"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 391
30. Juni 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Ein Bild, groß wie meine Hand.
Als ich mich danach herabbeugte, hat sich alles geweitet, unerklärlich für mich.
Als erstes konnte ich mit dem Kopf durch die Oberfläche nach der anderen Seite hindurchstoßen. Dann bin ich, im Schwung von oben herab, mit dem ganzen Körper hindurchgeschlüpft. Wie ein Taucher.
Nach meinem Durchgang bin ich eine kleine begrünte Anhöhe hinabgerollt. Hin zur Blümchenwiese, auf der Manuela und Christine Dombrowski sich über meine Ankunft freuten ...
Und tatsächlich - peng! - in Wirklichkeit befinde ich mich früh am Morgen desselben Tages - Donnerstag, der sechzehnte Mai - knapp vor acht Uhr früh in der Umgegend von Geiersdorf. Lediglich ein paar Kurven weiter unten von Geiersdorf. Nackt, aus den Stellen über dem Kehlkopf herausblutend, dort, wo bereits früher bei mir hineingebissen wurde. Ich taumele von der Wiese auf die Teerstraße, verursache einen Unfall. Angefahren werde ich, daß ich mit leichten Verletzungen - Prellungen, Hautabschürfungen; dazu mit Halsverband - im Rettungswagen ins nächste Krankenhaus gefahren werde.
Ein Ortwechsel ist das, daß ich mich plötzlich bei Geiersdorf aufhalte, der für mich nur sehr schwer knapp im Bereich meiner realen Möglichkeiten liegt. Überlegt man sich die Umstände, daß ich nach ein Uhr nachts im Zug oder in oder mit einem Auto gefahren sein könnte.
Vielmehr heißt das lediglich, die Strecke, innerhalb von ein paar Stunden nach Geiersdorf zu gelangen, wäre für mich machbar. Aus einer Entfernung von mehreren Hunderten von Kilometern. Wenn auch mit einigen Mühen. In meinem verwirrten Zustand. Gekleidet in eine Schlafanzughose, ein Shirt und mit Pantoffeln an den Füßen.
Dort, an meiner Unfallstelle in der Nähe von Geiersdorf, wäre anzukommen.
Daß mir die Szene auf einem ordinären Foto filmmäßig in Bewegung geraten ist, war nicht das erste Mal.
Es war am Bild auf dem Metallkreuz, als ich am Gnaden-Friedhof am Grab Manuela Dombrowskis dastand.
Es war auf dem gerahmten Fotowerk, das ich, an einem Draht befestigt, an einen Leitplankenfuß gelehnt, an der Bergstraßenkurve vorfand, der Kurve aus der Manuela Dombrowski in ihrem Fahrzeug bei Höchstgeschwindigkeit den Abflug gemacht hatte.
Nach offizieller Lesart in den Tod.
Den Beweis, daß Manuela Dombrowski nicht tot wäre, den kann ich der Welt nicht erbringen.
Sehr schwer vorstellbar, daß Ärzte, Sanitäter, die sich mit dem Sterben und mit Toten auskennen, sich geirrt haben könnten, als sie das Ableben Manuela Dombrowskis feststellten.
Außerdem hat Mutti Dombrowski zu guter Letzt unter Leuten den Sarg ihrer Tochter Manuela öffnen lassen, kurz bevor für Manuela Dombrowski auf der Beerdigung unter den Grabhügel ging.
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