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Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 586

15. September 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Dann passierte es, daß Frau Brunhilde Tähl, Babsys Mutti, unvermittelt starb. Und zwar vor dreieinhalb Jahren.

An einer Sepsis ist die Frau verstorben. Ein nicht zu begreifendes Ableben für Herrn Berthold Tähl. Nur eine weiße Blase hinten am Fußrücken hatte seine Frau Brunhilde gehabt. Sonst nichts. Wirklich nicht das erstemal. Zwar, daß Brunhilde die Blase genervt mit den Fingern auf- und die Haut weggerissen hatte. Trotzdem, daß Brunhilde später daran sterben könnte ...

Ab diesem Zeitpunkt mußte Herr Berthold Tähl alleine mit allem am Bauernhof, vor allem aber auch mit seiner Tochter Babsy, zurechtkommen. Babsy, die an jedem Finger einen Verehrer hatte, Verehrer, die immer nur eins von Babsy wollten. Dabei trug Babsy kein Schild vorm Bauch: 'Nimm mich - jetzt sofort'. Unter den Fittichen ihres Vaters Berthold kleidete Babsy sich nicht aufreizend, trug eher triste Hosen, keine Röcke. Es mußte am Ruf Babsys liegen. Gegen den nichts zu unternehmen war.

Der Kerleauftrieb bei Babsy war irgendwann dermaßen schlimm, daß Vater Berthold Thäl die Idee hatte, seine vierzehneinhalbjährige Tochter Babsy zu verheiraten. Damit Babsy ganz offiziell einen Ehemann hätte, einen, der vielleicht eifersüchtig war. Über seine junge Frau wachte. Einer, der unappetitlich war, wenn zu viele Kerle Babsy wieder mal blöde ankamen, als müßten einer bei Babsy nur kurz ansagen, was er sich von Babsy wünschte, und es geschah sofort hinterm nächsten Busch.

Bloß ergab sich nichts derartiges. Kein einziger der möglichen Hochzeiter verweilte für länger bei Herrn Berthold Tähl und seiner Tochter Babsy am Hof. Am Schluß war das mit dem Abgang eines Kerls immer eine unerfreuliche Sache, mit einem Geschmack. Fast sah es aus, als wäre Babsy für jeden nur ein Körper, den man zur schnellen Befriedigung gebrauchen konnte. Nicht viel anderes als eine lebende Puppe, der man die Beine auseinandermachte. Die Puppe blieb so, war so weit.

 

Auf dem Geiersdorfer Sommerfest lernte Babsy Herrn Josef Greitel kennen, Herrn Josef Greitel, der alleine auf dem Fest war. Das heißt, Herrn Josef Greitel hatte Begleiter, ein paar Freunde und Saufkumpane. Klärchen Tabert kam diesesmal nicht in Beppis Begleitung. Obwohl Klärchen Tabert solche Dorffeste ebenso wie Frühlungs- und Volksfeste durchaus schätzte, um sich in der volkstümlichen Frauentracht der Region zu präsentieren. Vom Schneidermeister genau dem Körper Klärchen Taberts angepaßt. Dem Trachtenkenner ließ Klärchen Tabert an ihrer ländlichen Tracht erkennen, daß sie die Tochter eines reichen Ökonomen war, verlobt.

Babsy Tähl, die ging gerne tanzen. Und an dem Abend tanzte Babsy Tähl mit Herrn Josef Greitel. Schließlich nur noch mit Herrn Josef Greitel. Viel mit Herrn Josef Greitel.

 

 

 

 

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