Gäb's nicht immer Anlaß, was zu feiern
Damals, erst ein paar kurze Jahrzehnte her, hatte so die kosmische Welt eine knappe Ausdehnung von vierzehn bis achtzehn Milliarden Jahren. Dort, in dem Bereich, vermutete man, käme bald demnächst eine Grenzlinie, eine äußerste Ausdehnunggrenze mittels Teleskop in Sicht. Eine Perspektive, von der man durchaus dachte, man könnte sie, wenn man nur noch schärfer ins All hineinblickt, bald demnächst unzweideutig überblicken. Da was der natürlichen Einschränkung von wegen der Großen Knall-Geschichte und ihrer Notwendigkeiten zu Gesicht kriegen.
Derweil man das bis heute noch so treibt, daß man das Tiefengucken voranschafft. Ohne deswegen Besseres eines äußersten Knall-Horizonts vermelden zu dürfen. Bei dem der Marke Explosion läßt sich rundweg an kein Ende blicken. Derweil an sich auch mal im Kosmos diese Ausdehnung, aus einem Böllerschlag geboren, ihren Abschluß irgendwann erreichen müßte. Etwas, das nach Bis hierher und nicht weiter ausschaut.
Das, daß wo wieder mal was endet, aufhört, auf diese hocherfreute Kundgebung, Botschaft, Nachricht verzichtet man allerdings. Angesichts des eigenen Tiefenblicks, bei dem nichts für einen enden mag. Noch weit über die dreißig Milliarden Jahre hinaus reicht einem hier die Betrachtung.
Mitunter, daß die Champagnerflaschen, die bereitstehen, sähe man mal so eine äußere Begrenzung, könnte irgendwie so was blicken, im Heute ziemlich alte Jahrgänge wären. Nachdem man nicht dazu kam, die Flaschen, für diesen Zweck besorgt, köpfen zu können. Mit dem edlen Tropfen, den in Gläser eingeschenkt, sich zuzuprosten, das war nicht drinnen.
Das heißt, womöglich sind die Glasflaschen doch nicht wo in einem Kellerraum verstaubt. Hat man sie zwischenzeitlich mal einfach so geöffnet. Den Vorrat aufgefrischt, aktualisiert. Um nichts Edles verkommen zu lassen.
Was soll's? Zwar gab's das EINE nicht zu feiern. Auch die jüngsten Erdenjahre war es wieder nichts damit, daß auf den Urknall, und seine Wirklichkeit größer Prosit zu trinken war. Trotzdem könnt man Gründe gefunden haben, eigene Geburtstage, dergleichen, mit dem und dem Schampus aus dem Vorrat für den Urknall abgefeiert haben. Oder es mußte einem am Großen Knall droben reichen, die Gläser deswegen anzuschlagen, daß mal so Nordamerikaner für ihre Herumrechnerei am Urknall und so, was den eben anbetrifft, den Nobelpreis verliehen kriegten. Jahr '20 nach dem Millenium.
Das war dann womöglich ein guter Anlaß, sich mal wieder an die eigene Champagnerflaschenvorratswirtschaft zu erinnern, an die ranzugehen.
So die Nobelpreisverleihung an US-Amerikanr, weil die sich um die Angelegenheit Urknall verdient machten. Wie es das Verleihungskommitee textlich umschrieb.
Wenigstens was für eine kurzzeitige Berauschung, das feierliche Ausbringen eines Toasts. Obwohl die Neuigkeiten eigentlich nie so recht klasse sind, für einen als Knall-Anhänger.
So die Gewißheit am Urböllerchen, die läßt sich bitten. Da beweist sich nichts, daß da größere Freude bei dem und dem aufkommen hätte können. Ansonsten war und ist es mit nichts weit her, bevorzugt man einen Urknall. Darauf muß, hat man zu warten, am Großen Knall wirklich Interessantes zu erfahren. Wie immer man auch ungeduldig sein will. Wie liebend gerne man auch den Theologen, Klerikalen bei dem Thema aufs neue angefragt hätte. Ihm eine wirklich wissenswerte Neuigkeit präsentieren hätte wollen. Nicht immer nur den einen Mist oder sonst was Doofes. Wie das mit dem Sprech von einem Galaxien-Zoo.
Auch der konnt das schon eine halbe Ewigkeit nicht, der mit dem Priesterkragen am Sternenguckerhof, selbsttätig in den nächsten Kirchenstaat hinein ein paar Einladungen zusätzlich zu verschicken. Nachdem er dort noch ein paar Namen mehr von Leuten kennt, die sonst normal keiner weiß.
Nur, so säuft man seinen Champagner des öfteren ein wenig einfach so profan weg. Um nichts verkommen zu lassen.
Muß man sehen: Erneut, daß es für den erwartungsfrohen Urknall-Jünger nichts Besonderes zu vermelden gab. Trotz den derzeitigen Hochtechnologie-Möglichkeiten bei den Teleskopen, alles rechnergestützt, erlebte man das nächstemal eine böse Überraschung: Die Weltall-Geschichte, die setzt sich einfach mir nichts, dir nichts fort. Neues Verräterlicht, das im Dunkel zum Vorschein kam. Böse ausdefinierte Galaxien-Gebilde, die einem explizit am Kamerabild entstanden. Rechts-, linksdrehende Galaxiendinger. Spiralarmgalaxien. Sich um sich selber drehend, von einem Mittelpunkt aus. Dem Schwarzen Loch in der Mitte.
Schlimme Sache. Kein bißchen was für die Lucie. Sondern, weiter geht's hier. Immer noch weiter. Hätte man nicht zwei Nobelpreise erhalten, an zwei Leutchen aus den Staaten verliehen, für deren Verdienste um den Großen Knall, hätte man nicht den geringsten Anlaß gehabt, für irgendwas miteinander anzuzstoßen. Auch nicht von wegen mancher unanständig boshafter Kollegenschaft. Socken, die es einem nicht durchgehen lassen, an ein Schluß, Aus zu gucken. SIE, diejenigen, sie hätten einfach keine Ruhe gegeben, einem die freudige Kunde widerlegt, einen voll gemein am Erdglobus bloßgestellt, auflaufen lassen, hätte man erdenweltweit nicht höchstpersönlich von den neuen Sichtungen von Uralt-Galaxien Mitteilung gemacht.
Anderes im Angesicht der menschlichen Erdbevölkerung zu meinen, das war nicht. Mancher Notigkeit am Großen Knall zum Trotz.
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