So Sorgen ...
Muß man sich Sorgen machen? Etwa um Europa? Um das, das nun seit über siebzig Jahren in der europäischen Region "Deutschland" seinen Platz nimmt? Praktisch, seit dem einen Moment, als die Alliierten es der deutschen Bevölkerung zurückbrachten, hat es sich als nahezu unverwüstlich erwiesen. Das ANDERE, das Gräßliche, Schauderliche von zuvor, das konnte seitdem in der deutschsprachigen Gegend nicht mehr größer zum Vorschein kommen. Die Möglichkeit, staatstragend werden zu können, war nicht übermäßig groß für DAS. Höchstens eine Minderzahl, die DIE seitdem wählte, diejenigen, die sich trotz allem im Nach- und Wiedergehen versuchten.
Die Urgroßeltern, die der Geschichte einigermaßen heil entkamen, die ließen das nicht wieder zu. DEM und so welchen schenkten sie keine trautere Wahlstimme im erwähnenswerteren Übermaß mehr. Die Eltern ebenfalls. Weitere Eltern.
Das Vertrauen in solcherart Figuren, in ihre nationalkleinkarierte, borniert-blasierte Rede: ziemlich unterentwickelt.
Bloß, so im Heute, daß man scheinbar mit dem unvermittelt dement gehen möchte, den Unwissenden, Ahnungslosen geben, was DAS anbetrifft. Als wäre man an den Auswirkungen, dem Krankheitsbild einer besseren Demenzerkrankung interessiert, gäbe plötzlich was Alzheimer den Vorzug. Als wär das irgendwas. Bei der Art, wie man das empfinden könnte, wenn man so unbesorgt seine Wahlstimme an die befremdlichsten, komischsten Gesichter noch ab- und verschenkt. An solche, von denen man gut genug was weiß, weil man im Grunde nicht nicht darüber unterrichtet ist, welche Politik das ist, die DIESE zum Vorschein bringen wollen. Als Europagegner. Ums "Nationale" Bekümmerte. Jene am Einzelstaathorizont. Die sich das Wiederkehren alter Grenzen wünschen, strikte Abgrenzungen. Hinter möglichst hohen Grenzzäunen, haufenweise Wachtürme mit Maschinengewehrnestern. All diese Kleinigkeiten, von denen man in Vergangenheitsepochen bis zum Überdruß ALLES hatte. Erfüllt hat sich bei dergleichen eigentlich sämtliches. Als daß es nicht zwischen den Deckeln von Geschichtsbüchern bleiben könnte.
In jüngster Vergangenheit wünschten sich so Gestalten sogar das Beschießen von Menschen zurück. Ganz althergebracht, das. So dieser Geist. Als hätte man ihn gerne selbst noch bei Selbstschußanlagen bei sich zurück. Total vergessen, das, wie sehr man kämpfte, das mit diesen Anlagen loszuwerden. Die es mal alle paar Meter an der "DDR-Mauer" gab. Zwischen Stacheldrahtzäunen, bei Tretminen.
Außerdem, schon gut was für die allergrößten Sorgen. Kümmernisse. Braucht einer nur an die Besorgungen, den Kummer zu denken, das, mit dem Volk zurechtkommen mußte, so nach dem Wahlsieg eines schrecklichen Personenkreises. Nach dem Wahlentscheidabend des Jahres '33. Danach änderten sich die gesellschaftlichen Begebenheiten radikal. Umfänglich erfuhr man auf dem Boden der "Weimarer Republik" eine veränderte Welt. Von heute auf morgen, daß ein jeder fürchten mußte, von zu Hause abgeholt zu werden. Praktisch jeder, der zu Befragungen verbracht werden konnte, bei dem das im Bereich des möglichen war. Auch das, daß er für immer vor Ort bleiben konnte. Kaum war das "Ermächtigunggesetz" durchs Parlament gebracht, begann es damit im Jahre '33. Verhaftungswellen rollten durch die deutschen Lande. Nachdem da einer von verschiedenen Steigbügelhaltern, die er trotz allem noch nötig hatte, an den "Thron" herangeleitet worden war. Weil viel zu viele da wen und sein übles Parteiwesen wählten, wurde das zur Möglichkeit. Als dieser Trug in der Bevölkerung Platz nehmen konnte. Bei einer gewissen Verharmlosung dessen, was zukünftig sein würde. Etwa, indem man meinte, in den einen oder andern würde schon noch "Vernunft" hineinkommen, wenn er erst am Regieren wäre.
Da hätte man sich damals, vor jener Dreiunddreißiger-Wahl, vielleicht doch mal größere Besorgungen veranstalten sollen. Gab es schlußendlich ab und an zu erlauschen, was einem blühen könnte. Darum hätten sich viel mehr Leute bekümmern müssen, statt sich als schwerhörig zu erweisen. Zu häufig was mißzuverstehen. Wie sich die Dinge hernach abspielten, ereigneten, gab es kein Zurück mehr. Saß man haltlos in dem einen Joch fest. Während einer nach und nach all das in die Tat umsetzte, was er sich in früheren Jahren aus Texten rechtsnationaler Schreiberlingen an vorurteilsbeladenem, rassistischem, rechtslastigen Schund angelesen hatte. An die Beamtentische brachte der EINE das. Gestaltete mit dem, mit ich mich wo schämen müßte, würde ich das gegenüber irgend jemandem absondern, ob betrunkener oder nicht, unverschämt seine boshafte Politik. Er setzte all das Rassistische, Spießbürgerliche, den Haß gegenüber Minderheiten und das in die Tat um. Das EINE, von dem Figuren im Professorenrang, Lehrer, so "Lateiner" früherdings nur hämisch und für die opportunistische Stimmungsmache schrieben. Das machte ER denn tatsächlich wahr.
Da hätten die, als sie noch Weimarer Republik hatten, mal was von erkennen müssen. Als es noch das Einfachste auf der Welt war, Zukünftiges verhindern zu können: indem man IHN und SEINE gesamte Partei ganz einfach nicht wählt. Dem nicht auf den Leim geht. Dann ...
In der Gegenwart durchaus zu sehen, wie man sich seine Sorgen doch machen muß, nachdem so bestimmte Figuren, Typen im gegenwärtigen Europa immer besser nach vorn gewählt werden. Unbegreiflicherweise, daß SIE Anhängerschaft finden. Für viele änderte sich in den Dreißigern als Folge der einen Wahl geschwind jegliches. Haus, Hof und Leben verloren sie. Schon die dreißiger Jahre durch war das möglich, nicht erst während jenen Kriegszeiten, als das in einen industriellen Maßstab gipfelte. So hinter der Front. Bevorzugt in den besetzten Gebieten. Damit nichts davon an der "Heimatfront" zu deutlich zwischenrein geriete.
Von einem Augenblick zum anderen konnte einem jeden was geschehen. Was weitaus mehr war, als das, daß nur mit dem Finger auf einen gezeigt wurde. Selbst der Biederste, Anständigste konnte mittendrinnen erwischt werden, samt seinen Kindern, konnte er Fragen nach einer "Rasse" nicht mehr richtig beantworten. Schon alleine eine Fehlstellung am "Volksradio" mochte ein Fehler sein, ein Küßchen, falsch plaziert, ein fehlinterpretiertes Anfassen. Jeder fast konnte von daher auch Pech haben. Kam immer ganz drauf an.
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