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Blog von TeddeMehr

Ein Märchen

24. Mai 2014 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #Kurzgeschichte

Die treue Prinzessin und der edle Prinz


Es war einmal.

Es war einmal so im Irgendwo eines alten Kronkorkenreiches. In eines Trittstiefels Nähe.
Eine Prinzessin, die lebte munter. Gerne fuhr die Prinzessin Rase-Autos.
Von Ort zu Ort gelangte die Prinzessin rasant. Auf den reichlichen Schnellstraßen und allen sonstigen Wegen und Plätzen lebte zweibeinige Kreatur und jegliches Getier gefährlich, sobald das mächtige, eilige Gefährt der Prinzessin andüste.

Aber, aber, die böse Königin, die drohte.
Die böse Königin von einer Mutti, die war Drohung, Drohung in Reinkultur.
Weil, die erzfürchterliche Königin Mutter, die mochte des öfteren Herzöge, Barone, Grafen, Kurfürsten, neureiche Kaufleute, Komödianten, fahrende Spielmänner, Gaukler nicht, die sich das edle Fräulein, ihre Tochter, als Freunde, Liebhaber erwählte.
Das war kaum auszuhalten, oft, das mit der königlichen Mutti. Nichts, das ständig geheimgehalten werden konnte. Vor ihr, der Mutter und gekrönten Herrscherin.


Es kam also, wie es kommen mußte. Die böse, obergemeine Königin, die kassierte die großmotorige Schnellfahrerkutsche.
Alles war nur noch zum Heulen auf der Welt für die hochwohlgeborene Prinzessin, der Königstochter. Nichts schmeckte ihr mehr, kein Lab und keine Speis'.
Unausstehlicherweise, die schreckliche Mutti von einer gekrönten Regentin, die regierte durch. Was die hohe Frau und Mutter erklärt hatte, das blieb von Bestand.
Die Königin setzte des weiteren auseinander, die holde Tochter, die würde die Hochgeschwindigkeitskarosse und die Lizenz zum Bleifuß-Rasen und Alles-tot-zu-Fahren erst wieder zurückbekommen, wenn sie mit einem Edelprinzen für immer und ewig Schluß mache. Ausgerechnet mit dem einen. Einem, der sich früher schon öfters gerne, das eine oder andere Katzengold-Krönchen am Haupt, in der höfischen Gegend umtrieb.
Die Beziehung zu diesem Herrn, die sollte beendet werden. Von der Königstochter. Gleichgültig bei der Sache, wer der Mann denn sein wollte, welche Besitztümer der edle Prinz zu besitzen behauptete, welche Lieder er in die Welt sang.
Das Prinzessinnen-Elend, der prinzeßliche Jammer, all das, das nahm kein Ende.
Flüsse der Tränen. Unendlich schien der Prinzessin das Böse, die Gemeinheit der Welt. Angebracht bei ihr von der Königin, der Mutter.

Weshalb nur die Besorgungen, Kümmernisse am Königspalaste? War denn der Thron gefährdet? Fehlte mehr Gold in den königlichen Schatztruhen als sonst?
Diese Fragen wiederholte die Prinzessin mit feuchten Wangen mitten unter ihren vertrauten Freundinnen. Selbst im Kreise anderer hochherrschaftlicher Damen am Hof hielt die bleichgesichtige Prinzessin tränenreich nicht an sich, öffnete weit den Mund.
Der König, ihr Herr Vater, saß der nicht selbst mitten unter den Kaufmannsleuten auch noch auf dem einen oder anderen Oberbosse-Thron? Womit er verdiente, der König und ihr Vater. Haufenweise Gold-, Silbertaler. Reichtum, der würde gescheffelt. Und die Königin, die hohe Königin, ihre Mutti, war die nicht ebenfalls viel mit anderem beschäftigt, als Tag für Tag nur die herrschaftliche Krone am Haupte zu tragen? Die Frau Königin, die war nochgerade eine unausstehlich ruhelose Handelsfrau. Handelte mit teuren Tüchern, ließ weben und schneidern. Die Obersten der Weber- und Schneiderszunft, die verbeugten sich tief vor der edlen Dame, ihrer königlichen Beherrscherin. Die ihnen Arbeit und damit Wohlstand gab.

