"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 553
3. September 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Frau Ramona Gleibt: Auf den Gedanken bin ich nicht mal gekommen. Obwohl ER nicht nett war. ER war alles andere als das. ER war herablassend, arrogant. ER hat mich diesesmal nicht gebeten, sondern mich aufgefordert, daß ich IHN einlasse. Beim nächsten Schlag von IHM gegen den Rolladen hat das Fenster bedenklich geknackst und vibriert. Plötzlich werde ich mir bewußt, beobachte mich, wie ich gehorche, den Rolladen hochmache. Meine Hand habe ich am Fenstergriff, öffne IHM das Fenster. Die Vorhänge ziehe ich noch kurz zur Seite, mache IHM das Fenster ganz weit auf. Wie selbstverständlich ist ER zu mir ins Zimmer hereingestiegen. Als wäre das Erdgeschoß, nicht das dritte Stockwerk. ER befand sich bei mir im Zimmer, und ... Imposant ist ER mir eigentlich nicht vorgekommen. Zwar ein großer Mann. Aber sein Trenchcoat war schäbig. Seine braune Hose, eher die eines alten Mannes. Als ER grinste, dachte ich, ER hätte keinen einzigen Zahn im Mund. Wirklich. Und ER stank. Er stank. Das war ein Gestank. Den Kopf habe ich geschüttelt, so ein Geruch war das, so armselig sah ER mir gegenüber aus. Nur leider, jetzt hatte ich IHN bei mir drinnen. Und außer IHN zu beobachten und blöde anzugaffen, zu mehr war ich nicht in der Lage. Ich gaffte IHN an, wie außerhalb. Wie eine interessierte Zuschauerin, die mit den Geschehnissen um sich herum eigentlich nichts zu tun hatte.
Detektei Umschau: Wenn Sie IHN so entzaubert sehen, Frau Gleibt, müßten Sie doch ...
Frau Ramona Gleibt: Es war schon spaßig. Der Wunsch war immer in mir gewesen, IHN bei mir zu haben. Daß ich DIE wäre, statt Gaby. Daß ER mich nähme, nicht meine Schwester Gaby. In dem Moment fühlte ich mich jedoch irgendwie von IHM betrogen. Und von Gaby. Von der ganzen Welt. Weiß nicht, wie ich es sonst ausdrücken soll. Diese ganze Schäbigkeit, die ich wahrnahm. Nichts als Böswilligkeit, Feindschaft blinkte in SEINEN Augen. Wenn ich eins wußte, wenn ER bei mir dran war, würde ich nicht viel Gutes zu erwarten haben. Eigentlich wollte ich nichts anderes als davonlaufen und nicht wie eine Statue herumstehen.
Detektei Umschau: Also, Sie müßten doch in der Lage gewesen sein, etwas zu machen, Frau Gleibt, wenn Sie ...
Frau Ramona Gleibt: Nein, ich nicht. Es war halb ein Uhr in der Nacht. ER hatte viel Lärm gemacht. Viel zuviel. Und ich hatte vergessen, meine Zimmertüre abzusperren. Plötzlich wurde meine Zimmertüre aufgerissen, stürzt Vati herein. Mutti hinter Vati hintendrein. Vati sieht IHN, hüpft sofort auf IHN los. ER schmeißt Vati auf mein Bett, als hätte Vati kein Gewicht. Vati haute sich an der Wand den Kopf an, rutschte mit Nasenbluten auf mein Bett herunter. Was uns alle, mich, Vati, Mutti, Sonja rettete, war, daß Mutti ihr Phone in der Hand hatte. Die Notrufnummer hat Mutti gewählt. Mutti schrie in ihr Phone: 'Ein Einbrecher. Kommen Sie schnell. Ein Einbrecher bei uns in der Wohnung.' Sonja stand bei mir in der Türe, machte mit Blitzer Fotos von IHM. Nach mir schlug SEINE Hand, traf mich, und ich bin irgendwo hingestürzt, wußte nichts mehr.
553
Newsletter
Gib Deine E-Mail-Adresse ein, um bei zukünftigen Artikeln benachrichtigt zu werden.
Seiten
Kategorien
- 768 "Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
- 374 mehr meilen
- 370 Kurzware
- 368 "Drei Erwachen"
- 360 hug it
- 352 allerlei
- 325 Kurzware II
- 315 kleine Szenen
- 310 Kleinteile
- 304 rundgehen
- 223 "Die Augenzeugin"
- 167 nach dem Tritt
- 152 dreimal erwachen
- 93 T-Rixi
- 57 K.K.
- 39 miles
- 22 Jäger des nächsten Textes
- 16 Kurzgeschichte