"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 112
27. März 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Wegen der Neuigkeit war ich total perplex.
Die Zeitung hat mir die Zeitungsausträgerin hingehalten, und ich hab' sie genommen. Verabschiedet hat sich die Frau von mir, sich abgewandt, um von mir wegzugehen, weiterzumachen auf ihrem Weg, den Leuten ihre Tageszeitung zu bringen.
In meinen Gedanken hat es sich überschlagen, Tagebuch.
Was war das? Was wollte Manuela denn von mir? In welche Welt mich hinüberholen?
Nur eins war eindeutig klar: daß ich dort nicht hinwollte, wo Manuela war. Nicht mit Manuela. Mit niemandem.
Die Hosen hatte ich voll, gestrichen voll, entdeckte ich bei mir. Etwas, was mir bis dahin vollkommen entgangen war. Das Naserümpfen der Zeitungsausträgerin mir gegenüber wunderte mich nun nicht mehr.
War gezwungen, mir frische Klamotten zu suchen, mich im Bad unter die Dusche zu stellen.
Das nächstemal, daß in einem Plastiksack ein Satz Kleidung von mir in der Tonne entsorgt wurde.
*
Tagebuch.
Achtzehnter Juli, 09:58 Uhr, Samstag am Vormittag.
Jener Nachmittag. Zusammen mit Manuela im Mezzolatte:
Ihr kaltes Händchen hatte Manuela wieder auf meine gelegt. Manuela: 'Darf ich dich noch mal küssen, Bern-die?'
Ich: 'Ich will, daß du mich küßt. Küssen darfst du mich zu jeder Zeit.'
Nach meinem Nacken faßt Manuelas Hand, schob ihren Kopf nahe an meinen ran. Zuerst hat mich Manuela zärtlich auf die Wange geküßt. Anschließend näherten sich Manuelas Lippen den meinen.
Zwar kühl, Manuelas Lippen ...
Als ich Anstalten machte, meinen Mund aufzumachen, mal mit Zunge zu küssen, hat Manuela ihren blonden Haarschopf von mir zurückgeschwungen, mir hingegrinst.
Dieses Grinsen nervte mich irgendwie an, so daß ich, um nichts zu plappern, das falsch rüberkommen hätte können, nach meinem Bierglas griff. Genehmigte mir einen Schluck.
Fast leer, mein Glas. Wurde langsam Zeit, mit Manuela ins Joeys zu kommen.
Anscheinend hatte Manuela meine Gedanken gelesen. Manuela meinte: 'Mag nicht mehr im Mezzolatte bleiben, Bern-die. Gehen wir woandershin, ja?'
Ich: 'Zu Joeys? Oder willst du woanders hingehen?'
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