Overblog Alle Blogs Top-Blogs Literatur, Comics & Gedichte
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Werbung
Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 57

6. März 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

 

 

Verächtlich hat mein Vati das schwergewichtige Lexikonteil einfach losgelassen und auf den Fußboden herabfallen lassen. Daß es daraufhin mit dem Buchrücken nach oben auseinandergeblättert auflag.

Mit auf mich gerichtetem Zeigefinger hat mein Vati zu mir gemeint, daß er mich nicht länger bei seinen Freunden im Kegelverein sehen wolle. Nicht, solange ihm die Geschichte zwischen Helen und mir nicht klar wäre. Das solle ich mir nicht einfallen lassen, daß ich auf den Vereinsabend heute kommen möchte.

Und Mutti, die würde zwar meinen, ich dürfte solange weiterhin bei ihnen im Haus bleiben, bis das mit der Ferienarbeit bei Mauth für mich vorbei war. Aber, daß ich das genau wüßte - das könnte ich mir abschminken, sobald Mutti Helens Eltern erreicht hatte. Von Helens Vater oder Mutter erzählt bekommen hätte, was zwischen Helen und mir vorgefallen wäre. Sollte das eine böse, unangenehme Geschichte sein, könnte ich auf der Stelle abfahren, wohin auch immer. Für immer verschwinden. Am besten wäre, ich fahre geradewegs zur Hölle. Daß mir das klar wäre, etwas anderes gäbe es nicht mehr für mich. Verständnis könnte ich für unbeherrschten Scheißdreck keinen erwarten, nicht von ihm, Vati, auch nicht von Mutti.

 

 

Das war ungefähr der Text, den mein Vater abgesondert hat, Tagebuch.

Als er das draußen hatte, ist er rausmarschiert aus meinem alten Kinderzimmer. Hat bei mir die Zimmertüre lautstark hinter sich zugeknallt.

 

 

In Ordnung, sag' ich, hochverehrtes Tagebuch. Alles ganz in Ordnung.

So können wir das auch machen.

 

Kann es aber nicht glauben. Nicht fassen.

Ist denn alles nur noch toll hier für mich? Ein Tollhaus?

 

Menschenskind, das bleibt festzuhalten: Was denken Vati und Mutti denn momentan auf Dauerschleife von mir?

Wie kommen die auf die Idee, daß ich was Fürchterlicheres mit Helen angestellt hätte, als von Helen verlassen zu werden?

Was trauen die mir an Möglichkeiten zu?

Nur das Allerschlimmste, das ich Helen angetan haben könnte, was?

 

 

Mann, Mann!

Mein Herr Vater ... Meine Frau Mutter ...

Jetzt geht's wirklich los.

So was war nicht einmal im Verlauf meiner schlimmsten Teenagerzeit größerer Bestandteil meiner Möglichkeiten.

Und seit den Tagen, daß ich den Entschluß gefaßt hatte, Berufssoldat zu werden, das dann in die Tat umsetzte, hab' ich mich immer ausgezeichnet mit Vati verstanden.

 

 

 

 

57

Werbung
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post