Die in diversen Stadthäusern gewebten Tücher und danach in den Palastkatakomben unter der Aufsicht und Anleitung der ideen- und kenntnisreichen Frau Königin geschneiderten Gewänder, die wollten zahlreich unter die Leute gebracht werden. Zum Zwecke der Werbung schickte die hohe Dame von einer königlichen Beherrscherin und Händlerin sogar Schönheitsköniginnen und -prinzen zu Kleiderschauveranstaltungen über die sieben Berge zu den sieben Zwergen und den taktlos arroganten und schmierigen Riesen und zurück.
Und - hatte es sich nicht ereignet, daß sie, die Prinzessin, IHM genau dort vorgestellt worden war?
In den Gemächern der Königin, als diese ihren nämlichen ausschweifenden Geschäften nachging, war es geschehen. Im Verlaufe dieser Momente begegnete sie ihm ganz von nah. Ihm, den sie vorher lediglich von Bildern her und flüchtigen Blicken aus der Ferne gekannt hatte.

Eine öffentliche Präsenz hatten vorstehende Leute für den edlen Prinzen bei der geschäftstüchtigen Herrin, der königlichen Mutti, ausgehandelt. Hinter dem erhöhten Eichenholzthronsessel der Königin war sie, die Prinzessin, gestanden. Hatte allem zugehorcht, das Prinzenlächeln beobachtet. Eins, das ein ums andere Male ihr, der Prinzessin, gegolten hatte.
Aus hübschen Schönheitsprinzessinnen, Bräuten, die vor ihm, dem Prinzen, in verschiedenem Kleid auf und ab schritten, wählte der Edelmann die ein, zwei aus, die er für seine zukünftige Verfertigung von Rennbildern benötigte. Einige Termine, die mit der hochherrschaftlichen Frau und Königin deswegen vereinbart wurden.

Darüber lächelte sie, die Prinzessin, öfters verschmitzt. Denn, das hatte gewiß etwas. Das, daß sie, die Königstochter, den Edelprinzen ausgerechnet in den Gemächern der Königsmutter erstmals von Angesicht zu Angesicht leibhaftig getroffen hatte.
Wie das Leben so spielte. Wie's kommen konnte. Obwohl: Wo die Mutti war, war oftmals sie, die königliche Tochter, nicht weit.
Eine Depesche schickte der edle Prinz. Die Frage stand darin zu lesen, ob sie, die Prinzessin, nicht gerne bei der Herstellung des werblichen Bilderwerkes dabei sein wolle. Vielleicht bei der einen oder andern Szene selber zu sehen, mitzuwirken.
Natürlich wünschte sie, die Prinzessin, sich das von ganzem Herzen.
In der Retourdepesche, die die Königstochter eigenhändig handschriftlich verfaßte, stimmte sie dem zu, daß sie auf ihren eigenen zwei Beinen erscheinen würde. Sie hätte Zeit, gedachte in einer noblen, chauffierten Benzinkutsche höchstselbst einzutreffen.

An jenem Tage also, daß die Prinzessin wirklich ankam. Vor Orte war. Mit Haut und Haaren.
Eifrigst schaute das königliche Kind allem Treiben zu.
Viel lachte die Prinzessin mit den Leuten. Am meisten jedoch mit dem edlen Prinzen, der sich oft an ihre Seite begab. Und herausragend nur sie, die Königstochter, ansprach.
Selbstverständlich, daß sich ab jenem tollen Wochentage weitere Treffen ereigneten. Die Prinzessin, die den Edelprinzen zu Rendezvous' wiedertraf.
Welch ein herausragender Edler der Nobelprinzengarde war der Prinz auch!
Der Prinz liebte das, war jemand mit ihm und seinen Vertrauten, Freunden zusammen, an jeder solchen Örtlichkeit ein güldenes Krönchen am Haupte oben zu tragen. Sogar hin und wieder eins, ein echtes. Sprach er.
Immer vertrauter wurde die Prinzessin mit jenem Edelmann.
Offen hielt der Mann sich dann und wann in den Wohngemächern der königlichen Tochter auf. Stolzierte dort lässig, stolz auf und ab, befahl dem Gesinde.

