"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 504
16. August 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Detektei Umschau: Fransen ...?
Frau Ramona Gleibt: Gesehen habe ich nichts als einen schwarzen Schemen. Nur einen zwischen die Bäume davonhuschenden schwarzen Schemen. So komisch, kopflos. Einen Rumpf. Als wäre der Kopf von demjenigen herabgebeugt. So gebückt ist er davongehastet. Als ich dann bei Gaby angekommen war, stand Gaby jedenfalls alleine am Bächlein. Hinter Gaby die dunklen Bäume. An ihrem fast bodenlangem grobgestrickten braunen Rock fingerte Gaby. Einen Rock, den Gaby von Frau Strauchinger geschenkt bekommen hatte. Ein Geschenk, über das Gaby sich die Woche davor überhaupt nicht gefreut hatte. Naserümpfend hat Gaby mir den Rock gezeigt, sich an die Stirn getippt, mit den Worten, daß sie, Gaby, so war wirklich nicht mal zur Feldarbeit freiwillig anziehen würde. Jetzt aber hatte Gaby diesen Rock an. Glotzte mir starr ins Gesicht. Sichtlich, daß Gaby vor allem eins störte: mich bei sich zu sehen. Daß ich bei ihr, Gaby, eintraf, auf das war Gaby nicht scharf gewesen.
Detektei Umschau: Was Sie meinen - wieder Fransen bei Gaby, Frau Gleibt?
Frau Ramona Gleibt: Ja! Ja, klar sage ich das. 'Du gehst mir nach, Mona ...?' fragt Gaby, hat diesen oberseltsamen Glotzeblick aufgesetzt. Das Herz hat mir bis zum Hals geschlagen, ich konnte nichts reden, habe Gaby nur anschauen können. 'Du gehst mir also nach, Mona ...', macht Gaby wieder den Mund auf, betrachtet mich unzufrieden. 'Und wenn schon, Gaby! Gehen wir wieder zu den Strauchingers zurück?' meine ich. 'Ich brauch' dich nicht, Mona', zischt Gaby mir hin. Gaby: 'Mach für Sonja den Aufpasser. Nicht für mich, Mona, ja? Brauche keinen, der auf mich aufpaßt. Ich: 'Es ist bald Abendessenszeit, Gaby. Hab' mich nur gefragt, wo du noch schnell hingegangen bist. Ob du vergessen hast, daß Zeit zum Abendessen ist?' Gaby: 'Hab' keinen Hunger. Der Fraß der Strauchingers wird auch immer schlechter. Von Tag zu Tag.' Ich: 'Mir schmeckt's. Kommst du mit zurück, Gaby?' Aus Gabys Blick kann ich herauslesen, daß Gaby etwas begreift. Daß Gaby versteht, daß ich ein bißchen mehr weiß. Von ihr, von ... Die Augen wendet Gaby von mir ab, blickt im Halbkreis herum. Keiner mehr da, konstatiere ich für meinen Gedanken. 'Na schön, Mona', klingt Gaby hell. 'Gehen wir zurück auf den Hof der Strauchingers, Mona. Zu Vati, Mutti. Sonja. O ja, Sonja ...'
Detektei Umschau: Das redet Gaby so mit Ihnen, Frau Gleibt?
Frau Ramona Gleibt: Ja. Da hat etwas mitgeschwungen, bei Gaby ... Etwas Boshaftes. Die nächsten Tage habe ich mehr auf Sonja aufgepaßt, als daß ich Gaby hinterher war. Mir ist auch kein rechter Grund eingefallen, weiter Gaby hinterherzugehen.
Detektei Umschau: Ja?
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