"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 139
5. April 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Die ältliche Hausfrau schien Vertrauen gewonnen zu haben, in mich und mein Aussehen. Vielleicht kam ich ihr auch bekannt vor, wie sie mir von früher her immer bekannter wurde. Die stählerne Kette nahm sie jedenfalls von der Tür weg, machte weit für mich auf.
Ich: 'Bitte, ich versteh' das nicht. Hab' Manuela hergefahren. Manuela ist hier rein ins Haus. Aber - ich kann den Namen der Dombrowskis nirgends entdecken ...'
Sie: 'Die Dombrowskis - natürlich, die Dombrowskis. Hatte den Namen nur momentan ganz aus dem Kopf, Herr Bernd. Jetzt sind wir aber beisammen. Klar, die Dombrowskis. Haben lange genug hier im Haus gewohnt, die Dombrowskis. Lange genug. Aber heute, heute wohnen die Dombrowskis nicht mehr hier im Haus. Schon seit Jahren nicht mehr hier im Haus. Seit drei Jahren. Mußten damals ausziehen. Konnten die Miete hier nicht mehr zahlen, mußten sie raus. Stimmt schon, drei Jahre her heute, daß die Dombrowskis aus der Wohnung im fünften Stock oben ausgezogen sind.'
Wie vom Donner gerührt, bin ich dagestanden. Das offiziell zu erfahren, was ich mir von ungefähr gedacht hab', das hatte mich doch ziemlich betroffen gemacht. Reichlich belämmert muß ich auf die alte Dame herabgeschaut haben.
Sie: 'Die Dombrowskis, vor drei Jahren sind die hier bei uns raus, Herr Bernd. Mußten droben ausziehen.'
Ich, vertattert: 'Da-dann hat Manuela sich ei-einen Spaß mit mir er-erlaubt. Hat Manuela mich ver-arscht. Bin mit Manuela hierhergefahren - Manuela steigt mir hier aus dem Auto. Hab' Manuela ins Haus rein-gehen sehen ...'
Angeglotzt hat die mir gegenüber mich, sagte nichts dazu.
Den Kopf hab' ich geschüttelt, ich, einer von der traurigen Gestalt. Mit dem sich eine ein verschärftes Späßchen erlaubt hatte.
*
Einundzwanzigster Juli, meine Tagebuch-Datei offen.
Sonntag am Nachmittag. Zehn vor halb vier Uhr.
Frau Hermine Meier.
Frau Hermine Meier, die mich nach meinem ganzen Namen fragte, daß ich sie nach dem ihren fragte.
Frau Hermine Meier, die einen dünnen Kittel, im Grundton weiß, mit bunten Blümchenmotiven, am dicken Leib mit übergroßen Brüsten anhatte, eine blaue Schürze vorgebunden, war weiter informativ.
Jetzt, nachdem Frau Hermine Meier, die Hausmeisters-Gattin, mich besser kannte, wußte, um wen sich die Geschichte drehte, brach es bei Frau Hermine Meier regelrecht aus. Eine wahre Flut an Nachrichten hatte Frau Hermine Meier für mich parat.
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