Leider, ein Unbill, das in die Welt kommen mußte. Es passierte, daß die königliche Mutti den edlen Prinzen aus irgendeinem Grunde nicht mehr ausstehen konnte. Aus irgendeinem Grunde.
Regelrechter Haß, anders war die Abneigung der hohen Königin gegen den Erzprinzen am Schluß der schönen Wochen nicht zu deuten und zu nennen. Schwer einzusehen für sie, die Tochter, das hochwohlgeborene Königskind. An so was, an so was, nie daß sie an so was bei der königlichen Mutter gedacht hätte. Was die Mutti und Königin als Verhaltensweisen an den Tag legte, nicht zu fassen für das teure, prinzeßliche Kind.
Er war ihr Freund.
Was dachte die Mutti sich denn? Das war doch ein gewaltiger Nobelprinz, ihr Geliebter. Bei vielen in den verschiedensten Landen wohlbekannt.
Vielfach gerühmt, der Mann. Jubel, Trubel umtoste ihn, trat er wo auf.
Erfolgreich lebte der Edelprinz seine Berufung. Sagte, mußte er für ein, zwei Lieder viel wohin abreisen, es ginge jetzt wieder "auf Arbeit". Oder auch: "Nun zurück zur Maloche".

Mit litt die Prinzessin mit ihm. Mit mit ihm.
Denn: Allem stürmischen Erfolge zum Trotz, der Edelprinz war ein Leidender. So, so leidend.
Vielerlei Geschichten seines Leids erzählte der edle Prinz vor der Königstochter. Unter anderem auch das, daß sein Reichtum das Nichts wäre. All sein Hab und Gut, das reine Nichts. Seine Schatztruhen, gefüllt mit nichts als Leere. Luft. Drinnen nichts als Luft.
Bei all den ihm gehörenden weitläufigen Ländereien mit Waldungen, Gehöften mit Bauern, die für ihn das Tausendste an Steuern abdrückten, den Burgen, Schlössern - besaß der Prinz nicht den allermüdesten Gold- oder Silbertaler in den Schatzkisten.
Schier nie zu glauben war es für seine Freundinnen, Kumpane und auch die Prinzessin. Unfaßlich. Unterhalten werden mußte der Edelprinz. Eben jener Edelprinz, der sein Gold- oder Katzengoldkrönchen selbst an den heimlichsten Orten nur ungern abnahm. Derart arm dran war er, der Prinz, weil er hatte das Nichts. Jammernd sein Zustand, miserabel Körper und Geist, alles zerrüttet.
Zutiefst mitleidserregend. Betteln gehen wollte man für ihn, den Ober- und Erzprinzen mit dem Goldkrönchen droben. Am liebsten jeden Tag eine Armee von Bettlern für ihn ausschicken. In die entferntesten Landstriche. Überallhin. Horden von Steuer- und Geldeintreibern, hinaus in die lieblose, sterbenskalte Welt der bösen Menschenkreatur.

Wie mußte die Prinzessin sich beherrschen. Mühsam sich beherrschen. Am liebsten hätte die Prinzessin das am Hof augenblicklich im Angesichte der Königin und ihres Vaters, des Königs, befohlen, die Soldaten mit Schwert und Peitsche loszuschicken. Auf der Stelle. Hinein, mitten unter das dumbe, nutzlose Volk, das keiner brauchte. Zumindest die Steuern für ihn anzuheben, den edlen Prinzen, ihrem Liebling, das wäre das mindeste gewesen.
Für ihn ausheben, auftreiben. Alles für ihn. Einzig alles zu seinem Frone. Bang war es, wegen ihm, den Edelprinzen, das kleine Prinzessinnenherz.
Welch warmes Gefühl, das die Prinzessin für ihn hatte. Solch sorgenvollen Blick. Für ihn, ihren Herzensliebling, den Ärmsten. So, so arm, der Prinz. So schlecht, daß es ihm ging.
Ausdauernd besorgte die königliche Tochter ihrem Liebling, ewiglich davon sprechend, er sei klamm, malade an Leib und Seele, dies und das. Überreichlich, daß die Prinzessin den Edlen mit Gütern überhäufte, ihn beschenkte.

