"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 574
11. September 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Herr Johann Gleibt: Sorgen habe ich mir wegen Gaby keine größeren gemacht. An was sollte ich denken? Gesundheitliche Gaby hatte Gaby vorher nicht viele. Eigentlich war Gaby immer gesund. Von ein paar Erkältungen im Winter abgesehen, den üblichen Kinderkrankheiten, die Gaby überstanden hatte. Mir fiel eher auf, daß Gaby immer mehr Launen kriegte. Als wäre Gaby eine kleine Prinzessin. Wir, die Leute um Gaby herum, die wären Gabys Dienerschaft. Nein, wenn Gaby etwas fallenließ, sollte Gaby es gefälligst selber aufheben. Zusammen mit Mutti, mir, Ramona und Sonja sollte Gaby gefälligst am Hof der Strauchingers mitarbeiten, wie sich das gehörte. Das Maul hat Gaby mir gegenüber aufgemacht, ist mir damit schief gekommen, daß ich Mutti mit Bauernschlampfen aus der Verwandtschaft der Strauchingers betrügen würde. 'Bauernschlampfen', Gabys Ausdrucksweise. Sagte Gaby, sie sollte sich hübsch zusammenreißen. So hochwohlgeboren war sie nicht, und eine 'Schlampe', eine 'Schlampe', das war schnell eine.
Detektei Umschau: Gaby hat Sie direkt auf Ihr Fremdgehen hin angesprochen?
Herr Johann Gleibt: Dabei verstand ich mich wieder mit Mutti. Mutti wollte nicht weiterhin abreisen, ist die folgende Woche sogar wieder zu mir hinuntergezogen. Dann kam der nächste Zusammenbruch Gabys, ist Gaby ins Krankenhaus gefahren worden, und ich war wirklich froh, daß damit unser Aufenthalt bei den Strauchingers ein abruptes Ende nahm. Für mich waren das keine schönen Tage mehr. Die eine wollte das von mir - die andere das. Nichts als Forderungen an mich. Die eine, als wäre sie bereits von größerer Bedeutung - die andere, die verlangte ab jetzt meine Treue. Nein, zurück in meinem Laden hatte ich wenigstens meine Ruhe. Erst in einem Jahr würde ich auf den Hof der Strauchingers zurückkehren. Oder die Familie Gleibt machte woanders Ferien.
Detektei Umschau: Sind Sie überhaupt je wieder bei den Strauchingers für Ferien auf dem Bauernhof gewesen?
Herr Johann Gleibt: Nein.
Detektei Umschau: Nicht wieder?
Herr Johann Gleibt: Im folgenden Jahr drauf ging es Gaby um die Zeit der großen Ferien herum sehr, sehr schlecht. Gaby war auf Kur an der Ostsee. Vier, fünf Tage von dort zurück, Gaby mußte schon wieder in Krankenhaus. Ramona und Sonja, die beiden anderen, hatte während jenen Tage ganz andere Interessen als Ferien am Bauernhof. Ramona drängelte, wollte unbedingt eine eigene Wohnung. Oder zu Sonis Mutter ziehen. Dort wohnen. Und bei Sonja mußten wir Lars dulden. Daß Sonja mit Lars einen achtzehnjährigen Freund hatte. Am liebsten hätte ich den angezeigt, statt ihn mir anzuschauen.
Detektei Umschau: Kommen wir zurück zu Gaby. Wie haben Sie das im Detail erlebt, nachdem Sie bei den Strauchingers abgefahren und wieder in der Stadt zurück waren, das neue Schuljahr anfing und so weiter?
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