"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 147
7. April 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Nicht zu glauben für den Spießbürger. Der davon tagelang im lokalen Teil der Tageszeitung las. Es am Lokalradio in Dauerschleife hörte. Die Bilder der Verwüstung sich schaudernd betrachtete, wenn er das regionale Fernsehprogramm umschaltete.
Vielleicht hätte ich auch für ein paar örtliche Schlagzeilen sorgen können ...
Wieder die Sonnenbrille auf der Nase auf, habe ich eine Stunde hingewartet, jemanden von den Dombrowkis zu Gesicht zu kriegen. Vati Dombrowski. Mutti Dombrowski. Manuelas Schwester Christine. Oder Manuela höchstselbst.
Langweilig, daß es während der Zeit in der Hegelstraße war. Sterbenslangweilig.
Nichts mit sich prügelndem Jungvolk.
Ich stellte mir ausgiebig vor, daß einer Manuela, die in ihrem knapp den Hintern bedeckenden schwarzen Sackformminikleidchen dahergeschritten kam, anrempelte. Er Manuela fragte, ob sie ihm nicht einen blasen will. Weil man schon so lustig drauf war, daß ein paar, die dazukamen, anfingen, Manuela herzugrabschen, nach Herzenslust. Während Manuela, der das alles nicht paßte, gellende Schreie ausstieß.
Nur leider, weit und breit keiner vor Ort anwesend, der für Manuela aus einem der Häuser herauskam, Manuela irgendwie beizustehen. Hilflos, daß Manuela dem öffentlichen Treiben ausgeliefert blieb.
War nicht die Realität. Überhaupt nichts war wirklich. Nichts, das in der Hegelstraße stattgefunden hätte.
Voll enttäuschend.
Nicht das kleinste bißchen einer Szene, die sich vor meinen erwartungsvollen Augen knackig abspielen hätte wollen.
Wieder beruhigter städtischer Sozialbrennpunkt. Oder was?
Nach knapp einer Stunde bin ich abgefahren.
Ohne die allergeringste Kleinigkeit in Sachen Manuela unternommen zu haben. Als wäre mir jeglicher Dampf abhandengekommen.
Nicht für den kleinsten Schnurz, daß ich an der Haustür geläutet habe. Nicht ein einziges Mal bei den Dombrowskis in der Wohnung.
Das habe ich mir dann ersparen können, das Momentum. Wenn Manuela, von Mutti oder Vati für mich herbeigerufen, ihr allerschönstes Spottgesicht aufgesetzt, zu mir an die Wohnungstür trat.
Das heißt natürlich, war Manuela denn bei ihren Eltern in der Wohnungseinrichtung überhaupt drinnen.
Höchstwahrscheinlicher nämlich war, daß nicht.
147
Newsletter
Gib Deine E-Mail-Adresse ein, um bei zukünftigen Artikeln benachrichtigt zu werden.
Seiten
Kategorien
- 768 "Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
- 374 mehr meilen
- 370 Kurzware
- 368 "Drei Erwachen"
- 360 hug it
- 352 allerlei
- 325 Kurzware II
- 315 kleine Szenen
- 310 Kleinteile
- 304 rundgehen
- 223 "Die Augenzeugin"
- 167 nach dem Tritt
- 152 dreimal erwachen
- 93 T-Rixi
- 57 K.K.
- 39 miles
- 22 Jäger des nächsten Textes
- 16 Kurzgeschichte