An ihn verlieh die Prinzessin Dinge. Nicht bloß schmucke Goldorden, die die Prinzessin ihm an die Brust heftete. Mit Liebe überreichte sie an ihn bei jedem Vorüberkommen Salben, geheime Zaubertränklein, die stärken sollten. Helfen, den Saft- und Kraftlosen, angefüllt mit Überdruß, Gram und Dauerangst vor Krankheit, aufzurichten.
Dafür entschwand der edle Manne samt seinen vielen Zeichnungen am Leib und seines Glorienscheines der Prinzessin nicht aus dem Kreis. Zu ihr, der Königstochter und Prinzessin, kehrte er aus nahen und fernen Landen nach den üblichen bekannten Fristen zurück. Sogar von Heirat war aus seinem Munde die Rede. Na, heiraten, das Heiraten eben. Ernsthaft, er sie heiraten. Irgendwann mal sie heiraten. Sicher würde er sie irgendwann heiraten. Kam eine gute Gelegenheit, sie ehelichen. Mann und Frau sollten sie werden.
Daran glaubte die hochwohlgeborene Prinzessin fest.
Obwohl, aus verschiedensten Quellen, daß ihr an die Prinzessinnenohrmuschel geflüstert wurde, der Prinz, der Prinz, der hätte sich gegenüber Saufbrüdern und sonstiger Kumpanei laut geäußert. Dergestalt, daß es in anderen Königreichen auch schöne Prinzessinnen gäbe. Eine bestimmte, eine bestimmte, nein, eine solche müßte das nun wirklich nicht sein.


Allem eine Krone aufzusetzen, wurde der armen Prinzessin von der hohen Königin und Mutter denn die Apanage auf das gründlichste zusammengestrichen. Zu allem anderen hinzu.
Das Ganze immer nur wegen dem von der Prinzessin so heiß und innig geliebten und von ihr verteidigten Edelprinzen.
Endgültig war es das nun mit dem Prinzessinnenleid.
Kaum erträgliche Szenen der Traurigkeit erlebten die Palastdienerinnen, wenn sie die Gemächer der Prinzessin betraten.
Es kam der Moment, da reichte der Prinzessin ihr Kummer. Sie, arm wie eine der doofen Dienerinnen. Ohne ihre liebste Dieselkutsche fürs Schnellfahren. Tage, Wochen ohne Rase-Auto und ihrer Lizenz.
Schließlich war es soweit, das abgestrafte Kind. Der abgefeimten, erzgemeinen Kräuterhexe und bösen Königsmutter gab es alles zu. Was immer diese zu hören wünschte. Jegliches.
Wiewohl es eigentlich schwer einzusehen war, für sie, die königliche Tochter, der hochherrschaftlichen Mutti irgendwelche Dinge zugeben zu müssen. Einzig, Vati, der König, der wollte dem Kinde in keinster Weise beistehen. Nie.
Ein Elend war es auf der Welt, eine ungeheuerliche Schmach. Alles für die Wiederkehr der Liebe und den Wohltaten der hohen Mutter, der Königin. Für ein bißchen Frieden. Ein bißchen Frieden am Hofe.
Aber, das Trauerspiel, es ward irgendwann vollbracht. Die Prinzessin hatte das Schlimmste hinter sich. Der Nobelprinz, der befand sich zum Glück weit, weit fort, in fernen Gegenden, die er mit seiner Singspielgruppe bereiste.
Die Welt war für die Königstochter und Prinzessin bald neu aufs beste geordnet. Vergessen bei ihr die sie bedrängende Not, die tränenreichen Kümmernisse. Zur Mutter und Königin wußte die hochwohlgeborene Königstochter sich klug zu verhalten. Blieb klug.

Den Baronen, Herzögen, Grafen, reichen Kaufmännern, Komödianten, Gauklern und Spielmännern, denen wußte die Prinzessin trotzdem zu begegnen. Sogar ganz offiziell. Am königlichen Hofe.
Ebenso in den äußeren Gemächern der hohen Königin, daß alles beim alten war.
Ihre Geschäfte mit Tuchware, selbst verfertigtem Kleid betrieb die hohe Frau Mutter ohne Unterlaß. Schickte weiterhin ihre Schönheitsprinzessinnen und -prinzen für Kleiderschauen kreuz und quer durch die Lande und über die sieben Berge und zurück. Zu den Zwergen und den Riesen.
Alsda waren Zusammentreffen mit mancherlei Leuten nicht zu vermeiden, in der Umgebung der Königin.
Botschaften des edlen Prinzen überbrachten ihm befreundete Kaufmannsleute, Adlige ihr, der Prinzessin. Um es mit anderen Worten zu umschreiben: Für alles fanden sich Mittel und Wege. Schließlich war sie die Königstochter und in Liebe entbrannt.

