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Blog von TeddeMehr

"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach": 680

19. Oktober 2012 , Geschrieben von TeddeMehr Veröffentlicht in #"Ein Sommernachmittag und das Makabre danach"

Herr Müller: Manchmal putzt SIE auch im Haus in der Landschaft rum, nur, weil sie neugierig ist.

Frau Müller: Hör auf, Gerd. Glaube nicht, daß du das sagen mußt, wenn wir Besuch haben ...

Herr Müller: Daß von dir manchmal länger vor 'ner Türe herumgeputzt wird - das weiß hier im Haus jeder ...

Frau Müller: Was redest du, Gerd? Was sollen unsere Gäste von mir denken?

Herr Müller: Zehn Tage so ist das heute her, da hat meine Frau auch die Treppe geputzt. Besonders hat sie sie bei uns hier oben im Stock geputzt. Vor der Tür vom jungen Hänsel. Die treiben's manchmal am Flur, daß man's durch die Tür durchhören kann. Da paßt meine Frau auf ...

Frau Müller: Jetzt hörst du aber auf, Gerd. Hältst du den Mund.

Herr Müller: Stimmt doch, Vio ...

Frau Müller: Nein, Gerd. Hör auf. 

Herr Müller: Haben den netten Beamten am Präsidium gesagt, daß Herr Hänsel - der nebenan von uns, der jetzt tot ist -, vor zehn Tagen sicher noch gelebt hat. Weil Vio ihn vor zehn Tagen noch durch die Türe reden hat hören. Mit seiner Freundin. Ziemlich deutlich

Frau Müller: Konnte nicht anders, als zuhören. Bei dem jungen Hänsel war die Wohnungstüre aus irgendeinem Grund nur angelehnt. Konnt ich genau sehen. Mona, wie die Freundin von dem Hänsel - die, die ich unten ins Haus reinkommen gesehen hab, die, die bei der Bank arbeitet -, war da schon eine dreiviertelte Stunde bei ihrem Freund Hänsel drinnen. Ich war aber mit dem Putzeimer erst nach acht bei uns im Stockwerk oben. Ich hatte frisches Wasser bei uns hier drinnen geholt, Fliesenreiniger und flüssige Seife reingeschüttet. Bin ich wieder raus. Konnte nicht anders, als vor der Tür zuhören. Da war Mona, die Freundin von dem Hänsel, der jetzt tot ist, schon eine dreiviertelte Stunde bei ihrem Freund Hänsel drinnen.

Herr Müller: Auf so was wartet meine Frau Vio nur, daß wo nicht zu ist. Da wird sie zur Salzsäule. Mit aufgestellten Lauschern.

Frau Müller: Hörst du auf! Lass mich noch von dir scheiden, wart's nur ab. Scheidungen gibt's auch noch im Alter. Nach dreißig Ehejahren.

Herr Müller: Glaubst du, die lassen dich in der Seniorenresidenz, in der du landest, wenn du dich von mir scheiden läßt, überhaupt aus dem Bett raus? Die bildet sich wirklich ein, ein netter Senior wartet nur auf sie, mit ihr auf Traumreise zu gehen. Auf dem Traumschiff.

Frau Müller: Jetzt wird's mir langsam zu bunt, Gerd. Wirklich. Du solltest dein Schandmaul ab jetzt besser geschlossen halten.

 

 

 

 

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