"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 524
23. August 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Detektei Umschau: Ja?
Frau Ramona Gleibt: Wirklich. Bei Gaby im Zimmer ging es nicht mehr laut zu. Einmal habe ich mich auf den Gang rausgeschlichen, habe im Dunkeln direkt an Gabys Tür gelauscht. Glaubte, ich höre so ein Schmatzen. Seltsames Gewisper. Eine geflüsterte Antwort. Wußten die denn Bescheid, daß ich an der Türe herumstand? Mir war, als könnte die Zimmertür jede Sekunde aufgehen. Das Herz ist mir fast stehengeblieben. Bin weggehastet, solange ich das noch konnte. Zurück zu Sonja aufs Zimmer.
Detektei Umschau: ER war bei Gaby?
Frau Ramona Gleibt: Ich meine, ja. Nur, da reinzugehen, nachzusehen, das hätte jemand anders machen müssen. Vati, Mutti, irgendwer. Ich jedenfalls, ich wollte mich damit nicht in die Nesseln setzen. Ich habe auch nichts gesagt.
Detektei Umschau: Verstehen wir.
Frau Ramona Gleibt: Es war drei Tage vor Muttis und Vatis Abreise bei den Strauchingers. Sonja und ich haben mit Tolle, dem Hundewelpen, auf der Wiese gespielt. Kommt Gustl zu uns dazu. Sagt Gustl: 'He, Mona, weißt du was? Ich habe Gaby eben zwischen dem Stachelbeerenstrauch und den Hagebutten verschwinden sehen. Wo will Gaby, eure Schwester, denn so aufgebröselt hin?' Ich: 'Wie, aufgebröselt?' Gustl: 'Gaby hat sich voll bemalt. Blutrote Lippen. Weißer Puder. Schaut Grufti aus, Gaby; voll Grufti-mäßig. Habe Gaby aber einen Moment gesehen. Wo will Gaby denn hin, in dem Aufzug? In die Disko? Oder will Gaby auf den Friedhof?' 'Keine Ahnung, Gustl', meine ich: 'Machen wir Gaby doch hinterher ...' Gustl, der gerne mit mir zusammen war, nickte begeistert. Gustl: 'Hochhackige Schuhe hat Gaby an. Mit den Schuhen muß Gaby im Gras am Bach Spuren hinterlassen ...'
Detektei Umschau: Und ...?
Frau Ramona Gleibt: 'Ihr könnt ruhig weggehen, ich kümmere mich um Tolle', sagt Sonja. Gustl und ich gehen von Sonja und Tolle weg. 'He, heute ist Mokassintag', meint Gustl, macht mich darauf aufmerksam, daß ich und er Mokassins anhatten. Die braunen Mokassins, die meine Mutter gekauft hatte, und von denen Gustl auch ein Paar geschenkt bekommen hatte. Zwischen den Stauden und den Hagebutten sind Gustl und ich durch. Gustl zeigte mir stumm den ersten Abdruck von den hochhackigen Schuhen, die Gaby anhatte. Den Bach hinauf ist Gaby gegangen. Plötzlich faßt Gustl mich auf Höhe meiner Brüste am Shirt, deutet nach vorn. Ich schaue dorthin, und da steht Gaby in der Wiese. Die Teerstraße überblickt Gaby. Gaby mit schwarzem, kurzem Lederminirock, löchriger schwarzer Strumpfhose. Ganz durchsichtigem grauem Samthemdchen. Darunter trägt Gaby einen schwarzen Büstenhalter. Viel mit Stiften, daß Gaby gearbeitet hatte, Eyeliner, jede Menge Puder, dicken Lippenstift für blutrote Lippen. Zu Gustl und mir blickt Gaby lange her, verflucht, als ob Gaby mich und Gustl sehen könnte. Haben Gustl und ich uns schnell tiefer hinters Gebüsch gebeugt.
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