In keinster Weise schicksalshaft, zufällig, daß man wieder zusammenfand. Sie, die Prinzessin, und der Edelprinz. Sogar bei höfischen Festen, daß man dann und wann aufeinandertraf. Auf öffentlichem Parkette.
Offiziell zu abendlichen Bällen und großen Hoffesten war der edle Manne geladen.
Zum Tanze forderte er auf, Herzoginnen, Gräfinnen, Baronessinnen. Und selbstverständlich lehnte auch sie, die königliche Tochter, die Aufforderung nicht ab. Ansonsten wäre das ein Akt der Unhöflichkeit gewesen, über den getuschelt werden hätte können.

Eine Maske vorm hochherrschaftlichen Antlitz tragend, ein Kopftuch am Haupte oben aufhabend, tief die Stirn herabgeschoben, einen weiten Umhang dazu übergeworfen, schlich die Prinzessin nächtens aus dem Königspalast hinaus. Zu ihm zu gelangen. Ihm, der sich für sie extra Zeit freischaufelte. Kein Weg zu ihr, daß ihm zu weit war. Weil sie doch eine Königstochter war. Eine Königstochter, die er an der Angel hatte.
Grinsend wiederholte die königliche Tochter das Lob für die viele frisch verfertigte Farbezeichnung auf Bauch und Rücken des edlen Prinzen. An seine Schultern lehnte die Prinzessin ihre heißen Wangen nach dem nächsten Ausritt an.
Prinzessinnenspannung pur, mit dem von der Königsmutti verschmähten Edlen zusammenzusein. Wenig ging da drüber, dem Manne sein unvermeidliches güldenes Krönchen vom Haupthaar herunterzunehmen und ihm das Schmückende kurze Momente darauf langsam auf ein neues draufzusetzen. Sie, die Prinzessin, die Tochter des Königs, die IHN krönte, krönte. Sie krönte ihn, ohne daß die böse Königin und Mutter im Palast viel davon ahnte.

