"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 649
8. Oktober 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"
Detektei Umschau: Nein, bitte, Frau Uschke, erzählen Sie der Reihenfolge nach ...
Frau Uschke: Mache ich alles gerne für Sie, junger Mann. Sie wissen bereits, daß ich morgens immer früh aufstehe. Manchmal sogar sehr früh. In einer Bäckerei zu arbeiten, mir hätte das nie etwas ausgemacht. Als junge Frau aber schon - na ja. An jenem Morgen war ich um halb fünf Uhr am Morgen wach. In die Küche habe ich mich begeben. Kaum hatte ich Kaffeewasser aufgesetzt, mir das Filterpapier gesucht, höre ich den Lärm eines Rettungswagen. Vor meinem Küchenfenster hat er sich auf der Straße auf den Parkplatz gestellt, Blaulicht an. Die wollten nicht etwa wieder weitergefahren, sondern sind bei mir beim Küchenfenster stehengeblieben. Ich fing an, mich zu fragen: Haben die sich zu mir ins Haus reinbegeben? Sind die hier bei mir im Haus drinnen? Das mußte ich genauer wissen, bin auf den Flur, zu meiner Wohnungstüre. Habe aufgesperrt. In der Vorhalle war das Licht an. Von oben lauschte ich aufgeregte Stimmen. Weitere Hausbewohner, die aus ihren Wohnungen rauskamen, zu schauen, was denn los wäre. Ich mache mich daran, langsam die Treppen hinaufzusteigen, nach dem zu schauen, was denn passiert wäre. 'Machen Sie bitte Platz', höre ich eine angenervte Männerstimme oben. Dann kommen schon die beiden Männer im Eiltempo hintereinander herabgetrampelt. Zwischen sich tragen die Männer jemanden, den sie auf der Trage festgeschnallt hatten. Ein dritter Sanitäter, der neben der Trage herlief, einen durchsichtigen Plastikbeutel in der Hand, dessen Kanüle am Arm der auf der Trage festgemacht ist. Bei mir sind die unten angekommen, und ich sehe, daß das Beate Ettnach ist, die sie auf der Trage hatten. Bleich und tot sah Beate Ettnach aus. Wirklich talgweiß, tot. Ein Gück, denke ich, man kümmert sich um Beate Ettnach, als wäre doch noch die Möglichkeit, daß ein Funke Leben in Beate Ettnach ist. Dann waren die mit der Trage auch schon zur Haustüre. Einen der Notärzte, der an mir vorbeikam, habe ich am Kittelzipfel festgehalten. Ich sage ihm: 'Ich bin hier im Haus für die Dinge verantwortlich. Stehe in Kontakt mit dem Vermieter. Was ist denn bitte mit der jungen Frau? Bitte, ich muß dem Vermieter sofort Bescheid sagen, wenn im Haus irgendwas vorfällt ...' Der Arzt antwortet: 'Totaler Zusammenbruch. Grund: hoher Blutverlust. Hat kaum mehr Blut im Körper, die junge Frau. Warum, das können wir noch nicht genau sagen. Starke Regelblutungen. Irgendwas. Alles mögliche kann das sein. Eine nicht ernst genommene Erkrankung. Man hätte uns schon viel früher herbeirufen müssen. Statt dessen sind die beiden Mitbewohnerinnen um eins schlafen gegangen, haben sich nicht viel um die gekümmert, obwohl's der mies ging. Eine der beiden, die mit der zusammenwohnte, mußte vor knapp einer Viertelstunde aufs Klo, hat sie am Flurboden liegend gefunden. Dann hat man uns allerdings sofort herbeigerufen. Aber, viel zu spät. Viel zu spät, wie's ausschaut. Da ist wahrscheinlich überhaupt nicht mehr viel zu machen. Wir bringen sie jetzt zwar noch ins Krankenhaus. Aber, ich glaube nicht ...'
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