"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 486
10. August 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Die alten Hemmkargs sagten jedesmal aus, die Kinder wüßten, daß sie im Aufzug zu ihnen, den Hemmkargs, in den vierten Stock hochfahren könnten, bei ihnen an der Wohnungstüre läuten. Dann würden sie etwas Süßes bekommen.
Die Kinder selber erzählten den Polizeibeamten ungefähr immer dieselbe Geschichte, die, daß sie am Spielplatz auf die Idee gekommen wären, die alten Hemmkargs im vierten Stock in der Gründelicherstraße 9 zu besuchen. Die alten Hemmkargs wären immer nett, auch wenn die Erwachsenen von den alten Hemmkargs redeten, als wären die alten Hemmkargs unheimliche Monster. Auf alle Fälle stand die Türe der alten Hemmkargs Kindern, jungen Leute stets offen. Man konnte zu den alten Hemmkargs hinaufkommen, wenn man noch nicht nach Hause wollte. Oder so schnell nicht wieder.
So richtig mit dem Verschwinden von Kindern, Jugendlichen in Verbindung gebracht werden konnten die alten Hemmkargs nie. Der Rest, das waren für die von der Polizei nichts als Gerüchte, üble Verdächtigungen. Und daß Kinder krank wurden, mal blaue Flecke, Wundmale am Hals oder in der Armbeuge hatten, das mußte nichts mit den alten Hemmkargs zu tun haben.
Beide Gebißträger, die alten Hemmkargs. Für einen Beamten hatte der alte Hemmkarg sein Gebiß sogar einmal extra herausgenommen, sich in den Mund schauen lassen. Ohne daß etwas Absonderliches wie ein Saugstachel beim alten Herrn Hemmkarg zu entdecken gewesen wäre.
Der Berlinaufenthalt von Thomas und mir war auf vier Tage befristet.
Ich muß zugeben, Herr Doktor Weil-Esch, daß die Berlinreise von Thomas und mir nicht entscheidend Neues in der von Ihnen nachgefragten Angelegenheit Fransen beziehungsweise Herrn Drakonie Rupertus Wank ergeben hat. Vor allem nichts, was den möglichen momentanen Verbleib der betreffenden Person anbetrifft.
Vor unserer Abreise aus Berlin haben Thomas und ich - darüber möchte ich Sie in Kenntnis setzen, Herr Doktor Weil-Esch - nochmals ein Gespräch mit Herrn Holger Lambertz, dem Hausmeister des Hauses Gründelicherstraße 9, geführt. Bei der Unterhaltung hat sich für uns von der Detektei Umschau nichts Weiterführendes aus dem Mund von Herrn Lambertz ergeben. Herr Lambertz, dem wir das von uns, der Detektei Umschau, verfertigte Phantombild Herrn Drakonie Rupertus Wank gezeigt haben, hat zwar gemeint, der Mann auf dem Bild wäre ihm eventuell nicht unbekannt; aber momentan könnte er mit dem Aussehen des Mannes nicht viel anfangen.
Haben Thomas und ich Herrn Lambertz ohne längere Umschweife offen mitgeteilt, daß der auf der Zeichnung abgebildete Mann Herr Drakonie Rupertus Wank ist. Herr Drakonie Rupertus Wank, derjenige, der im fünften Stock des Gebäudes Gründelicherstraße 9 eine Wohnung haben sollte. Ein fünftes Stockwerk existiere zwar nicht im Haus Gründelicherstraße 9, einen Briefkasten allerdings hatte Herr Drakonie Rupertus Wank im Haus Gründelicherstraße 9. Einen Briefkasten, den die alten Hemmkargs aus dem vierten Stock verwalteten und über den Herr Lambertz, als der Hausmeister von Gründelicherstraße 9, Bescheid wissen mußte.
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