eigenen Absonderungen nicht als viel schlechter wie irgendwas von Friedrich Nietzsche empfanden. So bei der rechtsnationalen Sülze, einer Deutsch- und Nationaltümelei, bei Monarchieliebhaberei, kaisertreuer Obristenabsonderung und aller möglicher rassistischer Ansprache und Minderheitenfeindseligkeit hintendrauf noch dazu. Das, zu was es der Blasierte, Bornierte eben zusätzlich bringen kann.
Wenn sie bei Friedrich Nietzsche rumhockten, war das oft der Neid, der aus ihnen sprach. Während sie Friedrich Nietzsche eigentlich gar nicht wertschätzten, sondern ihn abschätzig am selben Niveau sahen. In Friedrich Nietzsche, daß SIE einen Gleichgesinnten vermuteten. Friedrich Nietzsche, bloß einer, zufällig berühmter geworden. Durch irgendso ein unverschämtes Glück. Glück, das sie auch gerne für sich gehabt hätten. Nichts als böswilliges "Glück", das sie bei Friedrich Nietzsche wahrnahmen. Obwohl er doch, die Empfindung hatten SIE, eigentlich ziemlich dasselbe schrieb, verfaßte, wie SIE. DAS, das war IHRE Meinung von Friedrich Nietzsche. Das zog SIE zu Friedrich Nietzsche hin, wie die Motten zum Licht. Deshalb erschienen sie, als die aus der besseren Gesellschaft, immer wieder vor Friedrich Niezsche, es vielleicht mal begreifen, fassen zu können, warum denn DER und nicht SIE.
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