"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 156
10. April 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Der Tresen-Pirat, der schüttelte den Schädel mit dem roten Totenkopfmotivtuch oben, meinte zu dem Neuankömmling, er kriege dann ein Pils, wenn er auf der Stelle bezahle oder alles zahle, was er aufschreiben hätte lassen, den vollen Betrag.
Nun räkelte meine Bekanntschaft sich zwischen zwei Hockern herum, gaffte wie auf Randale aus in der Gegend herum.
Die Angst überkam mich, die Type könnte jede Sekunde sich aufmachen, bei Joeys auszumarschieren. Als der erneut in meine Richtung guckte, ohne mich direkt erkennen zu wollen, habe ich ihm eins hingewunken.
Ohne große Umstände, daß der andere sich vom Thekenrand abgestoßen hat, sich aufmachte, zu mir herzukommen.
Grußlos plazierte der mit dem pinkfarbenen Strubbelhaar sich bei mir am Tisch, stierte mich an wie ein Ungeziefer, nach dem er bei erstbester Gelegenheit zu schlagen gedächte.
Immer noch war der Lärm im Joeys nicht neuerlich losgegangen, daß man verständlich eine Unterhaltung miteinander führen konnte.
Ich sage: 'Hallo!'
Der andere: 'Eh, Arschloch - kenn' ich dich nicht woher? Denk' mir die ganze Zeit, dich, dich kenn' ich von irgendwoher, Arschloch. Woher kenn' ich das Arschloch aber ...? He, Arschloch, was willste von mir? Willst mir sicher ein Pils zahlen, oder nicht? Oder was sonst? Was will die Arschloch-Fresse sonst? Eh, rausgehen mit mir ...? Hier raus? Sag, was will deine Fresse von mir? Ein paar Glocken für die Fresse kannst du sofort aufgehübscht haben ...'
Ich: 'Ich be-stell' dir ein Pils.'
Er: 'Nein, tust du nicht! Du gibst mir das Geld. Her mit dem Geld, sag' ich. Mein Pils hol' ich mir selber.'
Ich: 'Auch gut. Ich ge-geb' dir das Geld.'
Einen Zehner, den ich mir nervös, zittrig aus dem Geldbeutel gefingert hab', während so was von gemeine Augen auf mich draufgeglotzt haben. Auf die Tischfläche legte ich den Zehner.
Den Zehner hat mein Freund sich ohne große Umstände gegriffen, ist aufgestanden, fort, sich sein Pils am Tresen vom Piraten zu besorgen.
In beiden Händen ein gefülltes Pilsglas für sich, ist ER grinsend zu mir zurückgekehrt. Mir gegenüber hat ER sich wieder hingehockt. Breit grinst ER mir die nächste Runde, unverhohlene Totschlaglüsternheit im Ausdruck seiner Augen. Ein diamantenes Knopf-Piercing glitzerte bei IHM im Nasenflügel.
*
Zweiundzwanzigster Juli, meine Tagebuch-Datei offen.
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