"Drei Erwachen": 278
15. März 2013 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Drei Erwachen"
Fingernagel aufgerissen hatte. Über das Gesicht wischte Joachim sich mit dem papiernen Tuch. "Wenn sich das wiederholt, was mir vorvorgestern mit Christine passiert ist, was Elmar mitkriegen hat müssen ... Momentan hab ich ja ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu Elmar. Und Christine, Christine und ich - ö ... Christine ... Christine ist - ö ja! - meine Freundin. Aber, alles ist relativ. Ich meine, Christine ... Sage Ihnen, Frau Tatz, wiederholt sich so was, daß es mir im Büro was vormacht, ich durchdrehe ... Vielleicht dann sogar noch mitten unter den verkehrten Leuten ... Ganz davon abgesehen, daß sich die Situation zwischen mir und Christine grundlegend ändern kann. Weil Christine, Christine, die fängt an, mir auf die Nerven zu gehen. Christine Strebe, die beginnt ernsthaft zu glauben, sie und ich ... Zwischen ihr und mir, da wäre mehr ... Ach was, ja? Ewig das gleiche, nicht? Und, bitte, nehmen wir Elmar. Sagen wir was zu Elmar, ja? Mit Elmar verstehe ich mich im Augenblick möglicherweise auch nur so gut, weil Elmar denkt, das, mein guter Kumpel zu sein, das wäre für ihn von Vorteil."
"Ist er das denn nicht?" war die Nachfrage von Frau Tatz. "Ihr Kumpel, Herr Herrmann?"
"Bei Muff im Unternehmen muß man normal mit so was vorsichtig sein, Frau Tatz", erklärte Joachim. "Freunde hat man woanders. Bei Muff herrscht harter Wettbewerb, Konkurrenzkampf. Ein Hauen und Stechen, offen oder versteckt. Du stehst auf einer Seite, weil du denkst, du könntest davon Vorteile haben. Muff nennt das eine gesunde Situation der Konkurrenz untereinander. Um Aufstiegsmöglichkeiten. Die besten Plätze am Tisch. Die allerbesten sind die, wenn du auf einem Platz um Muff herumsitzen kannst, Muff die Dinge direkt mit dir beredet. Jaja, im Grunde hat nur einer sein Plätzchen immer sicher, Muff selber. Willst du was Eigenes, mußt du bei Muff raus, dich selbständig machen. Das ist allerdings nicht gerade leicht. Mußt du einiges investieren. Geld, Zeit. Ganz zu schweigen von den Beziehungen, die dir die Türen geschlossen halten, kommst du plötzlich als Chef deines eigenen Ladens an."
"Es ist nicht einfach, selber etwas auf die Füße zu stellen", meinte Frau Tatz. "Verstehe das sehr gut, Herr Herrmann."
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