"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 293
26. Mai 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Mit diesem Fransen samt seinem metallenen Spazierstock mit der Dämonenfratzenplastik am Knauf oben sollte ich zu einhundert Prozent noch einmal fertig werden können. Und diesesmal würde ich es ihm richtig besorgen, präsentierte er sich mir nicht als Schrecken, sondern leibhaftig unmittelbar mir gegenüber.
Aufs Bett habe ich mich dann in der Schlafanzughose an, mit Unterhemd gelegt.
Wälzte mich von einer Seite auf die andre. War nichts mit Schlaf.
Keine Ahnung, was mich da dazu gerufen hatte. Auf alle Fälle hatte ich plötzlich die Farbfotografie mit Manuela Dombrowski und das Sterbebildchen Manuela Dombrowskis in meinem Sinn. Die Bilder, die Manuela Dombrowskis Mutti mir mitgegeben hatte.
In mir war ein drängender Impuls; nicht dagegen anzukommen. Aus der Bettstatt bin ich gehüpft. Aus der oberen Schublade meines Wandschränkchens habe ich das Farbfoto Manuela Dombrowskis geholt und es mir vorgenommen.
Im wahrsten Sinne des Wortes vorgenommen. Der passende Ausdruck für das, was ich angefangen habe.
Damit habe ich begonnen, in einer Tour auf das Farbbild zu starren. Draufgestarrt habe ich und draufgestarrt.
Der reinste Wahnsinn, der mich überkommen war.
Und warum?
Wollte das erzwingen, daß die Fotoszene mit Manuela Dombrowski anfängt, wie ein Film zu laufen. Dieses Phänomen sollte sich für mich mit dem Foto wiederholen, das ich bei Fotografien mit Manuela Dombrowski bereits zweimal hatte.
Total verrückt war ich. Unbedingt wollte ich, daß sich da was abspielen sollte.
Auf der Farbfotografie hatte Manuela Dombrowski kupferfarbene Haare.
Auf das mit den Haaren hatte Manuela Dombrowskis Mutti mich hingewiesen. Manuela Dombrowskis Mutti hatte zu mir gesagt, daß das mit dem Kupferhaar etwas Komisches war bei Manuela. Weil Manuela Dombrowski nie eine war, die viel was für das Haarefärben übrig hatte.
Leicht gebauschtes, kupferrotes, langes Haar mit Kreppeisendauerwelle bei Manuela Dombrowski ...
Dauerndes Gestarre von mir auf das Foto, ohne daß sich deswegen die kleinste Kleinigkeit bei Manuela Dombrowski am Bild hätte ereignen wollen. Nicht eine Zuckung.
Vielleicht durfte ich das Phänomen nicht wollen, kam mir in die Gedankengänge; sobald man es in der Erwartung hatte, spielte sich nicht leicht was ab.
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