Hie wie dort im Krieg alles wie im Frieden
Wenn demnach ein Kirchenstaatsbeamter, der für die Wissenschaftsfrage angestellt war - ob er direkt Priester war, Weihe und Zölibat genommen hatte oder nicht -, Zeitung las, Wochenschauen guckte, in die Stadt aufbrach, dann konnte er sich einigermaßen gruseln, wie es da ab und an zuging. Ansonsten hatte da das Wenigste, was mit Politik und Krieg zu schaffen hatte, mit seiner Tagesarbeit am Büroschreibtisch in der Wissenschaftsabteilung des Kirchenstaates irgendwas zu tun. Das eine spielte perspektivisch keine besondere Rolle, solange da die Alliierten nicht bombadierten. Was man mit Diplomatie zu verhindern suchte. Mußte ja nicht sein, unbedingt von einem Bombenhagel betroffen zu werden. Weswegen man über einen Unterschied zwischen sich und seiner Umgebung informierte.
Von dieser Verhältnismäßigkeit abgesehen, daß man, wenn möglich, nicht in Mitleidenschaft gezogen werden wollte, durfte man laufende Kirchenstaatgeschehnisse nahezu genauso betrachten, wie bei den USA-Wissenschaftlern, die in die Sterne hinausguckten, am Kosmos herumrechneten, bis sie ihre Ergebnisse, Sichtungen irgendwann in wissenschaftlichen Artikeln zusammenfaßten.
Wobei sich zu jener Zeit, noch mitten im Krieg, ein Tor den Kirchenstaatmitarbeitern immer weiter öffnete. Denjenigen, die eine langfristige Strategie verfolgten. Die mit Dingen zusammenhing, die in den Vergangenheitsjahren ihre Ursache hatten. Dort, daß die Gründe lagen, weswegen man sich zeitweise ziemlich besorgt, bekümmert gezeigt hatte. Schließlich wurde von den Wissenschaftlern ohne Rücksicht auf Verluste Dauerwissen mit der Weltbevölkerung geteilt. Die zwanziger, dreißiger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts waren dafür auch eine ereignisreiche Epoche.
Fast schon, daß man sich als wer einer Kirche vor der nächsten Wissenschaftsneuigkeit fürchten wollte. Was da von Wissenschaftlern wieder Schönes mit massenweise Volk geteilt würde, ohne daß man darauf Einfluß nehmen konnte. Diese Wissenschaftsbelesenen, von denen einige am Vorhof der Kirche auftauchten, den Gemeindevorsteher, der dann predigen wollte, nicht als Respektsperon sahen. Sondern diesen böse mit ihrer angelesenen Kunde aus Science-fiction-Romanen und der Artkelweise der Wissenschftsmagazine malträtierten. Daß manch einer der Priesterschaft die Augen niederschlug, einiges an Glaubensirritation erlebte.
Wobei, die der Wissenschaft denen von Glaube und Religion noch in andererr Hinsicht drohten. Bei den dauerhaft in Druck befindlichen Büchern der Bücher. Daß noch was mit deren Inhalten geschehen könnte. Urplötzlich. Einfach mal so. Indem man etwas dergleichen verlautbaren ließ, schlüssig konstatierte, es gäbe überhaupt keinen Anfang im All, nichts, das mal enden würde.
Nun, wer sieht diese Problematik nicht? Was der Grund ist, weswegen so Weltenentstehungslegenden plötzlich von größter Wichtigkeit waren. Die, daß ins Zentrum von besserer Aufmerksamkeit gerieten. Warum dahingehend vielleicht sogar was passieren sollte, das könnte auch klargehen. Auch bei der freihändigen Veröffentlichungsweise von Wissenschaftsartikeln, dem Heldenstatus von Wissenschaftlern, da hatte sich was zu ereignen. Daß es wieder aufhörte, daß alles und jedes nur die Wissenschaftsfächer studieren wollte, kaum mehr wer irgendwie die Theologie. Bei einem Priestermangel, den man über Jahre hinweg festzuhalten hatte. An vielen Erdenorten. Etwas, gegen das man angehen wollte. Auch die damalige Ära über.
Derweil, wie geht so ein Spruch? Glück braucht der Mensch. Und tatsächlich ergab sich etwas, was sich als das Glücksmoment schlechthin herausstellte.
Bei der Art und Weise, wie Glaube und Religion und die Wissenschaft doch noch zusammenfanden. In Einklang miteinander gerieten.
Vor allem kann man das mit den nordamerikanischen Gottsucher-Wissenschaftern und den US-Wissenschaftlern, die sich in Wissenschaftlerzivil kleideten und zu allem Überfluß noch geweihte Priesterschaft waren, verknüpfen, jenes Glück.
Das Nordamerikanische, das sich, im Gegensatz zum ehemalgen Europäischen, als ein wahnsinniger Glücksfaktor herausstellte. Die US-Amerikaner, die keine Distanz zu Theologischem kannten. Berührungsängste: gegen Null. Bei denjenigen, daß irgendwann das Tor sperrangelweit offenstand.
Der Toröffner, Großer Knall hieß der. Der Böllerschlag, bis dahin bei den Weltenentstehungslegenden ein Blickwinkel unter mehreren. Nur, an der Seite derer aus Nordamerika, daß es einen Schlüssel gab. Aufgesperrt konnte werden. Beizeiten brauchte nur noch kurz durch jene Toröffnung gegangen werden.
Hindurchgegangen konnte, indem man die Galaxienreise, die Hubble erklärte, zum größtmöglichen Ding machte. Man begriff, verstand, und mit dem USA-stämmigen Gottsucherwissenschaftler, mit dem man übereinstimmte, sich in Einklang befand, konnte man sich glattweg auf weiterführende Abläufe verständigen. Darauf, daß es, weil die Galaxien so und nicht anders daherkamen, nicht nur ein Knall war. Vielmehr ein exklusives Ereignis. Daß es, wenn es denn der Große Knall war, auch noch auf dem großen Bild der elementaren Weltenentstehungslegenden was geben könnte. Geradezu mußte. Daß mußte sich bloß halten, daß sich die US-Wissenschaft infolge einer Wissens-Euphorie durchgreifend entschlossen zeigte.
Womit sich endlich richtig vielerlei Hoffnungen erfüllen konnten. Bei der perspektivischen Abbildung des Urknalls. Bei dem man doch für die Kosmosdistanz die Götter-Szene auffinden konnte, auch so, wie siee in den Büchern der Bücher beschrieben steht.
Am Knall präsentierte er sich schlußendlich, der eine Anfang. Dort entstand das, was einen Schöpfer-Gott ins Spiel brachte, der meinte, das, was er sah, das wäre gut.
Und, wenn das, das durch die Explosion losbrach, mal zum Erliegen kam. Dann hatte man auch das Endspiel im Blick. Eine große religiöse Verheißung.
Mit dem dritten war alles bei den Büchern der Bücher wirklich wie eh und je. Wie schon immer. Der Wissenschaftler hätte sich nur daran erinnern müssen, was er in der Schule schon lernte. Was man ihm bereits im Religionsunterricht erklärt hatte.
-------