Aber es kam der Tag, die Gehörgänge der Königstochter, die erreichten gemeine, frisch gestreute Gerüchte, Gerüchte, daß die Prinzessin gesehen worden wäre. Verschiedenenorts. Mit einer Person, einem scheinbaren Edelmann und Erzprinzen - und außerdem jemand, der bei der hohen Frau Königin überhaupt nicht besonders angesehen war, nicht sehr gelitten.
Um den Dunstkreis des Königspalastes mit seiner lästigen Flüsterpropaganda samt dem Schaden davon zu entkommen, reiste die gereizte königliche Tochter schleunigst aus der Hauptstadt des Königreiches ab. Nur auf und davon, das war die prinzeßliche Devise, ehe sich aufs neue für das Königskind nachteilige Dinge ereigneten. Zum Beispiel, daß ihr die Rase-Benzinkutsche weggenommen würde, der Strom reinen Goldes bei ihr nahezu versiegte. Alles mindestens genauso schlimm, wie die Zustände, die die Prinzessin von früherer Gelegenheit her kannte.
In die fernere Märchenstadt des Königsreiches mit herrlichsten Bauwerken begab sich das königliche Kinde. Mitten hinein zwischen freigeistige Elfen, umtriebige Trolle, geschäftige Weiß- und Schwarzzauberer, verschiedenste Magister, Kaufmannsgelehrte und die üblichen Schöngeister da zu Orten. Um im trutzburgähnlichen Schlosse an einem der besten Plätze der märchenhaften Stadt ihr Studium der schönen Künste und der Anatomie der Lebewesen neuerlich aufzunehmen.
Viel zu lange schon, daß es, das gestalte Königskind, die Dinge des Wissens vernachlässigt hatte. Dinge, die für eine, die zukünftig die Krone tragen würde, ebenso Verpflichtung waren.
Der Prinzessin ihre befestigte Zimmerflucht, gewaltig. Sehr viel von einer sturmfreien Bude. In der gut rauschende Feste zu feiern waren. Sofern die hohe Königstochter die Laune hatte, sich und anderweitiger umtriebiger Bevölkerung das gestattete.
Auch die Königin Mutter, die hohe Herrscherin, die mit der Krone am Haupt, ließ es sich nicht nehmen, erschien in schöner Regelmäßigkeit hinter den Mauern der herausragenden Universitätsstadt und in der Gemächerflucht der edlen Tochter. Forschte nach, wie es dem fleißig lernenden, studierenden Kinde also erginge. Überallhin schaute "Krone-Mutti" (spöttischer Original-Ton Edelprinz, dem die Königstochter nicht widersprach), suchte schnüffelnd herum, sprach dabei über dies und das ihrer Herrscherinnenwelt. Oder den Angelegenheiten des Vatis.
Das waren die Gelegenheiten, bei denen jubelte die Prinzessin der hochherrschaftlichen Mutti auf sie, die Königstochter, umgeschriebene Schuldscheine und Lastschriften des Edelprinzen von und zu unter. Solche Verschreibungen ausgerechnet desjenigen, der der hohen Frau und königlichen Regentin an der Seite ihres Ehegemahls, des Königs, bis auf die weißen Knochen hinab unerträglich, suspekt war.
Die ungeheuren Aufwändungen erklärte das vorteilshaft sich gebende königliche Töchterchen mit ihrem eigenen Lebensstil, der angemessen sein mußte. Das Leben, das kostete eben. Und gerade ihr, der Prinzessin - einer in ihrer Position als Repräsentantin des Königshauses - kostete das tagtägliche Leben. Immense Beträge. Riesige Haufen an Gold- und Silbertalern, hätte jemand sich die Mühe machen wollen, sie aufzuschütten. Mußte Königin Mutti begreifen, das, daß es notwendig war. Alles reinste Notwendigkeit für eine Prinzessin, ein Königskind.


Das hätte die doofe Welt hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen, viel zu oft belästigt von fiesen Trollen, Gnomen, schrecklich gräßlichen Orks, argen Riesen, vielerlei Arten von Blutsaugern und wortreichen Ansagern, sicherlich gerne gewußt, wie viele Beutel Gold- und Silbertalerchen, Diamanthalsbänder und dergleichen Geschmeide, Wertbriefe, Pelzmäntel und teures Kleid durch die hinterlistige Tour der Königstochter den Besitzer wechselten.
Kleinere, größere Schatztruhen ohne Zahl, die sich die im Grunde genommen selber stinkreiche Person von einem Edelprinzen, das von ihm heißgeliebte güldene Krönchen am Haupte droben tragend, bei der Prinzessin insgeheim abholte.
Die allerschlimmsten Belastungen außerdem, die das hilfsbereite Königskind von dem spekulativ tätigen Nobelmanne fortnahm. Gegen die gemeinsten, ekelhaftesten Gläubiger, daß die Prinzessin ihm beistand. Welche, die ihm bereits mit Eisernen Jungfrauen gedroht hatten, einem Scheiterhaufen außerhalb der Stadt, einem, auf dem er brennen sollte.
Statt daß ihm derartiges passierte, wurden die fordernden Leute alle ruhiggestellt. Mit Zins und Zinseszins erhielten sie. Prallgefüllt, die ihnen ausgehändigten Geldsäcke und Schatzkisten.
Wunder, die geschahen. Die geschahen dort. Echte Wunder.

