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Blog von TeddeMehr

Mitgliedschaft und Teilhabe

24. Oktober 2020 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #mehr meilen

So das deutsche Kulturvolk, das hat diese Alternative also bereits schon mal bei sich Platz nehmen lassen. Einwadfrei. Statt bei der Weimarer Republik fortzusetzen, erwählte man sich alternativ DAS. Gestattete sich diesen ungeheuerlichen Fehltritt.

Und der Frontmann dieser einen deutschregionalen alternativen Vergangenheitswelt war einer, der sich an sein Breitbärtchen als modisches Beiwerk von sich gewohnt hatte. Das eine, das auf eine Filmfigur, dem Tramp Charlie Chaplins, zurückzuführen war. Wie sich der Tramp dem Betrachter präsentierte und sich in der Art bei den Leuten, selbst rund um den Globus, verbreitete. Mitunter auch während manch harter Tage, während denen es für den einzelnen mühsam war, über die Runden zu kommen. Da war der Tramp einer, mit seiner Art, der aushalf, nicht zu sehr an allem bei sich zu verzweifeln.

Das schmale Bärtchen behielt er sich, ab dem Moment, nachdem er sich seinen Schnauzer links und rechts an den Seiten stutzte, tags seines Lebens im Gesicht. Damit verhielt er sich in seinem rechtslastigen Umfeld. Einen Aufstand zettelte er mit dieser Präsentation von sich erfolgslos an. Erlebte danach in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine viel zu kurze Kerkerzeit bei erleichterten Haftbedingungen, als hätte man sich bei IHM noch dafür entschuldigt, daß man IHN festnahm und einsperrte.

Mit derselben Bärtchentragweise begab er sich nach der Entlassung aus der Haft in die Schauspielschule, verfeinerte dort seine Rednerposen. Späterhin bellte er mit dem Aussehen von den Rednerbühnen der Weimarer Republik herunter. Um dabei Inhalte zu verbreiten, und dem einen Tramp, der bei ihm wohl eher bald sorgenerfüllt, ängstlich, mit dem Blick nach hinten, ob er keine Verfolger hatte, weitergezogen wäre, ein schlimmes, arglistiges Antlitz zu verleihen. Die Tramp-Figur-Mode, einfach, daß er sie immer weiter beibehielt, nachdem er sich an dieses Aussehen bei sich längst gewöhnt hatte und mit dem, trotz allem, die Weichen auf Erfolg gestellt blieben.

Knappe sechs Jahre bereitete er mit der einen Äußerichkeit, mit der er eigentlich so gar nichts mehr mit jener Tramp-Projektion Charlie Chaplins zu tun hatte, den nächsten großen Krieg vor. Während er längst zu einem durchgreifend wirkenden Despoten geworden war, der vor nichts zurückschreckte. Mit Hilfe seiner nächsten Parteiumgebung hatte er dafür gesorgt, daß jede Opposition aus dem Weg geräumt wurde. Selbst innerhalb seiner Partei hatte er aufgeräumt. Um es, im Schatten des von ihm angezettelten Vielvölkerkrieges, zu allem möglichen an Schändlichkeiten noch zu bringen. Ehedem hatte er sich in den rechtslastigen Schmonzetten einiges angelesen. Auch das, wer immer die Schuld an vielem haben sollte. Eine Meinung, die er früher rundweg teilte. Ansichten, die er nun als der Diktator auch noch in sich barg, und die, wenn er sie zum Ausdruck brachte, dafür sorgten, alles mögliche so vor allem den altbekannten Minderheiten im Staat angedeihen zu lassen..

All das jemals vorurteilsvoll Geschriebene, wortreich intolerant, borniert, ignorant Ausgedrückte, das war quasi bei ihm das an der Tagesordnung. Die Agenda seiner Politik. Mit dem Hintergrund wurden die Konzentrationslager erdacht und errichtet. Kam es zur Szene der Euthanasie.

Bei einer deutschsprachigen Dritte Reich-Bevölkerung, die eher plump über Vorgänge hinweggetäuscht wurde. Im Grunde hätte man als Bürger da was davon mitkriegen können. Weil das nationalsozialistische Staatswesen eigentlich einen jeden zur Mitgliedschaft in der Partei und zur Teilnahme an allem aufforderte. Mitgewirkt sollte vom einzelnen werden. Bei den Dingen, die im bestimmten Rassewahn geschahen. Alles, was die Überwachung der Nachbarschaft anbetraf, bei dem wer nebenan vielleicht was an staatszersetzender  Meinung geäußert hatte. Dazu war man aufgefordert, dahingehend alles zu melden. Und die eine Parteimitgliedschaft, die verhalf nebenher zu Vorteilen.

Der eigene Wille, sich vielleicht doch mal Dingen entgegenzustellen, der wurde von dem her nach Möglichkeit untergraben, indem man Teilhabe und doch eine gewisse Mitwisserschaft erschuf. Was immer eben bei einem selber war. Ob da in Fahrzeugen beim Nachbarn vorgefahren wurde, jemanden abzuholen und zu befragen. Ob da noch mal heimgekommen wurde oder nicht.

Als es nach dem Jahr '45 zu dem Ereignis kam, daß man es bei sich zu einer Selbstreflektion bringen mußte. Weil da einer Bevölkerung alle Schändlichkeit der Nationalsozialisten unter die Nase gerieben wurde. Da war schon das eine oder andere am Hof von diesem und jenem. Jede Menge, die sich lieber über dies und das ausschwiegen. Sich darüber freuten, daß es bei einem mit dem Aufstieg, dem Rang in der Partei, doch noch nicht so weit her war. Darauf wurde gehofft, daß unter den Tisch gekehrt werden konnte. Was durchaus drinnen war, weil da die von den Siegermächten sich nur um die wirklichen Größen und Auffälligen kümmerten. Um die Fälle mit den Namenerwähnungen in den Akten. Das, was die umfangreiche Bürokratie der Nazis zum Vorschein brachte. Was nicht eben wenig war. Die Nazis, die waren echte Bürokraten. Unglaublich, was die alles notierten, aufschrieben, haarklein anführten.

Viel übrig blieb einem da tatsächlich nicht immer. Bei der Frage, was man eigentlich doch von allem gewußt, geahnt hatte. Wenn da nebenan einfach für die Deportation aus dem Haus herausgeholt und weggeführt wurde. Was hatte man denn in Echt gegen die nebendran gehabt, ob die Juden waren oder nicht? Oder wie die sich betteten, wie nicht.

 

 

 

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