So ein Gefühl dieser Tage
Ist das zu überblicken, wo das alles derzeit noch hinführt?
Jetzt sind Europawahlen, und so die Bevölkerungen überall in Europa holen so die rechte Last aus dem fürchterlichen "Nationen"-Topf, angefüllt mit brauner Soße und sonst Undefinierbarem, das mit obenauf schwimmt. Als wäre da nicht der Hauch eines Übelgeruchs dran. Daß es einen jede Sekunde böse heben könnte. Bei was, das nebenher mitunter auch noch nach menschlicheren Knochenabsplitterungen aussieht.
Trotzdem ... Für viel zu viele kein Inhalt, von dem man sich angewidert abwenden müßte.
Schon die Frage: Wo soll das noch hinführen?
Wahre Dreißiger-Jahre-Kreatur in der Gegenwart? Die Nach- und Wiedergänger. Selbst aus Nordamerika frisch auf der Szene. Solche, auch noch persönlich für einen, obwohl man im Hier und Jetzt lebt. Nicht sonstwo in diesen ekligen, widerwärtig umfinsterten Dreißigern?
Die dreißiger Jahre, eine Zeit, in der sich selbst der Ur-Bayer Oskar Maria Graf gezwungen sah, sich seine Gedanken zu machen. Sich Kleinigkeiten für sich zu überlegen. Allem zum Trotz, wie schlecht seine Zunge auch mit dem Englischen zurechtkam, wie wenig er so Texte in der Überlegung hatte, mit denen ER, man stelle sich vor, bei den Nordamerikanern ... Wo doch "New York" NIE schläft. Da mit was von sich vorzukommen, da gewinnt man im Lotto leichter.
Marlene Dietrich ging es nicht schlecht bei den US-Amerikanern. Schon vor dem Jahre '33 nicht. Lubitsch, der Ausnahmeregisseur, war ebenso längst dort, drehte so in dieser Welt den und den erfolgreichen Kinofilm. Manch anderer ebenso. Aber ... Peter Lohre etwa, nachdem er bei den Nordamerikanern ankam, fand er es für sich überraschend, daß er überhaupt ein paar Tage mehr am Leben blieb. Daß er über die Runden kam und sein Dasein als Schauspieler fristen konnte.
Wie würde es einem von daher wohl selber ergehen? Wie wäre es, das eigene Schicksal? Wenn das EINE wiederkehrt, das geradezu zur Flucht zwingt. Das mit sich, bei den Musikgruppen, man muß sich das in Echt mal vorstellen, selbst noch so ein Festivalgelände mit haufenweise Leuten füllt. Daß es einem bizarr vorkommt, bloß von derartigem zu lesen. Was vorm Fernsehbildschirm mitanzusehen. Viel zu irreal. Irgendwie muß einem etwas entgangen sein. War allerdings überdeutlich am Monitor beobachtbar, daß da welche die Wiesenfläche noch vergrößerten. Daß alle Herbeigereisten untergebracht werden könnten, mit denen man überhaupt nicht rechnete. Die DAS dort sehen, hören, mitkriegen wollten. Als wäre DAS irgendwas, von dem irgendwer auch nur nebenbei von einer Schaubühne runter leibhaftig was mithören, mitkriegen müßte. Für DAS die kleinste Summe Geld auszugeben ...? Eintritt zu bezahlen, nochgerade an die Verkaufsstände für "Schörts" und das ranzugehen?
Für diese triefende Tristesse als Festivalbesucher sich umzutun. Mit so Gruppen am Auftreten. Denen man im Heute auch noch aushilft, indem man ihre Inhalte verharmlost und alles bei IHNEN sonst noch weichzeichnet. Was abwinkend abtut, irritiert doch jemandem noch ein bißchen was. Derweil da welche, angesichts ihres unleugbaren Erfolges, der sich in "Downloads" und Verkaufszahlen handfest mißt, schon gar keine Kreide mehr fressen wollen. Ziemlich freimütig, daß SIE rüberkommen. Bei "Deutschland"-Lied-Gesang. Unübersichtliches an Historien-Szene, die beinahe was von einem verlangt. Danach, daß man entschlossen ein paar Geschichtskenntnisse hat. Damit man "Fantasy" und Heldenepos ein wenig mit den harten Fakten in Verbindung bringen kann. Und nicht von dem mit den "fake news" und der Falschheit im allgemeinen übermäßig angegriffen wird. Wie man es schließlich so nebenher mitkriegen kann, wie da Typen freimüig frei, wild jedem eins hinblinzeln. Als wäre auf so welche nie von Haus aus zu verzichten gewesen und hätten sie im Pathetischen nicht jedwede Falschheit im Sinn. So bei der Selbstdarstellung. Das, was man das mit dem "verlogenenen Pathos" nennt.