Andererseits, andererseits konnte es sich bei dem armen Prinzenmenschen abspielen, daß das hochwohlgeborene Fräulein, das Prinzeßlein, aus einem der allerbestem Königshause, selber in unübersichtliche Kalamitäten geriet.
Zuviel an zwielichtigen Orten, daß die Prinzessin sich herumgetrieben hatte. Schuldscheine, die die Königstochter dort mit ihrem Namenszug unterschrieb.
Die hochherrschaftliche Tochter erfuhr, daß es für kompromittierende Sachverhalte bezahlen sollte, die es zum Mittelpunkt hatten. Nichts, wovon man im Königspalaste viel erfahren durfte. Unabsehbare Folgen, die der Skandal gehabt hätte. Nicht zu sagen.
Die aufgeregte Prinzessin also, die aus solcherlei Gründen unvermittelt Kleinigkeiten aus dem Schatz benötigte, den der edle Prinz, Liebling der Prinzessin, nun sein Eigen nannte.
Mitunter ereignete es sich, daß der Edelmanne eben sein Goldkrönchen oben sich aufs Haupte aufgesetzt hatte, sich damit ein Weilchen ausgiebig im Spiegel zu bewundern, ihm das Gurren einer Taube ans Ohr drang. Oder sonst etwas musikalisch piepste, dudelte.
Die nächste kurze Mitteilung, die ihn erreichte. Die zum Inhalte hatte, daß all das Gold, das Geschmeide, die Münzen bloß geliehen war. Die Prinzessin, die hatte das lediglich an ihn verliehen. Für eine Zeitlang. Nichts mit geschenkt. Übereignet. In Besitz übergeben. Sondern, um zurückgegeben zu werden. Sobald man konnte. An sie, die hohe Königstochter. Ohne Wenn und Aber.
Viel Taubenflug hin und her. Bloß, es blieb dabei, die Prinzessin, die bestand darauf, der edle Prinz, der müßte heraufholen, von irgendwo aus seinen Schatztruhen. Schließlich ein Ding der Unmöglichkeit, daß diese Truhen leer wären. Dauernd leer. In der einen oder andern MUSSTE es Inhalt geben.
Es MUSSTE.
Aufforderung um Aufforderung, die bei dem Edelprinzen anlangte. Obwohl er in der weiten Welt und im tiefsten Walde zwischen Stock und Stein viel reiste und abging.
Immer öfters dabei Worte. Worte der Prinzessin, die aussagten, daß, wenn nicht baldigst sich irgendeine Kleinigkeit in der Angelegenheit abspielte, etwas passierte. IHM. Haarscharf aufpassen sollte er, der Erzprinz der Erzprinzen, daß IHM nicht ... Scharf aufpassen sollte er. Haarscharf auf sich acht geben. Daß nicht ...
Wenn sie, die Königstochter, nämlich erst mal richtig anfing, mit so Geschichten. Mit der Veröffentlichung der Kümmernisse, die ihr, der Prinzessin, schwer auf dem Gemüt lägen. Dabei der Name des von und zu edlen Prinzen fiele. Dann ginge die Welt erst unter. Für IHN. Schier die tiefste Finsternis, die sich IHM einstellen würde.
Ein paar der Freundinnen, die sie, die Prinzessin, umgaben, durfte man dabei ja getrost vergessen. Da hätte ER vollkommen recht. Aber die anderen Damen, Herzoginnen, Baronessen, Gräfinnen. Hochherrschaftliche Fürstengattinnen, die in den Prinzessinnengemächern für einen Besuch sich einstellten ... Diese ...
Die Rede dessen, daß die königliche Tochter immer traurig war, daß die königliche Tochter bei Unterhaltungen so komische Sachen erzählte, die durchdrang im Palast gewiß die dicksten Mauern. Das bahnte sich den Weg, bis hinein in die innersten Mauerfluchten der Wohn- und Schläfgemächer des Königs und der Königin.
Vor allem die Königin und Mutter, die erregte sich leicht. Darüber wußte er genau Bescheid, der Prinz. Darüber, was dann geschehen konnte, würde. Daß, gleichgültig, hinter welcher Türe er, der Edelprinz, sich verbarg, er Klopfer zu erwarten hatte.
Schlimme, gemeine Schergen aus dem Königspalaste. Bewaffnete Männer, die würden den Gesuchten auffinden. Überall. Im tiefsten Walde, in jeder Höhle zwischen Stock und Stein, in welchen Gestaden, Städten mit Mauern auch immer. Ihn zu befragen. Nach den Dingen auszufragen. Und hörten die Waffenträger nicht die richtigen Antworten, würden sie ihn mit sich nehmen. Das würden sie schon schaffen. Ihn nach den Verliesen vor Ort zu verbringen. Später in den königlichen Kerker in der Nähe der Königstochter.
Auf kaltem Bimsstein, sicher nichts, irgendwelche Lieder zu singen. So bei Wasser und Brot. Eiserne Ketten an Armen und Beinen. Erfüllt mit Gedanken voller Hoffnungslosigkeit.
Die erste Zeit, daß noch Folterknechte hereinkommen würden zu ihm. Für Gesänge und laute Prinzenschreie. Den Edlen, den die maskierten Knechte kunstfertig folterten. Die dunkelsten Geheimnisse seines Lebens aus ihm herauszupressen. Bis zu dem Wissen um die hinterletzten Muttermale der Mutter, die der Sohn im besten Falle bei der Geburt zuletzt gesehen hatte.
Das alles mußte allerdings nicht notwendigerweise sein. Die Welt, eine Welt beinahe wie früher, schaffte er, der Edelprinz, es, das dringend Benötigte beizubringen.

