"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 140
5. April 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Die auf die Reihe zu kriegen, das will ich hier jetzt ungefähr versuchen.
Frau Meier: 'Bald wohn' ich fünfundzwanzig Jahre hier im Haus. Demnächst feiern ich und mein Mann hier drinnen Jubiläum als Hausmeister-Ehepaar. Als die Dombrowskis damals eingezogen sind, war Manuela drei, vier, fünf, glaub' ich. Ein niedliches, kleines Mädchen, Manuela. Niedlich und klein ist Manuela aber nicht geblieben. Immer frecher ist Manuela geworden, je älter sie geworden war. Hat's ihrer älteren Schwester nachgemacht. Ungezogene Gören, die beiden. Mußtest du aufpassen, daß die zwei dir nicht von hinten den Geldbeutel aus dem Einkaufskorb herausstibitzten. Haben sie hier in der Nachbarschaft ein-, zweimal bei älteren Damen gemacht. Jetzt frage ich Sie, Herr Bernd, hätte man mit denen in der Schule oder anderswo in den ersten Jahren nicht noch was machen können? Als Teenager, alles nur noch schlimm. Schlimm, schlimm, schlimm. Nichts als herumgetrieben haben sich die Mädels. Zum Beispiel Manuela. Elf, zwölf war Manuela, glaub' ich, ist schon so ein Kerl mit ihr im Auto vorgefahren. Die waren zusammen, das hat jeder mitbekommen dürfen. Geküßt haben die sich. Haben sich angefaßt. Überall faßt Manuela hin, hab' ich mal gesehen. Weiß nicht, Herr Bernd, warum die Dombrowskis mit ihrem üblen Ruf so lange hier im Haus wohnen konnten. So lange Jahre. Weil, da ist oft die Polizei zu denen rauf in die Wohnung ... Der Notarzt war da. Manuelas Schwester Christine, die hatte einen Selbstmordversuch. Wochenlang hatte die ihre Handgelenke eingebunden ... Geschichten könnt' ich Ihnen erzählen, Herr Bernd. Der Vati Manuelas, der Vati Manuelas, der hat gesoffen. Gesoffen und zugeschlagen. Die Mutti Manuelas und Christines ... Es war die Rede gegangen, daß die Frau des Dombrowskis zu Männern in der Umgebung hier gegangen ist, eine oder beide Töchter dabei. Einmal die, dann die andere. Daß die Mutter und die Töchter es mit den Männern zusammen ... Für Geld. Hab' selber nie viel mit der Frau geredet. Außer immer mal ganz kurz, wenn Frau Dombrowski im Haus die Stiegen hat putzen müssen. Übers Putzen. Hatte der Frau aber auch sonst nicht viel zu sagen ...'
Ich bin dagestanden, gegenüber von Frau Hermine Meier, der Hausmeister-Gattin, habe mich während Frau Hermine Meiers Ansprache öfters hinten im Nacken gekratzt oder am Ohr gezupft.
So arg, wie Frau Meier mir das zwischen Tür und Angel dahergeredet hat, war mir das bei Manuela und Manuelas Eltern zur damaligen Zeit nicht vorgekommen.
Gut, der alte Herr Manuelas, der konnte einen bösen Rappel kriegen. Auf den mußte man aufpassen. Manuelas Vati, der haute schon mal gerne auf alles ein, was in seiner Nähe war.
Aber, mich persönlich, mich hat irgendwie nie ein Schlag von ihm getroffen. Nur angeschrien hat der mich ein-, zweimal. Daß ich mich hinstellte, bereit für alles.
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