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Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 492

12. August 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Detektei Umschau: Ja ...?

Frau Ramona Gleibt: Vati hat's weiter mit Durchhalteparolen versucht. Daß keiner den Kopf hängen lassen sollte. Die Welt wäre voller Leute. Man wäre nicht einsam im Irgendwo. Oder auf einem anderen Planeten. Es war neunzehn Uhr, mitten im Sommer. Stundenlang würde es noch hell sein. Spätestens um einundzwanzig Uhr, da war Vati sich sicher, wären wir alle wieder bei den Strauchingers am Hof zurück. Dort würden wir über alles lachen, scherzen. Würden aber sicher auch ausgelacht werden. Wenn die Leute erst wüßten, wie blöde wir waren, wie wir uns im Wald verlaufen hatten. Wie wir stundenlang herumgeirrt waren. So was mußte einem erst passieren, sonst glaubt er's nicht. Das würden wir uns die nächsten paar Tage anhören müssen ...

Detektei Umschau: Wer den Schaden hat, braucht für Spott nicht zu sorgen ...

Frau Ramona Gleibt: Wäre für uns wirklich auszuhalten gewesen, denke ich ... Um es noch mal zu sagen: Wir, Gabi, Sonja und ich, wir sind auf dem einen umgestürzten Baumstamm gesessen, Vati und Mutti uns gegenüber. Zwischen uns war eine zimmergroße Fläche. Moosbewachsen. Tannennadelübersäht. Aber auch tiefschwarze Erde. Plötzlich springt Sonja, meine kleine Schwester, auf, kreischt wie wild los. 'Eine Hand! Eine Hand! Schaut, da ist eine Hand in der Erde, die wühlt!' Dorthin, wo Sonja gedeutet hat, habe ich von Sonja weg geschaut. Alle sind auf die Füße gesprungen, haben gekreischt. Es war rein nicht zu glauben - da waren wirklich fünf Finger einer Hand. Einer Männerhand. Dann: eine zweite, von unter der Erde. Die Hände haben Erde zur Seite gewischt ... Gabi sind vor Schreck die Beine weggeknickt, Gabi hat sich auf den Boden gesetzt.

Detektei Umschau: Boah!

Frau Ramona Gleibt: Es war total der Wahnsinn. Sonja, Gabi und ich, wir haben uns am Boden unten aneinandergedrängt, gekreischt und uns zu dritt in den Armen gehalten. Vati, Mutti sind dagestanden, die Augen groß, starr, die Münder offen. Gekreischt haben nur wir, Sonja, Gabi und ich. Komisch, auf die Idee, von da wegzurennen, ist keiner von uns gekommen. Keine Ahnung, vielleicht, weil blaues Plastik für uns sichtbar geworden ist. Blaues Plastik wie von einem Müllsack. Dort, wo die Hände herumwischten. Vati war Mutti umgekippt, Vati hat sich damit beschäftigt, sich über Mutti zu beugen, Mutti die Wangen herzupatschen, damit Mutti schnell wieder zu sich käme. Das kann man sich nicht vorstellen, wie schrecklich das war, als der Oberkörper sich ruckartig hochrichtete. Meine, Gabis und Sonjas Schreie hätte man bis Geiersdorf hören müssen, so haben wir geschrien. Erdverdreckte Finger streiften sich die blaue Plastikplane vom Kopf herunter. Ein kahlköpfiger Mann, der sich uns präsentierte. Ein Glatzkopf, der sich schüttelte. Ein Glatzkopf, das breiteste Grinsen in der Visage. Die Plane wurde von ihm seitwärts geschoben. Ich habe einen Schlafsack erkannt, in dem der Mann steckte. So einen Soldatenschlafsack. Den Reißverschluß am Schlafsack schob der Glatzkopf herunter, hat sich aus dem Schlafsack herausgewunden.

 

 

 

 

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