Die Königstochter brachte die Sprache darauf, daß während bestimmter Tage in der Vergangenheit im Hintergrund bei ihr zu erlauschen war, daß der Prinz zahlreiche Gespielinnen hätte. Zahllose andere Weiber. Die einen reich, mit einem Namen, die anderen arm, namenlos? Dem Prinzen eigentlich ganz und gar alles egal, Hauptsache, er konnte Felder bestellen, pflügen.
Ihr, der Prinzessin, ja so was von piepe das in der Gegenwart. So was von piepe. Piepeegal. Nur eins, das zählte, sie interessierte. Das, daß das für sie hieß, daß es da noch welche gab. Welche, die er, der Edelprinz, der Reihe nach befragen konnte. Ihnen die Frage stellen, ob nicht sie aushelfen konnten. Eine von denen IHM aushelfen wollen würde. Mit ihrem Schmucke. Ihren liegenden Silber-, Goldtalerchen. Aus ihren Schatzkästchen. Wo immer sie es hatten.
Bei all der ganzen hoffnungslosen Liebe, die manche von denen bei sich im Herzen tragen mochte. So, so viel Liebe. Die heißeste Liebesnot verschiedenster Bräute. Diese Möchtegernbräute, die konnten die Rettung sein. Die seine, oder? Oder nicht?

Tatsächlich, es war so. Daran arbeitete er, der Edelprinz, daß die Rettung für ihn käme. Und zwar mit Nachdruck beschäftigte er sich damit, dem Begehr der hohen, ihn bedrängenden Königstochter nachzukommen.
Nichts als die reinste Wahrheit, Himmel und Hölle, die der Prinz in Bewegung setzte. Von woher er kriegen konnte, nahm er. Gleichgültig woher.
Es läpperte und läpperte sich, und die hochherrschaftliche Prinzessin, die war es am Ende schlußendlich zufrieden.
Ihren Zahlungsverpflichtungen konnte die königliche Tochter nachkommen. Schwere Beutel an Silber und Gold aus ihrer Hand reichte sie weiter. Ohne daß die im Königspalaste davon irgendwelche Kleinigkeiten erfuhren. Die Geheimnisse blieben gewahrt. Bei jeder Transaktion.
In welchem Verhältnis diese Ausgaben, die mit ihren Kalamitäten bei derartigen mißlichen Angelegenheiten über den Erzprinzen kamen, allerdings zu den Inhalten der Schatztruhen und Geschmeide- und Wertpapierehaufen standen, die dem noblen Manne früher real ausgehändigt worden waren, schwer zu sagen.
Half einem Feinde, ob Piratenkapitän, sonstigem Bandenführer, vielleicht nicht einmal der Blick in die Kristallkugel der Wahrsagerin im Zelt am nächsten Mittelalter- oder Flohmarkt des Städtchens viel etwas, das genau festzustellen. Nur eines, das war sonnenklar an der Geschichte: So wie's war, wird's immer sein. Wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute.
Glut erlosch. Glut befeuerte sich neu.
In der Gegend fehlt's sich doch an nichts. Wirklich nicht. Niemand, der dort Sorgen hätte. Nicht mal die allerkleinste.


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Mensch, Mensch, Mensch, die Handlung des Obigen ist frei erfunden.

Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen wäre rein zufällig. Wie könnt's denn auch anders sein?


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