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Blog von TeddeMehr

Der Dampf im Kessel

8. Januar 2021 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #Kleinteile

So was kann einem noch das ganze Urknall-Bild marode machen, daß man in die unendlichsten Untiefen des Weltalls noch glotzt. Um trotzdem das lange Erwartete nicht zu Gesicht zu kriegen. Sondern neue, längst ausdefinierte Galaxien. Ausuferung.

Dabei hat man Druck. Ziemlichen Druck am Urknall.

Nicht so in dem Sinne, daß es wissenschaftlich bei ihm eilig wäre. Daß man deswegen etwas mit ihm übereilen müßte. Um das dreht es sich bei der gesamten Angelegenheit nicht so.

Der Druck, der rührt von was anderem.

Am Großen Knall wurde Wissen proklamiert. Ein Endergebnis, das der Urknall ist. Das, was unter dem Strich herauskommt. Des weiteren ein Charakter: Am Urknall hat man sich reichlich bärbeißig gezeigt. Durchgreifend. Auch runterbutternd. Unduldsam.

Wer eine gegenteilige Ansicht zur Weltenentstehungsszene Urknall geäußert hat, der wurde immer wieder mal böse niedergemacht. Ab und an war selbst ein kleiner Karriereknick für jemanden drinnen, der nicht so freiweg mit dem Urknall umgehen wollte, sich des Urknalls annehmen und sich bei IHM bessern.

Wer seinen Widerspruch zu zugespitzt äußerte, der ... Der hatte sich darauf einzustellen, auf den Sprossen einer Karrierleiter stehend, daß andere an ihm vorüberkommen konnten. Daß es nicht länger leicht war, eine Professur an einer Universität zu behalten, seine Wissenschaftsartikel in Magazinen unterzubringen. Bei dem Gedränge, das in Berufsfragen herrschen kann.

So freiweg, tolerant, wie früherdings, so war es nach der weltweiten Urknall-Einführung im allgemeinen nicht mehr. Nachdem man sich mit dem Urknall eines Korsetts anzunehmen hatte. Das manche Denkweise nicht erlaubte. Abbilden durfte man dies und das am Großen Knall zumindest nicht so.

Daß man im Heute durchaus in unerfreute Gesichter blicken dürfte. Je nachdem, wie einer für was den Urknall ist oder eben nicht. Jede Menge Fragezeichen, die unter Umständen in den Mienenspielen von Mitarbeitern, Studenten zu erkennen sind. Verhuschte Blicke, die man tauscht, während man sich unbeobachtet wähnt.

Denn - das Letzte bleibt der Urknall, was so die kosmischen Realitäten angeht, schuldig. Außer, daß er für mancherlei abstrakte Rechenspiele gut ist, ist der Große Knall nicht so das Großartige. Dabei will man vor allem den Urknall als das Großartige, Besondere sehen. Schließlich hat man seine mathematischen Rechenspielereien auf Lager, mit denen man sich ganz nahe an einen Knall-Horizont heranrechnen kann.

Derweil man die dreißig Milliarden Jahre Sichtgrenze als Schallmauer längst durchbrochen hat - und nichtsdestotrotz ist da nicht nichts mehr. Es ist geradewegs nichts weiter dort draußen zu gewahren, als auf ein neues uraltes, weitgereistes Licht. Zum Vorschein gebracht. Lichtschein, der einem wirklich nicht das EINE bedeutet. Der Gottsucher in einem, der kann bei dem Lichtglanz nicht in Jublilierer, Freudejauchzer ausbrechen.

Wenn sich alles nur nochmals fortsetzt. Zur Kenntnisnahme von Begebenheiten, dazu wird man regelrecht gezwungen. Denn, wenn man da an einer Angelegenheit nicht dran bleibt, keine Lust zu nichts weiterem mehr hat. Da was als gleichgültig ansieht, und das nicht mit der Welt teilen mag, daß man in der Unendlichkeit neuen Schimmer erkennt. Wenn man sich dieser Realität als Tatsache verweigert, selbst was unter den Teppich kehren möchte. Oder unmittelbar noch die erhoffte, bei einem überfällige Grenzziehung für das Kosmosweite ausruft, die der Große Knall an sich bitter nötig hat, dann ...

Man leistet sich diese ganzen teuren Teleskopanlagen doch nicht nur für die eine Neugier als Wissenschaftsmensch, zur astreinen Forschung, sondern sich des Drucks im Kessel zu entledigen. Das eine, das Druck im Kessel erzeugt, das davon kommt, daß alle Welt heutzutage um den Großen Knall als die Exklusivität Bescheid weiß. Als Wissensart. Allgemeinwissen. Der Große Knall, der im übrigen anbei eine religiöse Verheißung in sich birgt: und zwar die, daß alles mal ein Ende nimmt. Denn, nach den Kundgebungen mancher Religion, soll einem irgendwann das gesamte Weltliche des Daseins flötengehen. Genau dafür aber müßte außendraußen irgendwas zu gewahren sein, müßte irgendwo was doch aufhören, enden. Eine Grenzziehung ersichtlich werden.

Oder - es ist überhaupt nicht Großer Knall. Ganz einfach.

Wenn man den Knall zwar rechnerisch hinkriegen kann, als Konstrukt, es aber dabei  verweilt, daß ein Schluß, Aus nicht in Sicht gerät.

Derweil das etwas Schlimmes, Arges wäre. Soll einem das Kartenhaus doch nicht in sich zusammenfallen. Das am Großen Knall.

Das darf nicht sein, nicht, nachdem man sich so und so verhalten hat. Ehedem. Was durchaus auch in heutiger Gegenwart bekannt ist.

Als hätte man es mit wildgewordenem religiösen Fundamentalismus zu schaffen gehabt, dergestalt war ein Verhalten. Der sich bei Wissenschaftsvolk zum Ausdruck brachte. Am Großen Knall duldete man nicht viel - ö! - Opposition.

 

 

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