An was denkt man bei sich? Wie es einem unter bestimmten Voraussetzungen ergehen könnte? Bei so Leuteaufkommen, geradewegs auf irgendeine Weise den irrlichternden Dreißigern entflohen. Könnte es denn nicht etwa so bei einem sein, wie es einer Familie mal erging? Einer deutschen Familie, der doch glattweg die Flucht über die Grenze gelang. Zur damaligen Zeit. Zusammen konnte man rechtzeitig allem noch fliehen. Um in den Schweizer Bergen beim Senn auf der Alm aufzuschlagen. Während das Geld, die Kohle, die Asche der Familie ausging. Der Schweizer Senn, geradezu einer, der bei Milch und Käseschneiden ... Der Schweizer Senn, jenseits aller Großzügigkeit. Bei einem Geist, wie beim Nachbarn nebendran, der zur Flucht zwang. Viel zu schaffen hatten die Schweizer, nochgerade der Schweizer Senn in den Schweizer Bergen auf den Schweizer Almen, mit dem nationalsozialistischen Geist, der die dreißiger, vierziger Jahre die Deutschen umtrieb. Betreffs des obskuren Gesocks, das bei den Deutschen an die Macht geraten hatte können. Augenzwinkern hin zu denen hatte man jede Menge. Und die einen, die im "Deutschen Reich" bei den "Nationalsozialisten" erfahren mußten, daß sie "Jüdischstämmige" waren, die hockten beim bräsigen, bornierten, rechtsnationalen Schweizer Senn fest. Die Auslieferung an die "Nationalsozialisten" sagten die Schweizer Landesbehörden, denen was Offizielles gemeldet worden war, den Familienmitgliedern an. Mit diesen Absichten kamen die Schweizer Polizisten auch im Lieferwagen angefahren. Mit einem Dokument zur Hand. Es dem Familienvater, seiner Frau unter die Nase zu halten. Ihnen, denen in der Schweiz die Moneten böse ausgingen. Nach der nationalsozialistisch-deutschen Grenze sollte man verbracht werden. Vater, Mutter, Kinder.
Das Unglück hatte man, mit allem Drum und Dran ohne jedes Geld in den Schweizer Bergen und beim unzweideutig nationalsozialistisch aus der Wäsche guckenden Schweizer Senn rumzusitzen. Diesen Leuten da, die man ansonsten in der Schweiz als "rechtsnational" benennen konnte. Da wählte man lieber gemeinsam den Freitod. Alle der Familie fanden die Schweizer Polizisten, die Antritt hatten, tot. Die von den Schweizer Polizeibehörden, die fürs "Ausliefern" extra angereist kamen.
Man muß sich das vorstellen. Ohne Penunzen war man plötzlich in der Schweiz. Hätte aus der Schweiz noch ein paar Meter weiter was losmachen müssen. Um zur Erkenntnis zu gelangen, daß man nirgends mehr hinkam. Außer ... Dorthin zurück, wo der "Nationalsozialist" ... Deutschsprachig. Nochmals hin zu DEM, wegen ein paar Tagen mehr, der und der Zugfahrt im Viehwaggon auf "nationalsozialistischem" Boden ...? Der Dampfzug, der einem wo nach einem Lager hinfahren würde. An einer Örtlichkeit, daß die Zugfahrt endete. Der allerletzte Halt, von dem man zur Genüge Mitteilung hatte. ALLES wußte man.
Auch in den Nordamerikastaaten ging es nicht jedem wie der einen Großfamilie Mann. Wie es sich denn doch für Oskar Maria Graf herausstellte, für Lohre und so. Da wären schon noch ein paar Schicksale mehr erwähnenswert. Das schlimme Mißgeschick, der Tod - all das, das passierte, wenn sich DAS seinen Weg zu Namenlosen, heutzutage Vergessenen nicht sparte. Das Glück, das zu oft jemanden übersah.
Während Rühmann feixend beim Reichspropandaminister rumhockte, sich schenkelkopfend bespaßte. Der Reichspropagandaminister, der Rühmann tatsächlich den einen Wunsch erfüllte, das mit seiner überbordenden Freundschaft nicht zu tiefschürfend deutlich in die deutsche Bevölkerung hineinzutragen. Mitdenken hätte man die fünfziger, sechziger Jahre müssen. Geschichten von einem glauben. He, nicht bloß Rühmann, Gründgens, der Charakterdarsteller, der blieb auch. Mancher mehr. Marika Rökk sprang wie ein junges Reh durch ihre Fünfziger-, Sechziger-Jahre-Filme. Wiewohl, DORT, daß SIE waren. Auch Filmpreise verliehen die "Nationalsozialisten" an ihre Günstlinge, "Hollywood" wurde im "Dritten Reich gespielt. Auf der Höhe der Regenbogenpresse gegeben. All das des falschen Scheins. Preise für Kameraführung und Regie, Drehbuch, all das, die man aus Händen von nationalsozialistischer Prominenz entgegennehmen konnte.
All das. Lobpreisung von denen, von denen keiner je wo was gebraucht hätte. Brauchen, wollen würde. Normal. In diesen heutigen Gegenwartstagen erst recht. Weiterhin nicht. Oder?
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