"Die Augenzeugin": 29
1. Dezember 2011 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Die Augenzeugin"
Zittrig zog Verena ein frisches Papiertaschentuch aus der Packung. Sich mit dem papiernen Taschentuch das Gesicht herwischend, begab Verena sich am Flurgang nach rechter Hand, zur Tür da in der Mitte gegenüber.
Auf das Pappeschild dran an der braungestrichenen Holztür gaffte Verena.
Ein von Kindergartenkindern mit Malstiften in Regenbogenfarben gemalter Name - GERALD. Jede Menge rote Herzchen rund um den Namenszug GERALD herum. Oben links am Bild eine goldfarbene Sonne mit gelben Strahlen. Das Sonneninnere: ein Grinsegesicht aus Bleistiftstrichen.
Hübsch und brav verfertigt von Kindern im benachbarten Kindergarten, für Herrn Mendl, Herrn Gerald Mendl.
Sicher war es jetzt schon fünf vor zehn Uhr, überlegte Verena. Wenn es nicht bereits zehn war.
Sollte Verena die Schulter zucken, weggehen?
Was sprach aber bei Verena dagegen, schnell doch noch anzuklopfen? Ansonsten hätte Verena schlichtweg sofort drunten mitten unter der vielköpfigen anstehenden Bevölkerung bleiben können.
Irgendwas würde Verena bestimmt einfallen, ihre Verspätung zu entschuldigen.
Ziemlich wuchtig, lautstark, daß Verena zweimal mit der Faustunterkante gegen die braunfarbene Türfläche haute.
Auf eine Stimme horchte Verena.
Keinerlei Reaktion aus der Büroinnenwelt.
Die Türklinke drückte Verena drei-, viermal hintereinander herunter.
Es war abgesperrt, und es blieb zu.
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